Sexualität - wieviel Risiko erlauben Sie sich?

HIV - Es gibt verschiedene Arten, die HIV daran hindern können, in Deinen Körper zu gelangen
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  • HIV - Es gibt verschiedene Arten, die HIV daran hindern können, in Deinen Körper zu gelangen
  • hochgeladen von Andreas Rau

Da hat man kaum die jahrelangen Aufrufe der HIV-Prävention verinnerlicht und glaubt zu wissen, dass nur ein Kondom oder unbedingte Treue vor einer Ansteckung mit HIV schützen, da  haut sich die Forschung plötzlich "einen raus" und erklärt, dass es ja nun doch viel mehr gibt, als nur diese Möglichkeiten.

Jahrelang galt vielen Menschen HIV als natürliche Konsequenz, wenn sie mal kein Kondom zur Hand hatten. Die Angst sich angesteckt zu haben und die Schuldgefühle oder die Scham, weil man eben doch nicht immer so perfekt funktioniert galt als "Lehre fürs Leben" und die Gewissheit, sich dann doch nicht angesteckt zu haben galt als "Lottogewinn" und für manche wie ein zweiter Geburtstag.
Lachen Sie nicht, denn so geht es immer noch vielen Menschen, wenn sie bei uns in der Testberatung sitzen. Gerade den Menschen, die sich nach 30 Jahren "AIDS-Aufklärung" immer noch mit Kondomen und/oder Monogamie schwer tun. Da hilft es auch nicht, wenn wir als AIDS-Hilfe immer wieder sagen. "Hey, Du bist ein Mensch. Und dein Wunsch nach Sexualität (ob mit oder ohne Kondom) ist absolut berechtigt" Wir wissen alle, wie der Westfale sagt: "Dat schüttelsse nich ausse Klüngeln" Bedeutet: Lust und Bedürfnisse nach Berührung - nach mehr - streift man eben nicht einfach ab. Dafür sind wir alle eben zu sehr Mensch.

Nun, was nützt uns aber diese Gewissheit, wenn über all dem aber immer wieder die Moralkeule schwebt, die erbarmunglos losschlägt, wenn wir wieder einmal die Erfahrung machen mussten, dass wohl der Geist willig, aber das Fleisch eben schwach waren. Wenn dann auch noch eine Krankheit, die zwar nicht mehr tödlich, aber eben unheilbar ist, als Drohkulisse dazu kommt, dann denkt sicher mancher: "zum abgewöhnen".
Und wer es probiert hat - ich meine jetzt das "Abgewöhnen" - macht früher oder eben später die Erfahrung, dass das nicht immer so klappt, wie man sich das vornimmt.

Man ist schon viel zu lange Single und hat das "Klosterleben" satt oder eben auch Angst, sich von dem Spaß an sich selbst irgendwann eine Sehnenscheidenentzündung zuzuziehen. Der langjährige Partner ist weg, man ist auf der Suche nach etwas Neuem oder man fängt gerade erst richtig an, sich an sich selbst und an seiner Lust zu freuen und es taucht die Frage auf, was man alles tun kann oder tun muss, damit einem selbst und den Partnern, die vielleicht jetzt kommen, nichts passiert. Klar, eine hundertprozentige Sicherheit kann und wird es nicht geben. Aber eben verschiedene Möglichkeiten, die einem helfen, die Angst und die Sorge für einige Zeit einfach zu vergessen und sich auf das, was kommt zu freuen. Trotz HIV, trotz sexuell übertragbaren Infektionen, trotz der Nachbarn, die sich den Mund in Fransen reden...
Für die Letzteren gilt ein Lied der Rockband "die Ärzte": "Lass die Leute reden und hör ihnen nicht zu, die meisten haben ja nichts Besseres zu tun."
Sie haben viel zu lange an sich selbst gearbeitet, um zu wissen, was Sie wollen. Andere geht das schlicht nichts an.

Für die Angst vor HIV gilt, man kann etwas tun.

