Asozial?

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Asozial?

Wir trinken. Nein, nein, nicht wie sie denken. Wir trinken nur mäßig – aber regelmäßig. Zu jedem Essen, zu dem ein Glas Wein passt. Oder eins und ein kleiner Nachschluck. Zu Matjeshering und Pellkartoffeln passt ja nun mal kein Rotwein – und zu braunen Bohnen mit Zwiebeln und Senf schon gar nicht. Aber sonst zu fast allem. Gott sei Dank! Uns würde etwas fehlen, wenn der gute Rote nicht unser Mittagsmal bereichern würde. Gesund soll er ja auch sein – in Maßen und nicht in Massen getrunken. Solange meine Belastung-EKGs meinen Arzt noch in Bewunderung versetzen, kann diese Medizin ja nicht schaden.

Gut, nach einem Glas Rotwein stellt sich schon mal eine gesunde Restmüdigkeit ein. Aber ein kurzes Nickerchen nach dem Mittagessen soll ja auch nicht das Allerschädlichste sein. Man gönnt sich ja sonst Nichts. Drei Mal wöchentlich schweißtreibender Sport reicht ja wohl. Danach trinke ich ja nur Wasser. Viel Wasser. Aber immer nur Wasser?

In den vergangenen Jahren bekamen wir Wein von einem Winzer aus der Pfalz angeliefert. Extra aus der Pfalz – persönlich! Wunderbar – auch sein Dialekt. Wir mochten den Mann sehr. Auch nahm er bei dieser Gelegenheit das angefallene Leergut wieder mit in die Pfalz, samt den Kartons – er war ökologischer als sein Wein.
Aber immer nur Weine aus der Pfalz?

Genau, das war der Anlass, sich mal von ihm zu verabschieden und die weite Welt der Weine zu erkunden. Außer in Fünfliterboxen wird Wein nur in Einweg-Flaschen angeboten. Jeden zweiten oder dritten Tag eine Flasche, das läppert sich zusammen. Aber wozu haben wir denn neben unseren vier riesigen Mülltonnen die drei Plastik-Boxen für weißes, braunes und grünes Glas? Doch nicht nur um zusammengeharktes Gras und Laub zwischenzulagern.

Endlich wurden die Boxen ihrer ureigenen Bestimmung gerecht – sie wurden mit leer getrunkenen Weinflaschen befüllt. Und zwar randvoll, da sie nur alle zwei Monate geleert werden.

Und geleert werden sie in aller Herrgottsfrühe, wenn alle Nachbarn noch „gefühlt“ schlafen. Von den zwei leeren Gurkengläsern eines Vegetariers, die fünfhundert Meter weiter in den Müllwagen purzeln, wird kein Mensch belästigt.

Aber unsere drei Boxen – randvoll angereichert mit leeren Flaschen!

Plötzlich saß ich senkrecht im Bett. Ich hätte schwören können, ein Ferienflieger vom nahen Flughafen sei in die gläsernen Gewächshäuser unserer holländischen Nachbarn gekracht.

Spätestens in diesem Augenblick fühlte ich mich ausgesprochen asozial.

Autor:

Gottfried (Mac) Lambert aus Goch

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