Museumstag: Zwischen Römern und Rindviechern

Beim Internationalen Museumstag präsentierten sich nicht nur das Römermuseum, sondern auch Galerien, Ateliers und Kunstwerkstätten in der Seestadt. Gabi Bücker zeigte ihre Holz- und Steinkunst vor dem Bauwagen am Künstlerhof, der ihr als Werkstatt dient. Fotos: Oliver Borgwardt
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  • Beim Internationalen Museumstag präsentierten sich nicht nur das Römermuseum, sondern auch Galerien, Ateliers und Kunstwerkstätten in der Seestadt. Gabi Bücker zeigte ihre Holz- und Steinkunst vor dem Bauwagen am Künstlerhof, der ihr als Werkstatt dient. Fotos: Oliver Borgwardt
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Sind Museen langweilige Orte, wo nur die Relikte längst vergessener Generationen Staub ansetzen? Nicht in Haltern. Am Internationalen Museumstag bewies die Seestadt nicht nur, wie spannend römische Geschichte sein kann, sondern präsentierte auch eine höchst lebendige Künstlergemeinde.

Adel verpflichtet. So sieht es jedenfalls Gaius Munatius Crispus. Und so ist sich der feine Patrizier auch nicht zu schade, das gemeine Volk von den Segnungen der römischen Kultur zu überzeugen. Man will ja schließlich nicht leben wie ein Barbar, oder? Die Besucher im Römermuseum freuten sich jedenfalls über eine Führung durch den reichen, etwas schnöseligen Römer. Perfekt verkörpert wurde er von der Museumspädagogin Marianne Gorissen, die in Rolle und Toga des Munatiers schlüpfte.

Die lehrreiche Unterrichtsstunde fand an diesem Sonntag noch mehr Anklang als sonst, da viele Menschen der Einladung zum Internationalen Museumstag gefolgt waren. Doch nicht nur die Schaffenskraft und Kreativität der alten Römer galt es zu erleben. Im Gegenteil: Überall in der Seestadt konnte man vor Ort dabei sein, wenn neue Kunstwerke aus der Taufe gehoben wurden. Acht Werkstätten und Galerien hatten ihre Pforten geöffnet und schlugen so einen Bogen von der Kultur der Antike zur modernen Halterner Kunst.

So zum Beispiel am Künstlerhof in Lavesum. Konzentriert streicht Christel Knust das blaugetränkte Rosshaar ihres Pinsels über die Leinwand. Manfred Gerding schaut der Dülmenerin über die Schulter und beobachtet, wie Strich für Strich ein Aquarell entsteht. "Wir sind in unserem zehnten Jahr", sagt Gerding stolz und erklärt, wie aus einem alten Bauernhof eines der ungewöhnlichsten Kreativprojekte der Region entstand. Zehn Künstler arbeiten hier, nutzen die geräumigen Zimmer als Ateliers und Werkstätten, und manche wohnen sogar vor Ort.

Wenn man mit dem Leiter des Hofes durch die Räume flaniert, eröffnen sich hinter jeder Tür neue Farben- und Formenwelten. So unterschiedlich wie die Künstler, so verschieden sind auch die Materialien, mit denen sie arbeiten. Manche malen mit Wasser- oder Ölfarben, andere formen Skulpturen aus Stein oder Gips, schmieden mit Gold und Silber, oder schaffen bunte Kreationen aus Filz. Letzteres Material ist das Steckenpferd von Monika Ufermann. Vor dem Eingang des Künstlerhofes präsentiert sie einen urigen, liebevoll gestallteten Bullenkopf aus Filz. "Auf dem Hof gibt es keine Tiere mehr", sagt sie schmunzelnd, "also wollte ich wenigstens eines der Rindviecher wieder hierher zurück bringen." Humor gehört immer dazu, aber auch jede Menge Ehrgeiz, den die Künstler in ihre Arbeiten einfließen lassen.

Mancher begnügt sich auch damit, außerhalb des Hofgebäudes zu arbeiten. "Ich fühle mich total wohl hier", freut sich Gabi Bücker, die erst seit April am Künstlerhof arbeitet. Als ihre Werkstatt hat sie einen alten Bauwagen erkoren, den sie nach ihren Bedürfnissen eingerichtet hat. Inzwischen enstehen hier ihre Stein- und Glasarbeiten. "Ich könnte mir fast vorstellen, im Sommer immer hier zu sein. Vielleicht stelle ich eine Jurte auf", lacht Bücker. Als kreativer Kopf mit ungewöhnlichen Ideen passt sie gut in die Reihe der Individualisten und Kulturschaffenden am Hof.

Der Künstlerhof, der am Sonntag nur eine Werkstatt von einigen war, dessen Besuch sich lohnte, zeigte, dass in Haltern das Konzept voll aufgeht. Kunst passt zum Museumstag eben perfekt - die alten Römer waren ja schließlich auch ausgemachte Kulturfreunde.

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