Kurt Nickel aus Pfalzdorf wurde in die Gruppe 48 aufgenommen

Günter Grass, Heinrich Böll oder Ilse Aichinger erlangten durch die Gruppe 47 ihren Weltruhm. Als loser Nachfolger des Literatentreffens sieht sich heute die Gruppe 48. Einer ihrer Mitglieder: Kurt Nickel.
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Zwei Jahre nach dem Krieg entstand sie, die Gruppe 47. 20 Jahre lang war sie, von Legenden umrankt, der In-Treff für die deutsche Nachkriegsliteratur. Von Hans-Werner Richter im Jahre 1947 als loser Schriftstellerverband gegründet, brachte die Gruppe viele namhaften Autoren wie Heinrich Böll, Günter Grass oder Martin Walser hervor und hörte dennoch 1967 auf zu existieren. Als loser Nachfolger sieht sich die Gruppe 48. Diese wurde 2016 als gemeinnütziger Verein gegründet. Ein Pfalzdorfer gehört seit einem halben Jahr dazu: Kurt Nickel.

VON FRANZ GEIB

Pfalzdorf. Kaum beigetreten hatte der Buchautor im Frühjahr dieses Jahres schon Schwerstarbeit zu leisten: 484 Manuskripte eingereichter Prosa-Beiträge und Lyrik-Einsendungen von ebenso vielen Autorinnen und Autoren hatte der Pfalzdorfer als Jury-Mitglied des jährlich stattfindenden Literatur-Wettbewerbs seit Januar bis Mitte April zu lesen und zu bewerten. "Zu Beginn kamen die Beiträge kleckerweise, im März waren es dann fünfzig Manuskripte am Tag!", erinnert Kurt Nickel, der vor allem bedauerte, dass er gerade in dieser Zeit so gerne seiner Gartenarbeit nachgegangen wäre.
Doch diesen einmaligen Blick auf die deutsche Gegenwarts-Literatur wollte er nicht missen, die Chance, das Gebiet literarischen Schaffens aus einer anderen Warte zu betrachten, war ihm der Verdruss darüber, das heimische Grün nicht in gewohnter Form gestalten zu können, allemal wert: "Ich hatte zwar jede Menge Stress, doch ich fühlte mich schon geehrt, als eines von sechs Jury-Mitgliedern dabei sein zu können."

Anspruchsvoll konstruierte Texte

Was er zu lesen bekam, waren sowohl ergreifende Beiträge über Somalia als auch sprachlich anspruchsvoll konstruierte, fiktionale Texte, die dem Pfalzdorfer alles abverlangten. Aufbauend auf das deutsche Schulnotensystem gab Nickel seine Bewertungen für das jeweilige Werk ab, mitunter nicht ohne seine persönliche Einschätzung entsprechend zu kommentieren. Die Urteile fielen meist sehr knapp aus, und so mancher Autor dürfte, wenn er je davon erführe, ins Grübeln geraten sein, wie diese Einschätzung zu verstehen sei. Denn Kurt Nickel hielt sich nicht zurück, attestierte so manchem Werk "völliger Unsinn" zu sein, das kaum noch zu toppen sei. Seine Bewertungen reichten von Note 1 bis 8-.
Die besten Werke werden am 8. September auf Schloss Eulenbroich in Rösrath prämiert. Neben den beiden Hauptpreisen (jeweils für Prosa beziehungsweise Lyrik) über 2.000 Euro winken vier Nominierungspreise á 1.000 Euro. Außerdem werden von den eingesandten Wettbewerbstexten im anonymisierten Juryverfahren 50 für eine Anthologie ausgewählt, die die Gruppe herausgibt.
Für Kurt Nickel ist das Mitwirken in der Gruppe 48 nicht nur Bestätigung seines eigenen Wirkens, sondern vielmehr auch ein Beweis dafür, den richtigen Weg, den er bereits vor seiner Pensionierung beschritt, gegangen zu sein: "Wir sollten alle öfter zum Schreibgerät greifen. Es ist nie zu spät."
Info: Die Gruppe 48" hat sich seit ihrer Gründung Anfang 2016 - am 28. Dezember 2017 erfolgte der Eintrag ins Vereinsregister - der Förderung guter deutschsprachiger Literatur verschrieben. Konzeptionell sieht sich die Gruppe in der Nähe der legendären Gruppe 47 und prämiert ebenso wie der Vorgänger literarisch anspruchsvolle Texte. Ihren Blick richtet die Gruppe 48 auf solche Beiträge, die sich mit Themen und Problemen unserer Zeit beschäftigen. 1. Vorsitzende des Vereins ist Dr. Hannelore Furch M.A. Die Gruppe 48

Günter Grass, Heinrich Böll oder Ilse Aichinger erlangten durch die Gruppe 47 ihren Weltruhm. Als loser Nachfolger des Literatentreffens sieht sich heute die Gruppe 48. Einer ihrer Mitglieder: Kurt Nickel.
Kurt Nickel  und Ehefrau Dagmar Nickel-Kusch haben die Wettbewerbsbeiträge gemeinsam gelesen und bewertet.^Foto: Steve
Autor:

Franz Geib aus Goch

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