Momentmal bitte – ich benötige mal eben etwas Zeit zum Nachdenken.
Durchatmen und Nachdenken ist angesagt

Zeit zum Nachdenken - in einer Zeit, in der es schon schwerfällt, sich an die "Breaking News" von gestern zu erinnern?
Sich eine abgewogene Position zu bilden, ist und bleibt in einer vernetzten und schnelllebigen Welt schwierig. Die Aufmerksamkeitsspanne für Meldungen mit relevantem Informationscharakter sinkt. Medien vereinfachen komplexe Zusammenhänge und pressen sie in reißerische „Dreizeiler“, damit sie in der Flut der täglichen „Breaking News“ überhaupt noch wahrgenommen werden.
Die wirklich wichtigen großen Themen von heute verdienen es jedoch, sich mehr Zeit für sie zu nehmen.
Was mit unserer Gesellschaft geschieht, welche Veränderungen warum stattfinden, welche Kräfte welche Entwicklungen diesen Prozess beeinflussen, welche Dynamiken wie wirken ist und muss komplex sein und bleiben.
Wir beobachten zum Teil irrationale politische Entwicklungen, die trotz belegbarer, abschreckender geschichtlicher Erfahrungen Raum greifen. Die Akzeptanz fataler gesellschaftlicher Entwicklungen, die  in gefährliche Sackgassen führt, ist erschreckend.
In Zeiten der Globalisierung und der Digitalisierung den Weg raus aus internationalen Bündnissen und Verträgen in nationale Alleingänge zu suchen, ist unbegreiflich.
Nach einschlägigen gerade deutschen Erfahrungen, wieder rechtspopulistischen, faschistische, völkische und menschenverachtende Parolen hoffähig machen, darf man nicht untätig und nur mit einem Kopfschütteln zur Kenntnis nehmen.
Vor dem Hintergrund der eindeutigen Warnzeichen einer globalen Klimakrise, diejenigen verteufeln, die rasches Umdenken und konsequentes Gegensteuern vertreten und weichgespülte Politik der Lippenbekenntnisse und des „Kopf in den Sand“ zu favorisieren, ist fahrlässig.
In traditionellen politischen Strukturen und Prozessen verharren und darauf zu hoffen, mit diesen alten Prozessen, zielführende Antworten und Lösungen im Zeitalter der Globalisierung und Digitalisierung zu finden, ist einfallslose Tagträumerei.
Viele meiner Generation nehmen verschreckt und ratlos zur Kenntnis, dass 60% einer Generation U30 sich in einer Landtagswahl aus Überzeugung einem bekennenden Faschisten und seinem Tun anschließen und nachlaufen.
Gesellschaftliche Strukturen und Prozesse verändern sich heutzutage dynamisch. Niemand wird sich dem entziehen können. Gleichzeitig werden dabei jedoch Konventionen und Grenzen in vielen Bereichen neu definiert. Der gemeinsame Nenner unserer gemeinsamen Wertebasis in unserer Gesellschaft scheint zu erodieren. Politisches Handeln bietet keine zufriedenstellenden Antworten und sorgt nicht mehr hinreichend für eine stabile Grundordnung. Die Zuordnung politischer Kompetenz  zu Themen und die eindeutige parteipolitische Orientierung in Rechts – Mitte – Links bzw. Konservativ – Sozial – Alternativ – Extrem verwischen sich und werden unscharf.
An entscheidenden Stellen der nationalen und internationalen Politik haben bzw. sind politische Scharlatane dabei die Oberhand zu bekommen. Sie bedienen mit einem zunehmend  autokratischen Führungsverständnis bevorzugt sich selbst und ihre eigene Machtbasis. Die fährt auf irrrationale, populistische Aussagen und die damit einhergehende Polarisierung und das politische Chaos ab. Nur in einem so aufgeheizten und polarisierten gesellschaftlichen Klima, können diese Scharlatane existieren und ihre Erfolge feiern.  All dies einigermaßen objektiv zu erfassen, es als Gefahr für Freiheit und Demokratie einzuordnen und diesen Entwicklungen entgegenzutreten, benötigt neben Zeit, vor allem viel mehr gesellschaftliche und individuelle Bildung und Kultur.
Wer im Geschichtsunterricht nicht aufpasst hat, wer den Grundkonsens ethisch moralischer Werte auf dem ein friedliches und geordnetes Zusammenleben in einer zivilisierten Gesellschaft basiert, nicht verstanden hat und akzeptiert, sollte sich dringend die notwendige Zeit nehmen und nachdenken, um nicht immer wieder unreflektiert gleich „jeder Sau die durchs Dorf getrieben wird“ oder jedem Rattenfänger der sein Lied mit vermeintlich einfachen aber untauglichen Lösungen für komplexe Herausforderungen betextet, sofort nachzulaufen.

Autor:

Helmut Rother aus Goch

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