Ökobilanz der Druckindustrie - Wie nachhaltig druckt die Druckbranche?

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Auf den ersten Blick wirkt das Drucken von Flyern, Büchern, Werbekarten und Plakaten nicht sonderlich umweltfreundlich. Unweigerlich denkt man an die verbrauchten Ressourcen, an Abholzung, an die chemische Verarbeitung von Farben und die Emissionen von Druckmaschinen. Doch zum Erstaunen vieler hat die Druckindustrie in den vergangenen Jahren einen erheblichen Schritt in Richtung Nachhaltigkeit gemacht - einen Schritt, der Drucken und Umweltschutz näher zusammenbringen kann.

Die tragenden Säulen der Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit in der Industrie, speziell in der Druck- und Medienindustrie, ruht auf drei Stellgrößen, die unmittelbar ineinandergreifen:

  • Ökologie
  • Ökonomie
  • Gesellschaft

Vorrangig sollte beim Thema Nachhaltigkeit selbstverständlich die Ökologie behandelt werden, konkret mit Fragestellungen wie „Wie können wir Emissionen und Abfallstoffe beim Drucken reduzieren?“. Da aber Unternehmen unweigerlich vom wirtschaftlichen System abhängig sind, müssen auch stets ökonomische Interessen berücksichtigt und gegen ökologische Maßnahmen aufgewogen werden. Zuletzt darf auch die Gesellschaft nicht außen vorgelassen werden: Die Auswirkungen von industriellen Veränderungen auf der kleinen und großen sozialen Ebene sind wichtige Entscheidungsfaktoren für eine jede Industrie.

Stichwort: Klimakompensatorisches Drucken

Wenn es um die Produktion von Druckwaren geht, stellen sich viele den Prozess, der hinter einem bedruckten Flyer, einem gebundenen Buch oder einem ansprechenden Werbeplakat steckt, zu einfach vor. Tatsächlich ist das Druckverfahren ein komplexer technischer Prozess, für den eine lange Reihe an Stellschrauben ineinandergreifen müssen, um das gewünschte Produkt zu erhalten. Wird dann zusätzlich noch verstärkt nach klimafreundlichem Druck gefragt, kommt ein weiterer Faktor in die Rechnung hinein. Beim klimakompensatorischen Drucken müssen die benötigten Grundstoffe wie Papier, Farbe und Wasser sowie die Verarbeitungs- und Reinigungsmittel mit einberechnet werden. Dafür ist eine Berücksichtigung der chemischen Verarbeitungsprozesse nötig, um sowohl effizient als auch umweltfreundlich drucken zu können.

Die Statistik spricht für sich

Die Arbeitsgemeinschaft Grafische Papiere (AGRAPA) verkündete eine positive Entwicklung in Sachen Druckverfahren: Die Verwertungsquote von grafischen Papieren in Deutschland liegt im Jahre 2020 bislang wieder bei erstaunlichen 83,3 Prozent (Vgl. https://www.bvdm-online.de/presse/pressemitteilungen/2020/bvdm-verwertungsquote-von-grafischen-papieren-wieder-bei-ueber-83-prozent/). Damit löste die Arbeitsgemeinschaft schon für dieses Jahr ihre gegenüber der Bundesregierung angekündigte Verpflichtung ein, die Verwertungsquote der grafischen Papiere dauerhaft über 80 Prozent zu halten. Welche konkreten Maßnahmen stecken nun hinter solchen Erfolgen - wie sieht gezieltes klimafreundliches Drucken aus? 

Die konkreten Maßnahmen

Das Umweltbundesamt empfiehlt konkrete Maßnahmen für klimafreundliche Druckverfahren. Schließlich benötigt eine in Deutschland lebende Person pro Jahr im Schnitt 243 Kilogramm Papier (Vgl. https://www.umweltbundesamt.de/papier-druckerzeugnisse#umweltbezogene-produkteigenschaften). Zum einen rät das Umweltbundesamt dazu, auf recyceltes Papier für Druckerzeugnisse zurückzugreifen. Außerdem lautet eine Empfehlung des Amtes, beim Import von Papier anzusetzen: Rund 80 Prozent der in Deutschland verarbeiteten Primärfasern stammen aus importierten Rohstoffen (Vgl. https://www.umweltbundesamt.de/papier-druckerzeugnisse#umweltbezogene-produkteigenschaften. Durch eine höhere Rate an recyceltem Papier würde selbstredend auch der Bedarf an importierten Rohstoffen sinken, wodurch weitere Emissionen, die durch den Transport entstehen, reduziert werden könnten.
Des Weiteren rät das Umweltbundesamt zu einer erhöhten Vorsicht in Sachen Energieeffizienz: Große Teile der Emissionen sind auf die ineffizienten Maschinen oder Energiehaushalte der Unternehmen zurückzuführen. Mithilfe energetisch effizienter Maschinen und Geräte, die die Standards der jeweiligen Umweltsiegel erfüllen, kann auch dort weiter Nachhaltigkeit praktiziert werden.
Selbstverständlich können Emissionen nie vollständig ausgemerzt werden. Für solche unvermeidbaren Emissionen gibt es inzwischen viele Initiativen und Projekte, die sich für einen Ausgleich notwendiger Emissionen einsetzen und somit anstreben, die Auswirkungen der Industrie auf das Klima abzufedern.

Eine gute Perspektive

Die Statistiken lassen große Schritte in Richtung Nachhaltigkeit erkennen und auch die Nachfrage an recyceltem Papier wird stetig größer. In Zeiten eines größeren Umwelt- und Gesundheitsbewusstseins sprechen die sich positiv entwickelnden Zahlen und Statistiken für eine Möglichkeit, industriellen Fortschritt und Umweltschutz - zwei Dinge, die sonst meist Gegenteile darstellen - näher zusammenzubringen. Dafür ist es von essentieller Bedeutung, die Druckverfahren stetig zu überprüfen und weitere Verbesserungen anzustreben. Viele Druckereien haben auch bereits reagiert und Druckverarbeitung bzw. Druckverfahren sowie Druckmaschinen um- bzw. aufgerüstet, um auch dem vermehrten Kundenwunsch – ein ökologisch nachhaltiger Druck – gerecht zu werden.

Autor:

Robert Fenchel aus Goch

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