Erste Straßenpflasterung
Bürger finanzierten vor 200 Jahren die ersten Pflasterungen in Volmarstein

Die untere Hauptstraße in Volmarstein in den 50er Jahren. Foto: Stadtarchiv Wetter
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  • Die untere Hauptstraße in Volmarstein in den 50er Jahren. Foto: Stadtarchiv Wetter
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Vor 200 Jahren begann man in der damaligen Gemeinde Volmarstein erstmals mit der Pflasterung von Straßen. Das geht aus einer Akte im Bestand Volmarstein im Stadtarchiv Wetter hervor.

Von Gerhard E. Sollbach

Bis dahin waren sämtliche Straßen auch in Volmarstein reine Erdwege. Doch wollte man keineswegs alle Straßen im Ort pflastern. Lediglich die heutige Hauptstraße im Dorf sollte eine Pflasterdecke erhalten, doch auch die nicht auf ihrer ganzen Länge, sondern nur in dem unteren, steilen Bereich. Diese Beschränkung hatte ihren Grund darin, dass der Anstoß zur Straßenpflasterung gar nicht von der Gemeinde oder dem Gemeinderat ausging, sondern von den Bewohnern des betreffenden Straßenabschnitts. Die hatten sich nämlich auch bereit erklärt, die Kosten für die Pflasterung zu übernehmen und durch freiwillige Beiträge aufzubringen. Tatsächlich haben bis September 1820 insgesamt 14 Anwohner zwischen 2 und 50 Reichstaler als Beitrag zur Pflasterung der unteren Hauptstraße geleistet.

Unpassierbar

Das Motiv der Bewohner, die Straßenpflasterung in die eigene Hand zu nehmen und dafür auch zu zahlen, geht aus einem Schreiben vom 4. August 1821 des Bürgermeisters in Volmarstein an den zuständigen Landrat in Hagen hervor. Darin heißt es, dass ein Teil des von der Höhe fließenden Quell- und von dort herabstürzenden Regenwassers seinen Weg zum Teil durch die Dorfstraße des am Hang gelegenen Orts nehme. Als Folge werde die Straße gerade im unteren Bereich teils durch den Kot, teils durch das Wegschwemmen der Erde häufig unpassierbar. Auch eine Kanalisation gab es damals nicht. Das Abstellen des herunterkommenden Wasserflusses, so wird in dem Schreiben weiter ausgeführt, sei aber wegen der dann zu erwartenden „bedeutenden“ Entschädigungsforderungen nicht durchführbar. Seit vielen Jahrzehnten werde dieses Wasser nämlich von mehreren Wiesenbesitzern auf der Höhe auch zum Bewässern ihrer Wiesen sowie seit einigen Jahren außerdem zum Betrieb einer Kornmühle genutzt. Bei der erwähnten Kornmühle handelt es sich übrigens um die 1817 von Johann Wilhelm Möllmann und Sohn erbaute Mühle in der heutigen unteren Bachstraße. Offensichtlich waren es die Anwohner der unteren Hauptstraße inzwischen leid, durch Schlamm und Unrat waten zu müssen oder diesen sogar in ihre Häuser gespült zu bekommen und daher auch bereit, für die Pflasterung der Straße ein nicht unbeträchtliches finanzielles Opfer zu bringen.

Der Verding der Pflasterarbeiten erfolgte am 1. Februar 1820. Den Zuschlag erhielt Peter Vohmann aus Grundschöttel als Niedrigstbietender für sein Gebot von 350 Reichstaler. Allerdings sah der § 5 des Vertrags vor, dass die Einwohner nicht mehr an den Vertrag gebunden sein würden, falls die 350 Reichstaler nicht einkommen sollten. Die Vertragsbestimmungen enthalten aber auch genaue Angaben über die Art der Straßenpflasterung, sodass man sich ein Bild davon machen kann, wie die gepflasterte Straße schließlich ausgesehen hat.

Ruhrsandstein

Danach war die Fahrbahn 12 Fuß (ca. 3,7 m) breit. Zu beiden Seiten verlief eine ebenfalls gepflasterte jeweils 2 Fuß (ca. 62 cm) breite Rinne zur Ableitung des Wassers. Die Bepflasterung selbst bestand aus festen, 2 bis 6 Zoll (ca. 5-15 cm – alles rheinländische Maße) starken Ruhrsandsteinen. Doch darf man sich darunter keine moderne Straßenpflasterung mit Formsteinen und glatter Oberfläche vorstellen. Nach dem mit Vohmann geschlossenen Vertrag sollte die Pflasterung nämlich die beim damaligen Chaussebau übliche sein. Die bestand aber lediglich aus einer festen Deckschicht von zerschlagenen Steinen und entsprach nach heutigen Maßstäben eher einer soliden Beschotterung.

Gemeindemittel

Allerdings hatten zwei Anwohner am Ende der unteren Hauptstraße sich geweigert, einen Beitrag zur Straßenpflasterung zu leisten, oder waren dazu vielleicht auch nicht in der Lage. Daher war das Endstück der Straße entlang deren Besitzungen und bis zum Ende des Dorfs auf einer Länge von 144 Fuß (ca. 45 m) liegen geblieben. Das hätte aber den Zweck der Straßenpflasterung weitgehend wieder zunichte gemacht. Daher sah sich nun der Gemeinderat zum Eingreifen und zur Hilfe genötigt. Um die Pflasterung der unteren Hauptstraße zu Ende zu führen, sollten die in dem Gemeindeetat für 1818, 1819 und 1820 für Wegeausbesserung jeweils eingesetzten 25 Reichstaler dafür zur Verfügung gestellt werden. Die dann aber noch fehlenden etwa 3 Reichstaler wollte man von dem ebenfalls im Gemeindeetat 1819 eingesetzt gewesenen Nachtwächtergehalt von 33 Reichstaler nehmen, da der Nachtwächter in dem Jahr noch von den Einwohnern privat bezahlt worden war. Für die geänderte Verwendung der betreffenden Gemeindegelder musste der Bürgermeister aber bei der Regierung in Arnsberg die Genehmigung einholen. Sie wurde auch erteilt, sodass die Pflasterung der unteren Hauptstraße im Spätsommer 1821 weitergehen konnte. Im Frühherbst des Jahres waren die Arbeiten dann abgeschlossen und Volmarstein hatte seine erste gepflasterte Straße oder vielmehr ein gepflastertes Stück Straße.

Die untere Hauptstraße in Volmarstein in den 50er Jahren. Foto: Stadtarchiv Wetter
Volmarstein auf einer Karte von 1840.
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Lokalkompass Hagen aus Hagen

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