In Haltern daheim, in der Welt zuhause

Mit nicht einmal neunzehn Jahren hat Nabila einen Terminplan wie ein Manager. Viel Zeit für Hobbys bleibt da nicht...
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Drei Monate sind vergangen seit dem Abitur der letzten wilden Dreizehn.
Fast alle Absolventen haben mittlerweile einen Ausbildungsplatz oder Studienplatz und werden in Kürze ihren nächsten Schritt ins Leben antreten. Aufbruchstimmung herrscht dieser Tage in Haltern. Die meisten zieht es fort aus der Kleinstadt in die Universitätsstädte der näheren und weiteren Umgebung. Münster und Bochum liegen in der Beliebtheitsskala ziemlich weit vorn; da ist die Trennung vom gewohnten Umfeld noch nicht ganz so krass. Einigen kann es hingegen gar nicht weit genug weg sein – Neuseeland und Australien stehen ebenfalls hoch im Kurs.


Nabila El Arbi zieht es ans Leuphana Kolleg in Lüneburg. Umweltwissenschaften und Wirtschaftspsychologie möchte die achtzehnjährige dort studieren. Auf gerade diese Schule kam sie durch den Tipp eines Freundes, den sie durch die Teilnahme am internationalen Schülerkolleg SKI kennen gelernt hatte.
Diese Teilnahme wiederum war entstanden nach einer Reihe von glücklichen Zufällen in ihrem Leben und harter Arbeit:
Mit neun Jahren zog die gebürtige Tunesierin mit ihrer Familie in die Seestadt. Gleich am ersten Tag nach dem Einzug besuchte sie die Eichendorffschule, gerade vier Wochen vor Beendigung des vierten Schuljahres. Der Unterrichtstoff fiel ihr nicht schwer, nur Lesen und Schreiben musste sie erst lernen. Bisher war ihr nur das arabische Alphabet vertraut gewesen. Sie wechselte nach den Sommerferien auf das Joseph-König-Gymnasium, belegte den bilingualen Zweig und erinnert sich schmunzelnd an die Verwunderung mancher Lehrer über die erstaunlich schlechte Rechtschreibung des ansonsten doch recht intelligenten Mädchens. Ihre Erklärungsversuche, sie habe doch direkt vor den Ferien erst Schreiben gelernt und sei dafür doch gar nicht so schlecht, stifteten nur noch mehr Verwirrung.
Damals sprach sie bereits arabisch, deutsch und französisch. Es folgten englisch und Latein.
Im zehnten Schuljahr beschloss sie, das elfte Schuljahr in Brasilien zu verbringen.

Elftes Schuljahr in Brasilien

Sie wendete sich an die Jugendaustauschorganisation YFU (Youth For Understanding) und wurde gleich zu Vorstellungsgesprächen eingeladen. Aufgrund einer Facharbeit, die sie für die Organisation schrieb, bekam sie ein Stipendium, das ihr dann ein unvergessliches Jahr in dem südamerikanischen Land ermöglichte. Nach vier Monaten sprach sie so gut portugiesisch, dass sie den dortigen Klassenkollegen der La Salle Privatschule in Manaus Nachhilfeunterricht erteilte.

Zurück in Deutschland ließ sie YFU nicht mehr los. Um sich für das großzügige Stipendium erkenntlich zu zeigen, bot sie der Organisation ihre ehrenamtliche Mitarbeit an und fiel bald durch ihren Einsatz und ihr politisches Engagement auf. YFU stellte den Kontakt zum Tönissteiner Kreis und der Robert-Bosch-Siftung her, die Projekte wie das SKI ins Leben gerufen hatten. In Folge dieser Verbindungen besuchte sie als Jugendbotschafterin verschiedene Konferenzen in Brüssel, Berlin, Maastricht, London und Skopje. Sie schrieb weitere Facharbeiten über Migration, Integration und die politischen Verhältnisse der südosteuropäischen Staaten und bekam durch ihre Vorträge die Einladung der Friedrich Ebert Stiftung an den International Youth Konferenzen in Thessaloniki und Krusevo teilzunehmen. Dort taten sich schnell weitere Möglichkeiten auf: 2014 ist sie eine der Verantwortlichen, die für die Roter-Baum-Stiftung-Berlin Jugendausstauschprogramme zwischen Deutschland und Israel organisieren.

Mit nicht einmal neunzehn Jahren hat Nabila einen Terminplan wie mancher Manager. Viel Zeit für Hobbys bleibt da nicht. Manchmal zehrt die Belastung trotz aller Erfolge an ihren Nerven. Zeit, dass etwas Ruhe und Entspannung in ihr Leben einkehrt. Aber daran ist vorerst nicht zu denken: Ihr WG-Zimmer in Lüneburg ist noch immer nicht eingeräumt und seit Montag drückt sie wieder die Schulbank...

Wir wünschen allen Abiturienten 2013 einen erfolgreichen, weiteren Lebensweg.

Mit nicht einmal neunzehn Jahren hat Nabila einen Terminplan wie ein Manager. Viel Zeit für Hobbys bleibt da nicht...
Als Jugendbotschafterin besuchte Nabila El Arbi (li.) verschiedenen Konferenzen in Brüssel, Berlin, Maastricht, London und Skopje.
Autor:

Antje Clara Bücker aus Haltern

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