Nina Dosedal entwickelt effektives Kommunikationsmittel für Bewohnerin des LWL-Wohnverbundes Marl-Sinsen
Kleines Buch mit großer Wirkung

Nina Dosedal liebt Herausforderungen. Foto: LWL/Seifert
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Marl/Haltern. Sich mitteilen zu können und auch verstanden zu werden, das ist ein menschliches Grundbedürfnis. Doch manchen Menschen fällt das sehr schwer, so wie auch Heike Schwarz (Name geändert), Bewohnerin des Marler Wohnverbundes des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL). Das frustrierte die 45-Jährige nicht nur, sondern machte sie auch sehr traurig. Heike Schwarz verfügt aufgrund ihrer Behinderung nur über einen minimalen Wortschatz. Sie bildet höchstens Drei-Wort-Sätze. Auch ihre Aussprache ist nur schwer zu verstehen. Mit einem speziell entwickelten Kommunikationsbuch gibt Heilerziehungspflegerin Nina Dosedal der Bewohnerin die Möglichkeit, ihre Bedürfnisse zu äußern.

In diesem kleinen roten Buch sind unter anderem Fotos von verschiedenen Stationen in Heike Schwarz‘ Tagesablauf befestigt. So steht an erster Stelle das Foto der Dusche, dann kommt ein Bild eines Frühstücktellers, des Mittagessens usw. Denn zeitlich kann die Bewohnerin sich nicht orientieren. Sie weiß nur, welche Aktivitäten aufeinander folgen. „Wenn zu viel Zeit zwischen den einzelnen Punkten vergeht, vergisst Heike schnell, was sie schon gemacht hat und wird unruhig“, erklärt Nina Dosedal, „dann gehe ich mit ihr die einzelnen Bilder durch und sie erkennt, an welcher Stelle des Tages sie sich gerade befindet und was noch ansteht.“
Aber das Buch kann noch viel mehr. Es hilft, Heikes Bedürfnisse zu erkennen. Deshalb finden sich dort unter anderem weitere Fotos aus dem Alltag, wie ein Fön, ihrer Jacken und unterschiedliche Getränke. „Immer, wenn ich mir nicht sicher bin, was Heike im Moment möchte, hole ich das Buch und wir gehen gemeinsam die Bilder durch. Wenn ich auf ein bestimmtes Foto zeige, merke ich an ihrer Reaktion, worum es gerade geht. Das ist eine riesengroße Erleichterung, nicht nur für sie, sondern auch für unser Team“, freut sich Dosedal, „wir bemerken deutlich, dass Heike weniger unruhig und viel zufriedener geworden ist. Das wirkt sich natürlich auch positiv auf unsere Beziehung aus.“ Ein halbes Jahr haben die beiden gebraucht, um sich mit dem Kommunikationsbuch zu verständigen. Jeden Tag wurde ein wenig geübt, und das bleibt auch so. Denn sonst würde Heike Schwarz das Erlernte womöglich wieder vergessen. Und es sollen noch weitere Bilder hinzukommen.
Die Idee zu diesem Buch kam der Heilerziehungspflegerin im Rahmen der Abschlussarbeit für Ihre Berufsausbildung. In diesem Zuge sollte ein nutzbringendes Projekt für die eigene Einrichtung entwickelt werden. Nina Dosedal arbeitet in der Wohngruppe 4C, einer Gruppe für Menschen mit einer körperlich und geistigen Behinderung, die einen hohen Pflegebedarf haben. Hier ein pädagogisches Projekt zu entwickeln, schien nur auf den ersten Blick wenig aussichtsreich. Doch die 23-Jährige ließ sich nicht beirren und bekam tatkräftige Unterstützung von Ihrem Team und Ihrem Wohngruppenleiter Giordano Guarino. Und der Erfolg gibt ihnen Recht.

Nina Dosedal liebt Herausforderungen. Foto: LWL/Seifert
Einzelne Bilder zeigen Heikes Alltag. Foto: LWL/Seifert
Autor:

Michael Menzebach aus Haltern

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