Was, das verraten wir Ihnen jetzt. Und über Risiken und Nebenwirkungen sprechen Sie mit uns, Ihrem Arzt oder Apotheker oder mit den Menschen, denen Sie vertrauen. Und das Wichtigste: wie Sie sich entscheiden - das verantworten Sie selbst. Sie sind alt und informiert genug. Und wenn nicht, haben Sie einen Mund, um zu fragen! Ab jetzt wird es etwas "intim" und deshalb schlage ich vor, wir duzen uns.

Sie erinnern sich - Du erinnerst Dich?

Kondome schützen

vor Schwangerschaft und vor HIV. In geringem Maße schützen sie auch vor dem Risiko einer Ansteckung mit Geschlechtskrankheiten wie Syphilis, Tripper, Hepatitis B und Hepatitis C. Und sie schützen vor ungewollter Schwangerschaft.
(Gegen Hepatitis A und B sollte man geimpft sein, wenn man Sex mit häufig wechselnden Partnern hat).
Kondome sind in Drogerien, Supermärkten, Apotheken und Sexshops erhältlich, außerdem gibt es Kondomautomaten. Auch an Orten für Männer, die Sex mit Männern suchen (Saunen, Darkrooms, Sexkinos), gibt es Kondome und Gleitmittel. (Achtung: kein Fett , da es Kondome porös macht)
Für die meisten Männer sind Kondome in Standardgröße gut geeignet. Es gibt aber auch größere und kleinere Kondome. Für kleinere Penisse eignen sich auch Modelle, bei denen ein spezieller Ring in der Mitte das Kondom am Abrutschen hindert.
Wichtig: Kondome schützen nur zuverlässig, wenn sie richtig angewendet werden. Für die Größe wie die Handhabung gilt: Ausprobieren, bis alles klappt!
Kondome kann Jedermann frei verkäuflich und preiswert bekommen. Sie sind nicht verschreibungspflichtig.

Und wenn Du Kondome nicht verträgst, nicht magst oder Du (oder Deine Partner) mit Kondomen einfach keinen „hoch“ bekommst, aber trotzdem nicht auf Geschlechtsverkehr verzichten kannst?
Wenn Du Pillen gut verträgst und bereit bist, diese diszipliniert einzunehmen, dann könnten die nächsten Tipps für Dich hilfreich sein. ACHTUNG — für gelegentliche One-Night-Stands lohnt sich der Aufwand oft nicht. Aber das entscheidest Du immer selbst.

Es gibt da auch noch die sogenannte "Anti-HIV-Pille"

Die wird auch HIV-PrEP genannt = Abkürzung für „Prä-Expositions-Prophylaxe“, auf Deutsch: Vorsorge vor einem Risiko-Kontakt.
Bei dieser Schutzmethode nehmen HIV-negative Menschen HIV-Medikamente ein, um sich vor einer Ansteckung mit HIV zu schützen.

Die Wirksamkeit der PrEP mit dem HIV-Medikament Truvada® ist bei (schwulen) Männern mit hohem HIV-Risiko nachgewiesen. Bei ihnen schützt PrEP so gut wie Kondome vor HIV.
Wie beim Kondom gibt es auch hier Anwendungsfehler. Also auch ein Kondom schützt nicht zu 100 Prozent. Wer Sex hat, hat also IMMER ein geringes Risiko - egal, wie er sich schützt.

Außerdem schützt die HIV-PrEP nicht vor anderen Geschlechtskrankheiten. Das Kondom aber auch nur bedingt!

Das HIV-Medikament Truvada® gilt als gut verträglich. Eine sehr seltene, Langzeitnebenwirkung ist eine Schädigung der Nieren.

Wichtig ist, sich vor der PrEP und danach alle drei Monate auf HIV und Geschlechtskrankheiten testen zu lassen. Ferner müssen die Nierenwerte regelmäßig kontrolliert werden.

Truvada® ist in mehreren Ländern für die HIV-PrEP zugelassen, die europäische Zulassung erfolgte im August 2016. In Deutschland ist sie seit Oktober 2016 verschreibungsfähig. Derzeit wird sie aber nicht von den Krankenkassen finanziert und bis jetzt war sie für viele Leute einfach viel zu teuer.

