Villa Post - einst Mittelpunkt der Hagener Gesellschaft

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Glanz und Reichtum aus längst vergangenen Jahren spiegelt die imposante Villa aus rotem Backstein wieder, die an der Grenze zu Wehringhausen steht. Einst umgeben von einem großen Park mit blühenden Gärten beherbergte sie eine der bekanntesten Familien Hagens: Die Familie Post.

1892 wurde die Villa von Wilhelm Karl Johann Diedrich (1852-1896) erbaut. Der Sohn des Kommerzienrats Post erbte ein Familienunternehmen, das mit einem kleinen Hammerwerk Mitte des 18. Jahrhunderts in Wehringhausen begonnen hatte und innerhalb von 100 Jahren vor allem unter Johann Diedrich Post zu einem Unternehmen mit Weltruf expandierte. Sämtliche Stahl- und Eisenwaren, angefangen bei Schneidwerkzeugen über Türschlösser, Ollampen, Kaffemühlen bis hin zu türkischen Säbeln wurden in Wehringhausen hergestellt und von hier aus bis nach Mexico, Kuba und Nordamerika exportiert. Kaiser Friedrich II genehmigte aufgrund der überragenden Qualität der Firma ein eigenes Warenzeichen: „Johann Diedrich Post Fabrik von Stahl- und Eisenwaren Hagen Westphalen.“

Nach der Firmenübernahme heiratete Wilhelm Post 1881 Alice Elbers. Das Ehepaar bekam vier Töchter und einen Sohn - das Familienhaus an der Wehringhauser Straße wurde zu klein und entsprach nicht dem repräsentativen Anspruch der großen Firma. So beschloss Wilhelm Post, den Neubau zu errichten. 1892 war die Villa bezugsfertig.

Das hochherrschaftliche Gebäude imponierte nicht nur mit seinem schweren Eingangsportal, sondern auch mit kunstvollen Stuckaturen, enem prachtvollen Eingangsbereich aus weißem Marmor mit daran angeschlossenen Garderobenräumen, mit einem prachtvollen Treppenhaus und einem Musikzimmer, das über Oberlicht eine einzigartige Atmosphäre erhielt. In der unteren Etage befanden sich neben dem Musiksaal auch weitere repräsentative Zimmer, während die privaten Räume in der ersten Etage untergebracht waren. Die Zimmer der Angestellten befanden sich im Dachgeschoss.

Die Villa Post stand im Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens. Die Familie Post pflegte enge Freundschaften mit den Familien Funcke und Osthaus. Im Musikzimmer traf sich zu kleinen Kammerkonzerten und Abendgesellschaften alles, was vor der Jahrhundertwende in Hagen Rang und Namen hatte.

Das Familienglück währte nicht lange. Nur vier Jahre nach dem Einzug in die Villa starb Wilhelm Post. Kurz vor seinem Tod verpachtete er die Firma, um sie für seinen Sohn zu erhalten.

Alice Post stand mit den kleinen Kindern - das jüngste gerade zwei Jahre alt - und dem riesigen Haus allein da. Sie meisterte ihr Schicksal: Bis zum Weltkrieg heirateten die Töchter und verließen Hagen. Der einzige Sohn Willy aber hatte von der Strebsamkeit seiner Väter nichts geerbt. Ohne Ausbildung glaubte er bis zum Schluss, vom Vermögen der Familie und der Unterstützung durch seine Mutter leben zu können. Alice Post konnte dem finanziellen Druck nicht standhalten. 1922, in der Zeit, als auch die allgemeine Wirtschaft in Deutschland zum Erliegen gekommen war, musste sie die Villa an eine Grundstücksgesellschaft verkaufen. Die Inflation nahm ihr das letzte Vermögen. Alice Post zog nach Düsseldorf, starb 1932 verarmt im Kreis der Familie. Der Sohn, in Hagen durch seinen Lebenswandel verschuldet, zog nach Gladenbach, wo auch er in den 30-er Jahren starb. Die ehemals so reiche und angesehene Familie Post hatte ihren letzten Namensträger verloren.

Die Stadt Hagen kaufte die Villa 1927. Sie wurde aufgrund ihrer Größe - die Gesamtfläche betrug 13.846 Quadratmeter - von verschiedenen Institutionen genutzt. Unter anderem organisierte der Hausfrauenbund eine Küchenausstellung. Danach folgte die erste Kunstausstellung, die der Hagenring zu Ehren Karl Ernst Osthaus präsentierte. 1932 wurde die Villa zum Christian-Rohlfs-Museum. Die Nationalsozialisten entfernten den größten Teil der Rohlfs-Werke. Viele der Bilder wurden vernichtet. Aus dem Rohlfs-Museum wurde das Karl Ernst Osthaus-Museum.
1955 zog das KEO zurück in die Hochstraße, die Villa wurde wieder unterschiedlich genutzt. Berufsschulen und Ausbildungsinstitute, sogar die Volkszählung (1986-1988) waren in der Villa beherbergt. 1987 wurde das Haus unter Denkmalschutz gestellt und ab 1988 hauptsächlich von der Volkshochschule genutzt.

Nach aufwändiger Restaurierung - fast 8 Millionen Mark kamen aus den Töpfen der EU, des Landes NRW, des Landesarbeitsamtes und der Stadt Hagen - wurde die Villa Post 1998 als kommunales Weiterbildungszentrum an die Volkshochschule übergeben. „Wir können jeden Tag nur sagen: Danke Europa!“ Jochen Becker, Leiter des Amtes für Weiterbildung und Medien und der VHS, ist sich bei jedem Schritt durch das Gebäude darüber bewusst, was für ein außergewöhnliches Domizil die VHS ihr eigen nennen darf.

Der prachtvolle Marmoreingang ist ebenso erhalten geblieben wie der alte Parkettboden und die Stuckaturen an den Decken. Die untere Etage der Villa zeigt noch deutlich den Glanz des damaligen Reichtums der Familie Post. „Das frühere Gesellschaftszimmer ist jetzt die Aula“, erklärt Becker bei einem Rundgang durch die Villa. Aus den Zimmern wurden Unterrichtsräume.

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