Liebe und Macht: LWL-Volkskundler untersuchen zum Valtentinstag Bräuche um das Regieren in der Ehe

Auf einer Hochzeit im Kreis Coesfeld 1954: Der Bräutigam zeigt, dass er den Pantoffel noch hat.
  • Auf einer Hochzeit im Kreis Coesfeld 1954: Der Bräutigam zeigt, dass er den Pantoffel noch hat.
  • Foto: LWL-Archiv/Kerkhoff, Neuenkirchen (Kr. Steinfurt)
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An Tagen wie dem Valentinstag denkt man kaum daran, dass Liebesverhältnisse auch Machtverhältnisse sind. Vor einigen Generationen war dies jedoch noch selbstverständlich. Auch der Sinn mancher Hochzeitsbräuche erschließt sich erst vor diesem Hintergrund. Die Volkskundler beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) haben diese Bräuche untersucht.

Ein Mitarbeiter der Volkskundlichen Kommission berichtete 1952 aus der sauerländischen Stadt Attendorn: "Der Schleier wird der Braut abends abgenommen, wenn nötig, List dabei gebraucht. Dem Bräutigam setzt man einen Pantoffel auf. Sträubt er sich, gebraucht man Gewalt." Und ein Mitarbeiter aus Benhausen bei Paderborn schrieb im gleichen Jahr: "Dem Bräutigam bindet man einen Pantoffel auf den Kopf, mit dem er den Pantoffeltanz machen muss."

Damit wurde versinnbildlicht, was sich manche Braut wohl erhoffte und mancher Bräutigam fürchtete: Der Bräutigam sollte unter den Pantoffel gebracht werden. Der Pantoffel ist hier das Symbol ehelicher Herrschaft durch die Frau. Und gleiches drückte auch die Redensart "Er steht unter dem Pantoffel" aus.
Vor allem in der Trauzeremonie sah man die Gelegenheit, die Herrschaft im neuen Lebensabschnitt anzubahnen. Ein weitverbreitetes Mittel war es, dem anderen vor dem Traualtar auf den Fuß zu treten. Oft wurde auch darauf geachtet, wer beim Wechseln der Ringe die Hand oben behielt, denn wer hier "oben" war, blieb es angeblich auch später. Auch am Tag nach der Hochzeit gab es noch Möglichkeiten, sich die Herrschaft zu sichern. So wurde aus mehreren westfälischen Orten berichtet, dass die Herrschaft führen werde, wer am Tage nach der Hochzeit zuerst die Hose ergreift und anzieht.

"Man kann derartige Mittel als Anfangsmagie deuten", sagt LWL-Volkskundler Thomas Schürmann. "Tatsächlich ist es vor allem ein Mittel der Demonstration: Die junge Frau oder der junge Mann gibt dem anderen Teil seinen Herrschaftswillen zu verstehen. Wer sich hier durchsetzt, wird dies auch künftig leichter können." Wenn man den Schriftquellen folgt, waren es vor allem Frauen, die sich am Hochzeitstag die Herrschaft zu sichern suchten. "Das erscheint aus heutiger Sicht verständlich, denn die Frau hatte einiges an Macht-Unterlegenheit auszugleichen", so Schürmann weiter.
Ein praktischer Umstand führte zum Schwinden der herrschaftsbringen Mittel: "Der Hochzeitstag ist heute längst nicht mehr das einschneidende Datum, das es bis weit ins 20. Jahrhundert noch war", sagt Schürmann. "Die Brautleute leben meist längst schon seit Jahren zusammen und hatten bereits Gelegenheit, sich in ihren neuen sozialen Rollen zu erproben. Handlungen, die sich auf einen bestimmten Anfangszeitpunkt konzentrieren, haben daher immer weniger Sinn."

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Lokalkompass Hagen aus Hagen

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