Leserbrief zur aktuellen Dorfentwicklung in Lavesum
„Aktivitäten des Heimatvereins wünschenswert – Wo bleibt das Engagement für Lavesum?“

Innerhalb weniger Monate hat sich vieles im einstmals idyllischen Lavesum nicht nur zum Positiven entwickelt. Foto:  Dietmar Rabich, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=37801452
  • Innerhalb weniger Monate hat sich vieles im einstmals idyllischen Lavesum nicht nur zum Positiven entwickelt. Foto: Dietmar Rabich, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=37801452
  • hochgeladen von Michael Menzebach

Für die Innenstadt feilt die Halterner Stadtverwaltung fleißig an einem schlüssigen Konzept und nimmt dabei auch Bürger und Experten mit ins Boot. Doch wie ist es um die Lebensqualität und Defizite in den Halterner Ortsteilen bestellt? In seinem Leserbrief sieht Wilhelm Neurohr planerischen Handlungsbedarf, wie er am Beispiel Lavesum zeigt. Nach dem integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzept (ISEK) für die Innenstadt sollte deshalb nun die Dorfentwicklung im Focus stehen.

"Denn innerhalb weniger Monate hat sich vieles im einstmals idyllischen Lavesum nicht nur zum Positiven entwickelt: Der das Ortsbild prägende traditionsreiche Biko-Markt im Ortskern mit seinem Restaurant und Café in dem charakteristischen Gebäude ist inzwischen abgerissen. In absehbarer Zeit folgt wohl die Aufgabe des Dorfgasthofes Eggebrecht. Beide sind somit auch durch die neuen Bewohner der nebenan gerade fertiggestellten Seniorenwohnanlage nicht mehr nutzbar. Was sollen die Senioren ohne Infrastruktur im Dorf?

Verkerhrskonflikte

Das begrüßenswerte Angebot von 38 Seniorenwohnungen in schöner Gestaltung wird getrübt durch den für das Ortsbild überdimensionierten Baukörper mit seinen Balkonen direkt an der Durchgangsstraße L 652 (und mit Blick auf die Tankstelle), wo an den Wochenenden unerträglicher Verkehrslärm durch Ausflügler und oft rücksichtslose Motorradfahrer in Richtung Ketteler Hof, Wildgehege Granat und Hof Hagedorn allen Anliegern der Rekener Straße und darüber hinaus vor den Fenstern zugemutet wird. Sollte die Stadt nicht zur Erhaltung der Wohnqualität in ihrem Tourismuskonzept einen Interessenausgleich zwischen den Anwohnern und den auswärtigen Touristenströmen herzustellen versuchen? (Denn die Tagesbesucher etwa des Ketteler Hofes bringen keinen Mehrgewinn in die Innenstadt). In der Ortsdurchfahrt Lavesum mit den engen Gehwegen fehlt überdies ein durchgängiger Radweg. Ebenso enden die Radwege nach Merfeld oder Reken an den Ortsrändern.


Fehlender Dorfpark


Auch der wiederholte Vorschlag an die Stadt, einen kleinen Dorfpark mit Aufenthaltsqualität für die Senioren, Bürger und Touristen etwa auf dem Freigelände vor der Feuerwache in Lavesum vorzusehen, nach dem Vorbild des Nachbardorfes Merfeld, wurde leider abgewiesen. (Dort haben Bürger übrigens auch einen kleinen Dorfladen in Eigenregie auf die Beine gestellt).Und den ohnehin dürftigen ÖPNV-Takt für Lavesum zu verbessern und durch eine zusätzliche Verbindung nach Sythen zu ergänzen, fand im Nahverkehrsplan nicht Eingang. Von wegen gleichwertige und seniorengerechte Lebensverhältnisse auf dem Land.

Bausünden

Nun wird auch noch zum Ärger vieler Lavesumer Dorfbewohner eine regelrechte „Bausünde“ an der Ecke Rekener Straße/Talstraße ausgerechnet durch die eigene Stadtsparkasse begangen: Obwohl sich laut Landesbauordnung, die Neubebauung der umgebenden Bebauung anzupassen hat, zwängt sich hier gerade ein monströser mehrgeschossiger Flachdachbau mit Eigentumswohnungen zwischen vorhandene eingeschossigen Eigenheime mit Satteldach – alles in dem Neubaugebiet als („unverplanter Innenbereich“ deklariert) ohne ordnungsgemäßen Bebauungsplan. Auf dem Baustellenschild ist zu lesen: „Exklusives Wohnen mit Blick auf Wiesen und Feldern“. Damit treibt die Sparkasse die Miet- und Kaufpeise auch in den Dorflagen nach oben. Der Wochenend-Verkehrslärm vor dem Balkon wird ebenso verschwiegen, wie der Baubeginn auf den Feldern gegenüber zur Erweiterung des Hofes Hagedorn auf bislang geschützten Landschaftsteilen. Und etwas weiter in Lochtrup bereitet vielen Anwohnern und Naturschützern die geplante umstrittene Wohnbebauung in der idyllischen Dorflage große Bauchschmerzen, weil die Stadt entgegen den massiven Bedenken von Naturschutzbehörden und Naturschutzbeirat etc. ihr Vorhaben weiter verfolgt, obwohl der Eingriff in die Landschaft nicht ausgleichbar ist.

Stillstand am Truppenübungsplatz

Von dem Projekt „Nationales Naturerbe“ als 1430 ha großes Naturparadies auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Lavesum ist hingegen nichts mehr zu hören, während die 1780 ha in den Borkenbergen bei Hullern mit ihren wertvollen Biotopen längst gesichert sind. Wo bleibt das Engagement für Lavesum?
Zuguterletzt sei noch angemerkt: Die einstigen Kritiker des Windparkes in Osten von Lavesum - mit seinen neun großen Windrädern mit bis zu 200 m Rotoren-Höhe - sind zwar inzwischen verstummt, weil sie sich einsichtig zeigen zugunsten der notwendigen Klima- und Energiewende, mit der eine Beeinträchtigung des Orts-und Landschaftsbildes in der Erholungslandschaft hinzunehmen ist. Aber mit der Planung weiterer und noch größerer Windräder demnächst im Kernbereich des bewaldeten Naturparks Hohe Mark im Westen von Lavesum wird die Diskussion wohl neu aufflammen, weil laut Regionalplan-Entwurf von 53 Städten des Ruhrgebietes alleine die Erholungsstadt Haltern 50% der Windenergiebereiche des gesamten Ruhrgebietes verstandorten soll. Das wird auf Akzeptanzprobleme und Tourismusrückgang stoßen.

Dorfentwicklungskonzept mit Bürgern

Bei all diesen aktuellen Problembündeln für Lavesum wäre zu wünschen, dass sich in Lavesum ein ebenso aktiver Heimatverein wie in den anderen Halterner Stadtteilen um die Dorfentwicklung kümmert, denn auch im Detail wäre manches an gestalterischen Verbesserungen vorstellbar nach dem Motto: „Unser Dorf soll schöner werden.“ Doch ein von Bürgern vorgeschlagenes „Dorfentwicklungskonzept“ in Zusammenarbeit mit den Bürgern erklärte die Stadt für entbehrlich, da der Flächennutzungsplan angeblich ausreichen würde. Die Ergebnisse sind in Lavesum zu besichtigen."

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