der Ukraine-Konflikt/Putins Krieg
Mein offener Brief zum Kriegsgeschehen

Erinnerungen

Ich gehöre noch einer Generation an, die als Kind den 2. Weltkrieg erlebt und so manchen Bunkeraufenthalt während Bombenangriffen der Alliierten verbracht hat. *)
Der die Nachkriegszeit im zerstörten Berlin als Schüler erlebt und als Jugendlicher im Bergbau als Bergmann zum deutschen Wirtschaftswunder beigetragen hat. Ich habe meinen Wehrdienst geleistet und befinde mich heute im verdienten Ruhestand.
Die Ostpolitik Willy Brandts und Egon Bars entsprach meiner politischen Einschätzung. Sie – die Annäherung zu Russland - hat ja auch in der Folge zur Wiedervereinigung Deutschlands geführt. Sie hat die bis dahin noch von den konservativen bundesdeutschen Politikern bevorzugten Hallstein – Doktrin aus den politischen Alttag verdrängt.

Warum schreibe ich das?

Weil mich als politisch interessierten Rentner die derzeitige Stimmung um die kriegerische Auseinandersetzung Russland – Ukraine mehr als nur berührt.
Es macht mir Angst, wie mit Hilfe willfähriger Politiker und Unterstützung der Medien eine Stimmung erzeugt wird, die riskiert, dass die Nato und damit auch Deutschland durch Waffen- lieferungen zum Kiegsteilnehmer werden.
Dass Menschen mit einer anderen Einschätzung der Situation schon als Putinversteher oder Putin Lakei diskreditiert werden und in Talkshows bewusst als Minderheit in der Runde von Befürwortern platziert werden.
Hat es nicht schon einmal in Deutschland eine derartig herbeigeführte Stimmung gegeben ( Wollt ihr den totalen Krieg ?!) die dann letztlich zum Angriffskrieg geführt hat?

Welche Ziele hat der Westen überhaupt:

Wer gibt eigentlich die Ziele vor? Haben sich die EU und die deutsche Außenpolitik endgültig von der Diplomatie verabschiedet? Sollte es keine Alternative zu Waffenlieferungen, Kampf und Sieg geben?
Die Auftritte und Statements der deutschen Außenministerin zeigen nicht erst mit Kriegsbeginn ihre russophobe Bewertung des deutsch russischen Verhältnisses. Sehr zum Wohlgefallen der Hegemonialmacht USA, die ihre außenpolitischen Ziele gut vertreten sieht.
Die ihre Ziele mit ungeheuren finanziellen Aufwendungen für die militärischen Aufrüstung der Ukraine deutlich macht. Mittel, die der Kriegsverlängerung dienen und nicht unbedingt für humanitäre Notwendigkeiten eingesetzt werden.
Deshalb nochmals: Die Ukraine soll sich wehren dürfen. Doch die Strategie des Westens und hier insbesondere die der USA, die für die Ukraine ungeheure finanzielle Mittel für militärische Aufrüstung einsetzen, sind keinesfalls Zeichen einer schnellen Beendigung des Kriegs.
Es entsteht der Eindruck, dass die Ukraine für einen Stellvertreterkrieg missbraucht wird.
Ein Krieg, der bei ernsthaft betriebener Diplomatie der verantwortlichen Politiker in Deutschland aber auch in der EU/Nato nicht hätte ausbrechen müssen.

Die EU, ein Vasall der USA?

Man erlebt eine Bundesregierung, die Außenpolitik betreibt, wie es die Weltmacht USA gerade noch zulässt.
Die EU Kommissionschefin, eine nicht gewählte Amtsinhaberin, verhält sich noch weniger souverän. Die USA sieht Ihre außenpolitischen Ziele mit der EU-Führung in guten Händen.

Die Ursachen des Krieges werden nicht angenommen, ja sie werden sowohl von Politikern wie auch von den Edelfedern der Leitmedien schlicht nicht nur verschwiegen, sie werden nach Gutdünken interpretiert..
Spätesten jetzt, nach dem die wieder und wieder verschärften Sanktionen gegen Russland den
Kriegsverlauf nicht verändern, geschweige denn beenden, sollten Politiker aber auch Bürger die Folgen dieser Sanktionswillkür nicht nur für das russische Volk sondern der deutschen Wirtschaft und der (Welt) Bevölkerung aufgefallen sein. *

Nicht nur ukrainische - auch russische , afghanische und irakische Mütter weinen um ihre Söhne, die in unsäglichen Kriegsgeschehen ihr Leben lassen bzw. gelassen haben.

