So könnte der Steinzeitmensch aus der Blätterhöhle ausgesehen haben
Wie ein Phantombild aus der Steinzeit

IT-Spezialist Lucas Fischer, Fachbereichsleiter Kultur der Stadt Hagen Dr. Tayfun Belgin, Archäologe Dr. Jörg Orschied, Museumsleiter Dr. Ralf Blank, Oberbürgermeister Erik O. Schulz (v. l. n. r.) vor dem rekonstruierten Gesicht des Steinzeitmenschen.
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  • IT-Spezialist Lucas Fischer, Fachbereichsleiter Kultur der Stadt Hagen Dr. Tayfun Belgin, Archäologe Dr. Jörg Orschied, Museumsleiter Dr. Ralf Blank, Oberbürgermeister Erik O. Schulz (v. l. n. r.) vor dem rekonstruierten Gesicht des Steinzeitmenschen.
  • hochgeladen von Linda Sebode

Modernste Technik und archäologische Untersuchungsverfahren machen es möglich, dass das Gesicht eines Menschen aus der Steinzeit anhand seines Schädels und statistischer Daten aus der Forensik rekonstruiert werden konnte. Der Schädelfund in der Hagener Blätterhöhle liegt schon 13 Jahre zurück. Bis vor Kurzem waren sich die Wissenschaftler einig, dass es sich bei dem Schädelknochen um den einer Frau handelte. Mithilfe fortgeschrittener Technik wurde diese Annahme nun widerlegt.

Rund 5.500 Jahre ist er alt, der Schädel des Mannes, der jetzt ein Gesicht bekommen hat und vergangenen Freitag im Karl-Ernst-Osthaus-Museum vorgestellt wurde. „Ohne die finanzielle Unterstützung des LWL-Museumsamtes wäre die digitale Rekonstruktion nicht möglich gewesen“, bedankt sich Hagens Oberbürgermeister Erik O. Schulz zu Beginn der Präsentation.

Durch den Fund und seine Rekonstruktion haben die Wissenschaftler nun eine Vorstellung davon, wie die Menschen, die in der Jungsteinzeit hier lebten, ausgesehen haben müssen. Der Schädel des ungefähr 17 bis 22 Jahre alten Mannes wurde damals in der Blätterhöhle begraben. Sie diente als Deponierungs- und Bestattungsort.

„Aufgrund modernster Digitaltechnik sowie archäologischen und naturwissenschaftlichen Erkenntnissen ist jetzt klar, dass – anders als bislang angenommen – der Schädel von einem Mann stammt und nicht von einer Frau“, verkündet Museumsleiter Dr. Ralf Blank. Die Methoden zur Bestimmung wurden immer weiter entwickelt und auf den Schädelfund angewandt. So machten es DNA-Untersuchungen möglich, darauf zu schließen, wie der Mensch ausgesehen haben muss, welchem Geschlecht er angehörte und wie er sich ernährte.

Durch modernste Digitaltechnik entstand ein Art Phantombild, das stark an die Kriminalistik erinnert. Diesen forensischen Methoden bedienten sich die Forscher und gaben dem 5.500 Jahre alten Fund aus der Jungsteinzeit ein Gesicht mit ungewöhnlich dunkler Hautfarbe. „Anders als oft vermutet kam heraus, dass die europäische Urbevölkerung nicht blonde Haare und eine weiße Hautfarbe besaß, sondern meist dunkelhaarig und von brauner Hautfarbe war“, so der Archäologe Dr. Jörg Orschied. Grund dafür ist die Tatsache, dass sie sich überwiegend im Freien aufhielten.

Orschied ist von Beginn an auf Spurensuche nach der Geschichte des Höhlenfunds. Dabei fanden er und seine Kollegen heraus, dass der Mann zu einer Jäger-Fischer-Sammler-Gemeinschaft aus der späten Jungsteinzeit gehörte. Ungewöhnlich, wo doch viele der damaligen Bewohner der hiesigen Region Ackerbauer und Viehzüchter waren. Eine Besonderheit, denn bis vor wenigen Jahren war nicht bekannt, dass es zu der damaligen Zeit noch Jäger, Fischer und Sammler gab. Sie bildeten somit eine Art Parallelgesellschaft zu den Ackerbauern und Viehzüchtern.

Die Lenne bot sich für den Fischfang geradezu an, denn bis zur Verschmutzung durch die Industrialisierung im 19. Jahrhundert galt sie als einer der fischreichsten Flüsse in Westfalen.

Wer sich den Ur-Hagener einmal aus der Nähe anschauen will, hat bald die Gelegenheit dazu. Noch in diesem Frühjahr wird er im Museum Wasserschloss Werdringen zusammen mit weiteren Funden aus der Blätterhöhle ausgestellt. Begleitet wird die Ausstellung durch einen Film, der die Besucher mitnimmt ins Innere der Höhle.

Vor Ort gehen die Ausgrabungen inzwischen weiter. Neben den Funden aus der Jungsteinzeit und Mittelsteinzeit ist das Grabungsteam inzwischen auf noch ältere Schichten gestoßen. Dass sie dort noch weitere Entdeckungen machen werden, ist durchaus wahrscheinlich. Auf welche historischen Funde sie dabei noch treffen, bleibt spannend.

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