Neben dem Borkenkäfer setzt die Trockenheit den Bäumen ordentlich zu
Dem Wald geht es schlecht

Frank Koch (rechts), der Forstverwalter im Wissener Wald, und Raphael Freiherr von Loe, Herr über Schloss Wissen, präsentierten die dramatischen Zustände im Wald und wollen mit einer durchmischten Aufforstung dagegen steuern. Foto (2): Steve
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  • Frank Koch (rechts), der Forstverwalter im Wissener Wald, und Raphael Freiherr von Loe, Herr über Schloss Wissen, präsentierten die dramatischen Zustände im Wald und wollen mit einer durchmischten Aufforstung dagegen steuern. Foto (2): Steve
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Forstbewirtschaftung ist so ein bisschen wie der Blick in die Glaskugel: Ob das, was jetzt gepflanzt wird, etwas ist, was die Zukunft des Waldes positiv beeinflusst, kann keiner sagen. Da sind zum einen die langen Zeiten, die ein Baum braucht, bis er eine stattliche Höhe erreicht hat, und zum anderen das künftige Klima. Stand jetzt ist nur eines klar: Dem Wald vor Ort geht es gerade nicht gut.

VON FRANZ GEIB

Weeze. Der Start in die Woche war nicht schlecht, es hat zeitweise geregnet. Doch bei weitem nicht so, wie es Raphael Freiherr von Loe, Hausherr auf Schloss Wissen und Frank Koch, der Forstverwalter im Wissener Wald, gerne hätten: "Wir hatten in 2018 gerade mal 3 Prozent der üblichen Niederschlagsmenge auf den Quadratmeter und im vergangenen Jahr war es ähnlich. Zwischen April/Mai/Juni dieses Jahres gab es insgesamt gerade mal 50 Millimeter Regen. Hier herrscht ein gewaltiges Defizit."

Auf eine gute Mischung gesetzt

Schon lange hatte man bei den Wissener Forstbetrieben erkannt, dass die Monokulturen, wie sie nach dem Krieg aus nachvollziehbaren Gründen angebaut wurden, auf Dauer keine Lösung sind und auf eine gute Durchmischung des Waldes mit verschiedenen Hölzern gesetzt. Doch es sind die extremen Wetterbedingungen, die den Bäumen zusetzen.
"Wir glauben zwar, dass wir langfristig auf einem guten Weg sind, aber aktuell müssen wir in den Laubholzbereich und Bäume allein schon aus verkehrssicherheitstechnischen Gründen abholzen. Die Trockenheit holt uns ein", so Frank Koch und weist unter anderem auf einen Ahorn, der gerade mal 40 Jahre alt werden konnte und unter regulären Bedingungen noch gut und gerne 20 bis 30 Jahre hätte wachsen können. Um das Ausmaß der Dürre zu versinnbildlichen, gräbt Koch mit einem Spaten ins Erdreich und auch nach mehreren Grabungen holt er nur pulvertrockenes Erdmaterial nach oben. Zum Glück war das Wochenende feucht, aber es genüge eine achtlos weggeworfene Zigarette, um bei Trockenheit organischen Abfall auf dem Boden zu entzünden, mahnt er deshalb: "Selbst eine vitale Pflanze wie die Brombeere, die extrem viel aushalten kann, färbt sich braun."

Klimastabiler Wald

Es sind vor allem die sich offenbar schnell verschiebenden Klimabereiche, die ein ordentliches Forstkonzept schwierig und einen sehr breiten Baumartenmix erforderlich machen. Das individuelle Höhenwachstum steht in enger Beziehung zu den jeweiligen Lichtansprüchen der Baumarten und dies wiederum hat Auswirkungen auf die Baumartenmischung. Eine gute Durchmischung von Roteiche, Birke, Ficht, Lärche, aber auch Weißtanne und Zeder könnte letztendlich der Weg zu einem klimastabilen Wald sein.
"Dabei müssen wir darauf achten, den Wald jetzt nicht mit Hurrah-Patriotismus zu verändern", erinnert Raphael Freiherr von Loe daran, dass bereits sein Großvater in der Jahrhundertwende erste Versuche machte, um den Wald auf die sich verändernden Bedingungen vorzubereiten. Ein stetiges Wechselspiel zwischen Licht und Schatten, eine Durchstufung des Baumbestande, so die Idee, könnte die Zukunft für den Wald sein, dessen Mithilfe dabei ein zentraler Punkt sein soll: "Die Natur selbst walten lassen, eine natürliche Verjüngung, lediglich begleitet vom Förster, so ist das Ziel."

Mehr Regen bitte

Der Wald ist mehr als nur Rohstofflieferant für die Forstwirtschaft, sagt Raphael Freiherr von Loe: "Er ist die größte CO2-Senke, die es gibt und einzigartiges Wasserreservoir." Darum muss es jetzt noch weiter regnen ...

Autor:

Franz Geib aus Goch

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