Seit Oktober 2017 gibt es die Möglichkeit, die PrEP für rund 50 Euro pro 28 Tabletten in ausgewählten Apotheken in ausgewählten deutschen Städten (davon ist eben eine die Rathausapotheke) zu bekommen. Die Initiative dazu ging gemeinsam von AIDS-Hilfe und Dr. Fehske aus.
Damit haben wir ein wichtiges und wirklich hilfreiches Mittel zur Prävention an der Hand, dass nicht nur für schwule Männer hilfreich ist. Mittlerweile wissen wir, dass es bei Frauen geringfügige Unterschiede gibt. Sie müssen - um ausreichend geschützt zu sein - die PrEP früher vor dem ersten Sex ohne Kondom beginnen, als Männer und sie ein paar Tage länger nehmen. Dann hilft sie auch!
Eine PrEP dürfen nur Ärzte verschreiben, die zuvor das Schulungsmaterial vom jeweiligen Hersteller der PrEP-Pillen bekommen haben.
In Hagen haben wir als Interessenten dafür Dr. Landscheidt (aus Hohenlimburg) gewinnen können. Ebenso versuchen wir Dr. Deutschinoff dazu zu gewinnen.

Bisher war es noch einfach - oder?

Schutz durch Therapie

Aber was ist denn, wenn Du den Traumpartner gefunden hast und der nun HIV hat? Nun, da gilt dann eben, was ich oben beschrieben habe. Beide Strategien, sich zu schützen, gelten auch hier. Aber das ist vielleicht gar nicht nötig. Wahrscheinlich ist Dein Partner ja in guter Behandlung und nimmt erfolgreich eine HIV-Therapie. Wusstest Du, dass die medikamentöse Therapie es bei den meisten Menschen vermag, die Viren so weit an ihrer Vermehrung zu hindern, dass sie selbst in komplizierten Laborverfahren gar nicht mehr nachweisbar sind? Das heißt nicht, dass sie nicht mehr da sind, aber man kann sie kaum noch zählen. Das wiederum bedeutet aber, dass er Dich gar nicht anstecken kann. Ihr könntet also sogar Kinder zeugen.

Für alle drei Strategien gilt:

Das Restrisiko ist so gering, dass es vernachlässigt werden kann – wenn alle Beteiligten sich wohl mit der gemeinsamen Entscheidung fühlen.
Mies bist Du nur dann, wenn Du dem Anderen etwas aufdrängst oder unehrlich bist.

Wird's besser? Wird's schlimmer? fragt man alljährlich. Seien wir ehrlich: Leben ist immer lebensgefährlich. (Erich Kästner 1899-1974)

Auch in anderen Bereichen des Lebens, zum Beispiel im Straßenverkehr oder beim Sport, akzeptieren wir alle Restrisiken. Oder beim berüchtigten Thema Rauchen. Die Entscheidung über den Umgang mit diesen Risiken muss jeder Mensch selbst treffen.
Da kann Dir keiner reinreden. Ihr entscheidet. Nach Eurem Wissen und Gewissen.

Es geht nicht darum, Risiken zu verharmlosen und wir rufen bestimmt nicht dazu auf, leichtisinnig, Risiken einzugehen.  Sexuell übertragbare Infektionen gibt es. Viele sind behandelbar, manche heilbar, manche nicht. Am Besten schützt man sich, wenn man Bescheid weiß und mit den Risiken umzugehen weiß, Menschen an seiner Seite hat, mit denen man reden kann, und wenn man weiß, wo man sich hin wenden kann, wenn die allerbesten Bemühungen letztlich doch nicht geklappt haben. Vieles hilft hier. Angst lähmt.
Untersuchungen auf diese Infektionen und vertrauliche Beratungsgespräche ohne Moralkeule könnt ihr in der AIDS-Hilfe Hagen führen.
Weitere Informationen zum selber nachlesen bekommst Du hier  (Du bist neugierig, ich weiß es!)

Also, nehmt Euer Leben selbst in die Hand.

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