Kriegsverbrechen

Das Kriegsgeschehen ist abscheulich, der Angreifer des Krieges steht fest und sollte nach glaubwürdigen Überprüfungsergebnissen be-und verurteilt werden.
Doch Russland erkennt die Gerichtsbarkeit des internationalen Gerichtshofs ebenso wie die USA und China nicht an und entzieht sich damit dem zu erwarteten Verfahren.
Beispielgebend sind die Nichtverfolgung der von US - amerikanischer Politiker angeordneten Drohnenmorde und der Kriegsverbrechen ihrer Soldaten im Irak, in Afghanistan, in Vietnam und nicht zuletzt südamerikanischer Staaten…In diesem Zusammenhang sei an das Schicksal des Wikileaks Gründers Julian Assange erinnert.
In den letzten Jahrzehnten war wiederholt zu beobachten, dass selbst massivste Völkerrechtsbrüche (z.B. in Jugoslawien, Irak, Syrien, Libyen, Palästina, Afghanistan) nicht geahndet wurden. Nicht die Rechte der Berechtigten sondern die Macht des Stärkeren waren und bleiben offenkundig auch entscheidend.

Propaganda als Mittel der Nötigung

Die Regierung lässt sich von den Medien, durch ständige einseitige Berichterstattung der Kriegshandlungen und -folgen unter Druck setzen. Ebenso von den unverschämt vorgetragenen Forderungen ukrainischer Politiker und den pöbelhaften Beleidigungen des politisch ultranational einzuschätzenden ukrainischen Botschafter Melnyk.
Es spricht für wenig selbstbewusstes Agieren der Politiker, dass sie parteiübergreifend derartige Beschimpfungen und Unverschämtheiten hinnehmen und sich für zurückliegende notwendige, wegweisende Entscheidungen öffentlich entschuldigen. Entscheidungen, ohne die kaum eine Wiedervereinigung Deutschlands möglich gewesen wäre.
Es hatte zunächst ausgerechnet der ehemalige SPD Außenminister Gabriel den Mut, sich mit dem ukrainischen Botschafter und seinen unrichtigen, in beleidigender Art vorgetragenen Unverschämtheiten auseinanderzusetzen.

Das Sicherheitsbedürfnis

Die Reaktion der US Administration für den Fall, dass China und Russland ein Militärbündnis mit Mexiko und Kanada begründen wollten, würde ebenso wie die während der Kuba-Krise im Oktober 1962 eine Kriegsandrohung zur Folge haben.
Zur Rechtfertigung wurde und wird den USA das Sicherheitsbedürfnis zugestanden.
Mit der Nato Osterweiterung wurde das Sicherheitsbedürfnis Russlands vom Westen ignoriert.

Ebenso wird von Teilen der Weltgemeinschaft hingenommen, dass sich die USA ständig als „Schutzmacht“ zur Sicherheit der jeweiligen Länder einbringt. So selbstlos handeln da die USA nicht, sie gewinnen damit Einfluss auf Regierungen..
Sind diese Aktivitäten wirklich nur „Schutzangebote“ ? Dienen sie nicht viel eher der eigenen Machterweiterung, der Rohstoffsicherung und der politischen Einflussnahme? **)

Es gibt allerdings auf der Welt mehrere Länder, die sich noch dem hegemonialen Bestreben der USA entziehen konnten und demzufolge auch bei der UN Abstimmung Russland nicht verurteilt haben.

Für Russland hätte gelten müssen,

...um missliebige Regime zu stürzen, sollte man keinen Angriffskrieg führen, man sollte von den USA lernen. Die bedienen sich subtiler Beeinflussung sowie konspirativer Einrichtungen und, wie in der Ukraine, der Dienste der US - Diplomatin Victoria Nuland – u.a. bekanntgeworden mit dem Ausspruch „Fuck the EU“- bei der personellen Besetzung der ukrainische Regierung.. Hier wird die „Bedeutung“ der EU in den USA deutlich.
Die USA, die nach fehlgeschlagenen gewaltsamen Umsturzversuchen wie u.a. Vietnam, Afghanistan, Venezuela, Kuba usw. ausreichend Erfahrung gesammelt haben dürfte.

Man stelle sich schlussendlich die Frage, wer von dieser Auseinandersetzung profitiert ?

Horst Sellge

Quellen:
*) https://www.spiegel.de/politik/so-muss-die-hoelle-aussehen-a-70d15c4c-0002-0001-0000-000026060054
https://www.freitag.de/autoren/lutz-herden/luftkrieg-1942-1945-deutschland-als-sicherstes-bombenziel
**) https://www.freitag.de/autoren/the-guardian/ist-eine-eskalation-in-der-ukraine-teil-der-strategie- der-usa

Autor:

Horst Sellge aus Haltern

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