Tierschützer schlagen Alarm: Streunerkatzen füttern allein reicht nicht!

Haltern. Erschöpft aber erleichtert und jeweils mit zwei Transportboxen in den Händen, verlassen Tina Franzgrote und Catharina Hansen die Tierarztpraxis. Die beiden jungen Frauen kümmern sich mit ihrem „Streunerkatzen-Projekt Haltern am See“ seit einigen Jahren um unkastrierte Katzen, die in der Seestadt herrenlos herumirren. Momentan herrscht Hochbetrieb: Gleich vier Tiere konnten sie heute kastrieren lassen.

Das Hauptproblem, so Franzgrote, sei mittlerweile, dass viele Menschen streunende Katzen oft aus Mitleid monate- oder gar jahrelang fütterten, sie aber nicht kastrieren ließen. Durch das reichhaltige Nahrungsangebot vermehren sie sich rasant. Populationen von 10, 15 oder mehr Katzen sind keine Seltenheit. Oft sind die Tiere krank. Spätestens dann sind die Bürger mit der Situation überfordert und rufen den Katzenschutz.

Dann rücken Hansen und Franzgrote mit ihren Lebendfallen an und versuchen, die Katzen einzufangen. Anders geht es meist nicht, denn die Tiere sind stark verwildert und vorsichtig. Da bleibt nur der Einsatz der Automatikfalle. Ist eine Katze gefangen, wird so schnell wie möglich ein Termin beim Tierarzt vereinbart. Dort werden die Tiere zuerst auf eine Kennzeichnung überprüft. Sind weder Tätowierung noch Microchip vorhanden, werden sie kastriert und gekennzeichnet. Nach kommunalem Fundrecht ist das erlaubt. Dann bringen die Katzenschützer sie in einer Übergangsunterkunft unter, wo sie, mit Futter, Wasser, Toilette und einem Schlafplatz versorgt, nach der Operation ein wenig ausruhen können, bevor sie wieder an den Fangort zurückgesetzt werden. „Von der Straße holen und in eine Familie vermitteln kann man die Streuner leider in den seltensten Fällen“, ärgert sich Tina Franzgrote, „dafür sind sie Menschen gegenüber einfach schon zu scheu. Schade für die Tiere, aber mehr als kastrieren und medizinisch grundversorgen können wir sie nicht!“.

Keine finanzielle Unterstützung

Da die beiden Tierschützerinnen ehrenamtlich und rein privat arbeiten, sind die Aufnahmekapazitäten schnell erschöpft. „Wir können eine vorübergehende Unterbringung für gerade einmal 4 Tiere gleichzeitig anbieten“ erklärt Catharina Hansen. „Da wir, anders als ein Tierheim oder Tierschutzverein, nicht über große Räumlichkeiten verfügen, ist mehr leider nicht drin. Man muss die Fangaktionen also gut planen.“

Finanzielle Unterstützung aus öffentlicher Hand erhalten die beiden Frauen nicht. Viel schießen sie aus der eigenen Tasche zu, sammeln zudem für jede Kastrationsaktion über ihre gut besuchte Facebookseite Spenden für die Operation, Unterbringung und Versorgung der Katzen. Über 30 Tiere haben sie in diesem Jahr bereits gefangen. „Man kann sich vorstellen, welche Kosten da zusammenkommen“, sagt Catharina Hansen, „schließlich muss man im Schnitt mit 100 Euro pro Katze rechnen. Sind die Tiere krank, wird es mehr. Daher sind wir sehr dankbar, dass uns so viele Tierfreunde mit Geld- oder Sachspenden unter die Arme greifen.“

„Kittenschwemme“ wird zum Problem

Ein großes Problem sehen die beiden Aktivistinnen zudem in der jährlich wiederkehrenden „Kittenschwemme“. Im Mai gab es an einer Fangstelle gleich vier trächtige Katzen. Damit die Katzenfamilien langfristig untergebracht und zumindest die Katzenkinder nicht auf der Straße, sondern in Menschenobhut aufwachsen können, sind viele Mails und Telefonate mit befreundeten Tierschützern nötig. „Es wird immer schwieriger, ganze Würfe unterzubringen“, so Franzgrote, „denn viele unserer Kollegen sind ebenfalls platztechnisch und finanziell ausgebrannt.“ Aber die Kitten müssen von der Straße weg - sonst geht alles wieder von vorn los!“ Was die wenigsten Bürger wissen: Ein Tierheim, welches für herrenlose Katzen aus Haltern am See zuständig ist, gibt es nicht. Das Tierheim in Ahaus nimmt nur gekennzeichnete Tiere aus der Seestadt auf, jedoch keine Streuner. „Auch deshalb haben wir so einen extremen Zulauf“, erläutert Tina Franzgrote. „Und es wird jedes Jahr schlimmer. Dabei könnte viel Elend verhindert werden, wenn die Menschen zunächst einmal ihre eigenen Freigänger kastrieren ließen. Zudem müsste viel schneller reagiert werden, wenn Populationen herrenloser Katzen gesichtet werden. Füttern allein reicht nicht!“ Wer sich unsicher ist, ob es sich bei einer Katzensichtung um einen tierschutzrelevanten Fall handelt, der sollte sich frühzeitig mit dem Streunerkatzen-Projekt in Verbindung setzen. Je schneller sich die Tierschützer vor Ort ein Bild gemacht haben, umso mehr Tieren bleibt ein Leben auf der Straße erspart.

www.streuner-haltern.de
streuner-haltern@web.de
www.facebook.com/Streunerkatzen.Haltern/

Autor:

Streunerkatzen-Projekt Haltern am See aus Haltern

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