Eine Pflegedienstleiterin und ein examinierter Altenpfleger über die Liebe zu ihrem Beruf
Falschen Vorstellungen von der Altenpflege entgegenwirken

Dimitrios Kementzetzidis und Birte Mietz-Aydin von der Diakonie Mark-Ruhr begeistert es, Menschen helfen zu können.
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Birte Mietz-Aydin ist seit 30 Jahren im Bereich der Pflege tätig und seit 11 Jahren in der Altenpflege. Ihr Kollege Dimitrios Kementzetzidis hat sich nach seiner Ausbildung bei der Diakonie Mark-Ruhr zum Bürokaufmann für eine zweite Ausbildung zum examinierten Altenpfleger entschieden. Linda Sebode hat mit den beiden über die Altenpflege gesprochen und darüber, warum der Beruf wesentlich attraktiver ist, als das Bild, das die Öffentlichkeit von ihm hat.

Herr Kementzetzidis, Sie haben sich nach ihrer Ausbildung zum Bürokaufmann für eine zweite Ausbildung zum examinierten Altenpfleger entschieden. Zwei sehr gegensätzliche Berufe – wie kam es dazu?

Kementzetzidis: Nach der Ausbildung war ich auf Jobsuche und währenddessen bot mir meine Chefin an, in Hagen in der Altenpflege zu arbeiten. Sie lud mich ein, zwei Tage in der ambulanten Altenpflege zu hospitieren. Bis dahin konnte ich mir das nicht vorstellen, aber ich nahm die Möglichkeit wahr und begleitete sie lang. Schon nach dem ersten Tag wusste ich, dass ich diesen Beruf erlernen will. Dabei hatte sie mich nicht extra zu den einfachen Fällen mitgenommen, sondern bewusst zu den schwierigen Patienten. Ich habe sofort gesehen, dass diese Menschen Hilfe brauchen. Hilfe, die ich ihnen geben kann. Die Dankbarkeit, die mir dabei von ihnen entgegenkam und immer wieder kommt, hat mich überzeugt. Heute kann ich sagen, dass der Beruf des Altenpflegers definitiv mein Traumjob ist.

Eine Entwicklung, die Sie so nicht erwartet hätten und zuvor selbst von falschen Vorstellungen geleitet waren. Woher glauben Sie kommt das Bild in der Öffentlichkeit, weshalb der Beruf als eher unattraktiv erachtet wird?

Kementzetzidis: Als Erstes denken viele Menschen sicherlich an die unschönen Seiten des Berufes, wie das Entfernen von Exkrementen, aber die Altenpflege ist wesentlich mehr als das. Wir haben Kontakt zu Ärzten, sind wie eine zweite Familie, mobilisieren und motivieren die Patienten. Außerdem sind wir Ansprechpartner für die Angehörigen und stehen ihnen beratend zur Seite. Oft werden diese Aspekte in der Öffentlichkeit nicht ausreichend wahrgenommen. Wenn sich das ändern würde, glaube ich, dass der Beruf für viele Jobsuchende eine echte Option wäre.

Wie ließen sich Ihrer Meinung nach mehr Menschen für eine Arbeit in der Altenpflege begeistern?

Kementzetzidis: Durch meine zweitägige Hospitation habe ich von der Arbeit in der Altenpflege ein komplett anderes Bild bekommen als in meiner Vorstellung. Ich kann jedem nur empfehlen, die Möglichkeit wahrzunehmen, einmal in den Beruf reinzuschnuppern. So lernt man sowohl die Station als auch das Team und die Arbeit an sich kennen.

Frau Mietz-Aydin, Sie arbeiten seit über 30 Jahren in der Pflege und sind aktuelle Pflegedienstleiterin bei der Diakoniestation Wetter-Herdecke – worin sehen Sie für die Pflege eine Chance?

Mietz-Aydin: Ich sehe die generalistische Ausbildung als Chance. Sie ist eine neu gestaltete Ausbildung, die im nächsten Jahr startet, und die die bisherigen Ausbildungen der Alten-, Kinderkranken- und Krankenpflege verbindet. Als „Pflegefachfrau“ oder „Pflegefachmann“ können die examinierten Fachkräfte dann in allen Pflegebereichen arbeiten.
Außerdem sollte in den Schulen mehr über die Berufe in der Pflege informiert werden. Das wird meiner Meinung nach zu sehr vernachlässigt. Auch was die Weiterbildungsmöglichkeiten angeht, ist die Arbeit in der Pflege sehr perspektivreich. Es sind viele Arten der Weiterbildung und Spezialisierungen möglich. Pflege ist eben mehr als nur die Arbeit am Bett des Patienten.
Es ist ein sehr schöner, aber auch anspruchsvoller Beruf. Aber in den vergangenen 30 Jahren hat immer das Positive überwogen, sonst wäre ich nicht so lange dabei.

Anspruchsvoll sagten Sie - wo sehen Sie die Schwierigkeiten im Bereich der Altenpflege?

Mietz-Aydin: Natürlich gibt es phasenweise Überlastung, wenn Kollegen mal krank werden und man für sie einspringen muss. Während in anderen Berufen die Arbeit ruhig mal liegen bleiben kann, geht das bei der Arbeit mit Menschen, so wie in der Pflege, natürlich nicht. Außerdem spielen immer wieder äußere Faktoren mit rein. Wenn ich auf dem Weg zu einem Patienten bin, kann es schon stressig werden, wenn beispielsweise die Straßen voll sind und ich nicht so zügig durchkomme, wie ich gerne würde. Zeitdruck spielt da eine große Rolle.

Haben die Patienten dafür Verständnis?

Mietz-Aydin: Die meisten ja, aber nicht alle, was ich auch nachvollziehen kann. Denn sie sind es gewohnt, ihre täglichen Rituale zur selben Zeit durchzuführen. Da ist so mancher schon mal verärgert, wenn man ein paar Minuten zu spät kommt. In solchen Situationen ist es besonders wichtig, den Patienten empathisch gegenüber zu treten. Eine unerlässliche Eigenschaft in dem Job. Man muss aber auch in der Lage sein, sich selbst den Druck nehmen zu können und sich auf die möglicherweise angespannte Situation einstellen zu können. Wenn es zeitlich zu eng wird, wird auch mal ein Kollege um Unterstützung gebeten. Aktuell versorgen wir bis zu 160 Patienten ambulant. Aber glücklicherweise ist unser Team stabil und gut aufgestellt. Das wird hoffentlich auch in Zukunft so bleiben.

Autor:

Linda Sebode aus Hagen

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