Reanimationskurs für Kinder kommt gut an

Medizinstudentin Anna-Lena Schild gibt seit vier Jahren Workshops in Reanimation für Kinder der Jahrgangsstufe drei.
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Die Durchführung der Herzdruckmassage klappt mit den neuen Laerdal Mini Anne Plus-Puppen noch besser. Angeschafft hat die Halterner Bürgerstiftung die Dummies, mit deren Hilfe die Medizinstudentin Anna-Lena Schild in Eigenregie Schüler der dritten Klassen in Reanimation schult. Ihr Konzept orientiert sich an den Empfehlungen und Materialien von www.einlebenretten.de und www.schuelerrettenleben.de. Seit vier Jahren besucht sie dazu die Grundschulen in Sythen, Silverberg, Lavesum, Hullern, Flaesheim und Lippramsdorf. Am Freitag war Silverberg wieder an der Reihe.

Plötzlich mit verletzten, verunfallten oder zusammengebrochenen Personen zu tun zu haben, gehört sicher zu den unangenehmeren Erfahrungen im Leben. In einer solchen Situation ist es wichtig, die Nerven zu bewahren und vor allem zu wissen, was bei der Ersthilfe zu beachten ist. Dazu bedarf es einer Anleitung. In Reanimationskursen werden aber nicht nur Hilfsmaßnahmen vermittelt, sondern zunächst einmal müssen Ängste und Hemmungen abgebaut werden. Allzu oft passiert es leider, dass hilfsbedürftigen Personen keine Hilfe geleistet wird, schlicht und einfach weil die Umstehenden aus lauter Angst etwas falsch zu machen, nicht eingreifen.

Tatsächlich ist dazu gar nicht so viel körperliche Kraft erforderlich wie man meinen mag. Auch geschulte Kinder sind ab einem Alter von zehn bis zwölf Jahren durchaus in der Lage, lebensrettende Maßnahmen am Unglücksort durchzuführen. Anna Lena Schild vermittelt seit 2014 in speziellen Kursen Drittklässlern in Haltern, was in einem solchen Falle zu tun ist. Gerade die ersten fünf Minuten nach einem Herzstillstand sind entscheidend. In der Zeit ist ein Krankenwagen in der Regel noch nicht vor Ort. Für solche Fälle die Zahl der Laienreanimation zu erhöhen kann Leben retten.

"Keine Angst vor Fehlern! Nur wer gar nichts tut, macht etwas falsch!"

Die Studentin arbeitet ehrenamtlich. Anderen Menschen; besonders auch Kindern; lebensrettende Maßnahmen beizubringen, ihr eine Herzensangelegenheit. Als sie vor einigen Jahren als Schülerin den Herzinfarkt eines Lehrers erfuhr, reifte in ihr der Wunsch, zukünftig in solchen Situationen schnell und gezielt helfen zu können. Ihre Begeisterung für ihre Aufgabe kommt bei den Kindern schnell an. Es macht ihnen sichtlich Spaß, an den Puppen, die für diesen Zweck von der Halterner Bürgerstiftung angeschafft wurden, die Herzdruckmassage zu üben.

“Die Kinder haben meist weniger Hemmungen als Erwachsene. Viele haben Hemmungen eine fremde Person zu berühren, finden den Körperkontakt vielleicht unangenehm und haben Angst etwas falsch zu machen. Da heißt es zunächst einmal Ängste abzubauen. Um die Erste-Hilfe-Maßnahmen verständlich zu machen, hilft es zu verstehen, was im menschlichen Körper pathophysiologisch im Falle eines Herzinfarktes überhaupt geschieht und wie die Rettungskette eingeleitet wird,“ erklärt Anna-Lena Schild und erläutert dies den Kindern anhand eines Tafelbildes.

Rettungskette in Gang setzen

Den Drittklässlern in der Silverberg-Schule erklärt sie an diesem Freitagmorgen die richtige Vorgehensweise bei einem Unfall so kindgerecht und so lebensecht, dass die Kinder am Ende der Doppelstunde fast enttäuscht sind, dass die Zeit schon um ist. Das erste was ansteht, ist auf die eigene Sicherheit zu achten. Wer sich selbst unnötig in Gefahr bringt, der kann dann anderen nicht mehr helfen. Der Krankenwagen ist im Ernstfall anzurufen. “112“ wiederholen die Kinder immer wieder, bis sie diese Zahl im Schlaf kennen. Schon am Telefon sollte man den Sanitätern mitteilen, wer anruft, wo der Unfall passiert ist und was wann passiert ist. 

“Habt vor allem keine Angst bei der Herzdruckmassage,“ erklärt die Studentin den Kindern immer wieder: “Alles ist besser als nichts zu tun! Natürlich kann das Brustbein oder eine Rippe brechen, wenn man zu feste auf den Brustkorb drückt. Aber ein gebrochener Knochen kann wieder heilen - das ist alle Mal besser als sterben!“ - zu fest drücken ist bei Grundschülern kaum möglich. Den Patienten wird eine Fraktur in diesem Moment nicht stören - spüren wird er es nach Reanimation möglicherweise schon. Ein gebrochener Knochen kann wieder heilen - das ist alle Mal besser als sterben!“

Nicht nur die Kinder sondern auch die anwesenden Mitglieder der Halterner Bürgerstiftung Beate Mertmann, Anna Tappe und Franz-Josef Berheide nehmen an diesem Morgen einige wichtige Tipps und Ratschläge mit nach Hause. "Reanimation ist eine wichtige Sache, die wir mit der Bereitstellung unserer Puppen gerne unterstützen," erklärt Beate Mertmann. "Sollte Frau Schild eines Tages diese Kurse nicht mehr machen, werden wir die Puppen an eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger weitergeben.“

Mitmachen ausdrücklich erwünscht!

Anna-Lena Schild, die ihre Kurse ehrenamtlich hält, würde sich über Mitstreiter sehr freuen. Wer Interesse hat kann sich bei ihr melden unter: reanimation.kinderleicht@gmail.com

“Leben retten kann jeder! In den letzten Jahren habe ich über 1000 Kinder in meinen Reanimationskursen geschult. Sollte dadurch auch nur einer einzigen Person das Leben gerettet werden können, so hat sich mein Einsatz gelohnt!“ Diese Meinung teilen auch die Lehrer, die Eltern, die Halterner Bürgerstiftung und selbstverständlich die Kinder selbst.

Autor:

Antje Clara Bücker aus Haltern

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