Schlossspiele Hohenlimburg: Triumphale Eröffnung mit "Hexenjagd"

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Kann man Arthur Millers Drama "Hexenjagd" eindringlicher und bewegender auf die Bühne bringen als das Ensemble der 61. Hohenlimburger Schlosssspiele? Ja. Dabei müsste es aber mit dem Teufel zugehen. Der taucht - anders als der Titel des Stücks suggerieren mag - aber gar nicht auf. Im Gegenteil: Als die eigentlichen Dämonen entpuppen sich die (vorgeblichen) Männer Gottes. Nach fast drei Stunden Spielzeit ist von dem einst blühenden Städtchen Salem nichts übrig als Häufchen verängstigter, hasserfüllter, seelisch verkrüppelter Puritaner. Und dutzende frischer Gräber.
Was mit dem Techtelmechtel eines Großbauern und seiner Magd im Heu sowie einer Teenager-Party (bei der vielleicht psychoaktive Rauschmittelchen auf Kräuterbasis im Spiel gewesen sein könnten) beginnt, entwickelt sich zwanghaft in eine religiös und rechtsstaatlich verbrämte Gewaltorgie.
Dario Weberg (Dramaturgie) und Regisseurin Indra Janorschke taten gut daran, sich auf jene Schauspieler zu verlassen, die im Theater an der Volme in ganz unterschiedlichen Konstellationen und Stücken für Ausdruckskraft und Spielfreude bekannt wurden. Herausragend Lars Lienen als John Proctor, dessen einziges Verbrechen ein Seitensprung war, Simon Jakobi in der Rolle des von Ehrgeiz zerfressenen, zwischen Hinterlist und Naivität hin- und hergerissenen Reverend Parris, Sarah Pennisi, die Abigail Williams ebenso durchschaubar wie durchtrieben darzustellen versteht und Peter Schütze als Danforth, dem eigentlichen Ajatollah von Massachusetts.
Als ideale Kulisse und somit absoluter Glücksgriff erwies sich der "kleine" Lindenhof, wo die Fachwerkfassade auch als Projektionsfläche für die Schatten der Boshaftigkeit diente. Es war ein gleichermaßen aufwühlender wie unterhaltsamer Theaterabend. Und wer eine der nicht allzu zahlreichen Chancen nutzt, sie "Hexenjagd" bei den Schlossspielen anzusehen, wird es nicht bereuen. Ich denke, das Versprechen kann man geben.
Karten kaufen! Hier geht's lang: www.schlossspiele.de

Autor:

Henrik Stan aus Hagen

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