"Aprilsonne und Jugendfreundschaften haben selten lange Halt"
LWL-Volkskundler stellen zum Weltwettertag Bauernregeln vor

Bei ihren Prognosen stützten sich die Schäfer auf Wind, Wolken, Luftveränderungen und das Verhalten der Schafe, Münster-Nienberge 1953. Foto: LWL Volkskundearchiv Risse
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  • Bei ihren Prognosen stützten sich die Schäfer auf Wind, Wolken, Luftveränderungen und das Verhalten der Schafe, Münster-Nienberge 1953. Foto: LWL Volkskundearchiv Risse
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Westfalen (lwl). Ein Blick auf die Wettervorhersage ist bei der Planung von Ausflügen am Wochenende oder Radtouren nach Feierabend selbstverständlich. Was vor knapp 500 Jahren nur in Bauernregeln oder sehr lokal in Form von meteorologischen Flugblättern publik gemacht wurde, lässt sich heute leicht in Wetter-Apps nachlesen. Den Weltwettertag der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) am letzten Samstag (23.3.) nehmen die Volkskundler beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) zum Anlass, einige Bauernregeln aus dem Volkskundearchiv vorzustellen.

Bevor die Meteorologie wissenschaftlich fundierte Aussagen über Klima und Wetter ermöglichte, stützten sich Vorhersagen auf Beobachtungen, die in Kalendern oder in Form von Merksätzen festgehalten oder mündlich weitergegeben wurden. "Als Wetterpropheten galten unter anderem Schäfer, die sich bei ihren Prognosen auf Wind, Wolken, Luftveränderungen und das Verhalten der Schafe stützten", erklärt Kim Wessel, die die umfangreiche Sammlung von Bauernregeln aus Westfalen im Archiv der Volkskundlichen Kommission untersucht hat. Daran angelehnt ist auch die in Hennen (Märkischer Kreis) verzeichnete Redensart "De Schöper hödt" ("Der Schäfer hütet"), wenn die wie Schafe aussehenden Lämmerwolken am Himmel zu sehen waren. Festgehalten wurden die Wetter- und Klimabeobachtungen oft in Form von Bauernregeln. "Bauernregeln waren weit verbreitet und zum Beispiel auch im antiken Rom und Griechenland oder in Vorderasien bekannt", so Wessel.

Bauernregeln lassen sich in drei Kategorien unterteilen

Bauernregeln lassen sich in drei Kategorien unterteilen: "Wetterregeln", die das Wetter der nächsten sechs bis zwölf Stunden vorhersagen, die "Witterungsregeln" als langfristige Vorhersagen und die "kalendergebundenen Klimaregeln", bei denen es um die durchschnittlichen jährlichen Witterungsabläufe geht. Eine Wetterregel ist beispielsweise "Ein Ring um den Mond, der Regen drin wohnt." Eine Witterungsregel lautet "Liegt nach Sonnenuntergang über Flüssen, Bächen und Wiesen ein dichter Nebel, so ist anhaltend schönes Wetter zu erwarten." In der Sammlung der Volkskundlichen Kommission finden sich auch ein paar Regeln, die aus dem Rahmen zu fallen scheinen. So heißt es, dass es in Lavesum (Kreis Recklinghausen) Regen gebe, "wenn man die sechs Kilometer entfernte Oberhauser-Rheinbahn hören könne. Hier zeigt sich, dass die Menschen ein gutes Gespür für Luftströmungen hatten, die nicht nur Regen brachten, sondern im Vorfeld auch eine veränderte Akustik", sagt Wessel.

"April, April, der macht, was er will"

Die kalendergebundenen Klimaregeln sind unter den Bauernregeln am häufigsten. Hierzu zählt die in Deutschland verbreitete Regel "April, April, der macht, was er will", die auf das oft wechselhafte April-Wetter hinweist. Doch nicht nur mit dem April, auch mit den übrigen Monaten im Jahresverlauf verbanden sich Regeln: "Auf viel Regen im Januar folgt ein nasser Frühling." "Wenn im Februar der Nordwind nicht will, kommt er sicher im April." "Donnert es im März, so schneit es wohl noch im Mai." "Viele Eicheln im September, viel Schnee auch im Dezember." Auch Festtage waren Eckpfeiler für Wetterprognosen, wie beispielsweise die Regel "Weihnachten im Klee, Ostern im Schnee" oder "Grüne Weihnachten, weiße Ostern." "Die Regel 'Ist es in den ersten August-Wochen heiß, so bleibt es oft lange warm' haben wir in Deutschland aus dem vergangenen Jahr noch lebhaft in Erinnerung. Die Variante 'Kommt August mit großer Hitze, macht der Winter weiße Witze' hat sich dagegen 2018 nicht bewahrheitet", so Wessel.
"Ob die Bauernregeln überwiegend zutrafen, lässt sich schwer sagen. Denn über die Jahre und Jahrzehnte hinweg gab es teils gravierende Klimaverschiebungen, die den Beobachtungen der kalendergebundenen Klimaregeln nicht entsprachen. Die Bauernregeln sind also eigentlich Wahrscheinlichkeitsaussagen", erklärt Wessel. "Die umfangreiche Sammlung von Bauernregeln in der Volkskundlichen Kommission kann zwar nicht das Wetter der nächsten Tage vorhersagen, aber sie zeigt, wie viel Interesse unsere Vorfahren an dieser Frage hatten, waren sie doch weitaus mehr als wir heute vom Wetter abhängig."

Die Sammlungen von Bauernregeln befinden sich im Archiv der Volkskundlichen Kommission. Besuche sind täglich zwischen 9 und 16 Uhr nach vorheriger Anmeldung unter Tel.: 0251 83 24404 möglich.

Bei ihren Prognosen stützten sich die Schäfer auf Wind, Wolken, Luftveränderungen und das Verhalten der Schafe, Münster-Nienberge 1953. Foto: LWL Volkskundearchiv Risse
Hagelkreuz in Bocholt-Mussum (zwischen 1950 und 1970). An dieser Stelle soll schon in früheren Jahrhunderten ein Hagelkreuz gestanden haben, das 1886 erneuert worden ist. Die Jahreszahl befindet sich in den Schwanzfedern des Wetterhahns. Foto: LWL Volkskundearchiv

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