Römertage Haltern: Aliso lebt

Die Legionäre kehrten nach Haltern zurück: Zum ersten Mal bildete die neu rekonstruierte Holz-Erde-Mauer die perfekte Kulisse für die Römertage in Haltern. Fotos: Borgwardt
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Einmal zusammen mit den Legionären durch das Tor von Aliso schreiten: So mancher Museumsbesucher mag sich das bei der Betrachtung des Lagermodells einmal vorgestellt haben. Nun konnte man sich diesen Traum erfüllen: Erstmals bildete die rekonstruierte Holz-Erde-Mauer die Kulisse für die Römertage.

Alle zwei Jahre macht Haltern eine Reise in die Antike: Rund um das Römermuseum scheint dann die Zeit vor zweitausend Jahren ein Wochenende lang stehen geblieben zu sein. Möglich machen dies Dutzende engagierter Enthusiasten, die das Gelände in originalgetreuer Ausrüstung und Tracht beleben und ihr Wissen an die Besucher weitergeben. Mit den Mitteln der "Lebendigen Geschichte" sprechen sie so Jung und Alt, Neulinge und Römerexperten gleichermaßen an.

Das Konzept ist seit Jahren erfolgreich, aber noch nie war die Kulisse so beeindruckend. Nach der Fertigstellung des rekonstruierten Lagertores mit seinen Wehrtürmen und der breiten Holz-Erde-Mauer bekommen die Besucher ein noch viel anschaulicheres Bild von der Größe des einstigen Militärlagers Aliso. Dabei war die Anlage einst nur ein kleiner Teil der gewaltigen Maschinerie, über die Rom zur Eroberung der bekannten Welt verfügen konnte. Seinen Soldaten, den Legionären, konnte man am Wochenende ebenfalls begegnen.

"Die Disziplin in der römischen Armee war äußerst strikt", erklärte Klaus Schwab, der seit über 20 Jahren an der Spitze der "Römercohorte Opladen" steht. Das gebannte Publikum sah zu, wie die Soldaten in ihren unverwechselbaren Rüstungen aufmarschierten, geführt von einem Centurio mit seinem charakteristischen quergestellten Helmbusch. Anschaulich demonstrierten die Mitglieder des Geschichtsvereines, wie die Ausrüstung der kaiserlichen Soldaten aussah, welche Dienste sie verrichten mussten und welchen strengen Regeln sie unterworfen waren. In einer Spielszene nahm sich zum Beispiel der Centurio einen Legionär vor, der unerlaubt einen Teil seines Korns gegen ein germanisches Brot getauscht hatte. Als Zeichen der Entehrung wurde der arme Sünder gezwungen, seinen Soldatengürtel in den Schmutz zu werfen - in der römischen Armee eine unerhörte Erniedrigung.

Besonders beeindruckend für die Zuschauer war auch die Vorführung der antiken Artillerie, die in diesem Jahr erstmals am Lagertor aufgebaut war. Der leichte Scorpio, der in rascher Folge speerartige Bolzen mit Eisenspitzen verschießen konnte, und die tonnenschwere Ballista sorgten für Staunen. Der Anblick der rund drei Kilo schweren Steinkugel, die mit Torsionskraft durch die Luft geschleudert wurde, ist seit Jahren einer der Höhepunkte der Römertage.

Wer es weniger martialisch mochte, kam im und rund um das Museum ebenfalls auf seine Kosten - schließlich kam im Fahrwasser des Militärs auch die römische Kultur bis an die Lippe. Altes Handwerk und die fortschrittliche Medizintechnik, Religion und Finanzwesen, Töpferkunst und Luxusleben waren nur einige der vorgestellten Themenbereiche. An vielen Ständen konnte man antike Waren anfassen oder ausprobieren, oder bei ihrer Herstellung zusehen.

Doch nicht nur mit den Augen konnte man auf Entdeckungsreise gehen, sondern auch mit den Ohren. Auf originalgetreu rekonstruierten Instrumenten ließen die Musikwissenschaftler Justus Willberg und Hagen Pätzold vergessene Melodien erklingen, und ergänzten sie mit jeder Menge interessanten Fakten zum Gebrauch etwa der Wasserorgel oder des an eine Doppelflöte erinnernden Aulos.

Bei sonnigem Wetter strömten schon am Samstag tausende Besucher zum Museum, und auch wenn der Regen am Sonntag von den Römern vielleicht als typisch germanisch verteufelt worden wäre, konnten die Römertage ihrem guten Ruf wieder gerecht werden. Durch die neue Festungsmauer sind sie nun noch durch eine weitere Sehenswürdigkeit aufgewertet worden.

Autor:

Oliver Borgwardt aus Gladbeck

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