Hagen: Kleines Meisterwerk auf 250 Seiten

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  Hagen: Osthaus Museum Hagen |

Vier Jahre Arbeit stecken in einem wunderschönen Buch, das mehr als 150 Auszubildende der Evangelischen Stiftung Volmarstein per Hand gestaltet haben. Das besondere Werk ist ab sofort als Ausstellungsstück im Hagener Osthaus Museum zu bewundern.



Bereits seit über 40 Jahren beschäftigt sich die norwegische Künstlerin Sigrid Sigurdsson mit dem Phänomen „Gedächtnis“ und „Erinnerung“. Im Hagener Osthaus Museum hat sie einen ganzen Raum zum Thema gestaltet - quasi ein kleines Museum im Museum, das unter dem Titel „Die Architektur der Erinnerung“ Einzelwerke der Künstlerin zu einem komplexen Raumensemble verbindet. Dieser Präsentationsraum ist geprägt durch Wandregale, in denen unter anderem „Gästebücher“ und „Reisebücher“ zu finden sind. Die Gästebücher sind von Museumsbesuchern selbstständig seitenweise gestaltet worden. Die Reisebücher können von Besuchern bis zu drei Jahre entliehen und mit eigenen Themen gefüllt werden. „Als ich von den Reisebüchern hörte, dachte ich, dass dies eine schöne Idee für unser Berufskolleg in Volmarstein wäre“, erzählt Kathrin Falkenroth.
Die Lehrerin hat das Buch mit den leeren Seiten ausgeliehen und als Projektleitung in der Schule die Gestaltung der 250 Seiten initiiert. Mehr als 150 Schüler des Volmarsteiner Werner-Richard-Berufskollegs haben seitdem Seiten des Buches handwerklich gestaltet und ihre, teils sehr persönlichen, Gedanken, Gefühle, Erinnerungen und Träume zu Papier gebracht. Ein kleines Meisterwerk ist so entstanden, dass nun dem Osthaus Museum zu Ausstellungszwecken zurück überreicht wurde.
„Wenn die Künstlerin Sigrid Sigurdsson Eure Arbeit sehen würde, wäre sie zu Tränen gerührt“, sagte Melanie Redlberger, Mitarbeiterin der Öffentlichkeitsarbeit, die das Buch im Museum in Empfang nahm. Allein die Gestaltung des Umschlags ist schon ein prächtiger Hingucker geworden. Die ehemalige Auszubildende Ines Wegener-Cardenas hat in mühevoller Kleinarbeit einen gepolsterten Ledereinband gestaltet und mit goldener Schrift den Titel des Buches eingebrannt: „Das ganz besondere Ich“.
Stolz durften die Schüler berichten, welche Seiten sie gestaltet hatten und erzählten von ihren Ideen, die zum Entstehen des Buches beigetragen hatten. „Jeder Schüler, der mitmachen wollte, durfte entscheiden, ob er anonym oder mit Namen im Buch erscheinen wollte. Lebensgeschichten, Träume oder Märchen - wir haben der Kreativität keine Grenzen gesetzt“, so Kathrin Falkenroth. Daniel hat auf zwei Seiten einen sehr persönlichen Dank an seine Familie verfasst, die nach vielen schweren Zeiten immer für ihn da war und ihn mit seiner Behinderung unterstützt hat. Niklas hat sich auf seinen Seiten ganz dem Thema „Elefanten“ gewidmet und wunderschöne Dickhäuter in bunten Farben gemalt. Andere Jungs haben ihrem Hobby, dem Fußball und dem BVB, Seiten gewidmet. Jasmin hat sich mit dem Thema „Vergangenheit“ und eine andere Schülerin mit der Bedeutung des „Mondlichts“ befasst. Und auch Seiten in Spiegelschrift, in Schreibmaschine, Texte über die Auseinandersetzung mit der eigenen Behinderung und gestaltete Seiten von einem bereits verstorbenen Schüler sind zu sehen. „Dies ist ein wirklich inspirierendes und sehr individuelles Buch, das viele Museumsbesucher zum Nachdenken anregen wird“, betont Melanie Redlberger.
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