Ein bisschen Pott am Nordseestrand

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Sie leben in Duisburg-Duissern, Mülheim an der Ruhr oder Voerde-Spellen? Sie haben Bock auf ein bisschen Urlaub - aber doch nicht so richtig? Dann buchen Sie in Wijk aan Zee, südliches Nordholland! Dort ist es ein bisschen wie bei Ihnen Zuhause - aber nicht so richtig. Lesen Sie nachstehenden Erfahrungsbericht: Der Verfasser wählte via Internet eine nette kleine Wohnung in dieser sympathischen Gemeinde am Nordseestrand. Doch irgendwie …

… kam’s ihm und seiner Familie so vor, als wenn etwas nicht stimmte.

Am Anfang gab es einen Plan, nämlich die Vermeidung einer Geburtstagsfeier. Und noch eine Fliege saß auf der Klappe, nämlich die Flucht vor dem alljährlichen Pfingstschützenfest: drei Nächte Schlafentzug in Folge in einer Gemeinde, in der lange Wochenenden niemandem wichtig zu sein scheinen.
Die Chance konnte er sich nicht entgehen lassen! Und schwupps, nach 200 Kilometern auf der Bahn erreichte die vierköpfige Familie die Ortschaft Wijk aan Zee.

Doch schon die Anfahrt offenbarte optische Enttäuschungen. Konnte das denn sein? Dieses hässliche Hüttenwerk in unmittelbarer Nachbarschaft des Urlaubsdorfes? Mutet seltsam an, wenn inmitten junigrüner Dünen diverse Backsteinschlote Dampf spucken und dazwischen eine Mega-Gasflamme von schweißtreibender Stahlschmelze zeugt. Das Ganze keine 1000 Meter vom Strand.

Apropos Strand: Haben Sie schon mal erlebt, dass einige Dohlen der örtlichen Möwenpopulation die Erholungszone streitig machen? In Wijk aan Zee ist das so! Nicht nur, dass diese schwarzgrauen Rabenvögel ihrer geschmeidigen Konkurrenz touristische Futtergaben vor dem gelben Schnabel wegschnappen. Sie sitzen auch vor dem Supermarkt und plündern Abfallbehälter und alles weitere, was so in der Gegend steht und liegt. Unglaublich!

Vor lauter Scham wegen des fehlenden Hollandflairs bleibt sogar dem Wijker Sand die Spucke weg: Er ist nämlich nicht weiß, sondern hellbraun! Nach wenigen Urlaubsstunden schleicht sich das Gefühl ein, der Qualm aus den Industrieschloten lege seinen feinstaubigen Schleier über die feinen Quarzkörnchen zwischen Dünen und Wasser. Oder verdunkelt gar ein historischer Schatten die Optik des Strandsandes? Jedenfalls entdeckt man vielerorts die Bunkeranlagen aus den berüchtigten D-Day-Zeiten. Immer wieder ein Grund für’n Kloß im Touristenhals.

Was – Sie haben jetzt gar keine Lust mehr, nach Wijk aan Zee zu fahren?! Bitte keine voreiligen Schlüsse! Sie haben diesen wunderbaren Trödelmarkt noch nicht gesehen, der an fixen Terminen die „Dorpsweide“ mit Leben füllt. Sie haben noch gar nicht ausprobiert, wie toll man von Wijk aan Zee aus mit dem Pkw, dem Bus oder dem Zug eine Tages nach Harlem, Alkmar oder Amsterdam machen und abends wieder in die frische Küstenluft zurückkehren kann.

Und Sie kennen nicht Miranda und Helger, in deren kleiner FeWo an der Bootshuisplein der Verfasser samt Familie logierte. Richtig töfte die beiden! Er arbeitet übrigens im Stahlwerk hinter den Dünen – da schließt sich der Kreis. Sie müssen diese netten Menschen kennenlernen! Also, lassen Sie sich nicht schrecken vom Ruhrpottambiente der Gemeinde. Fahren Sie einfach hin – ob als Schützenfestflüchtling oder Geburtstagsvermeider. Sie werden recht zufrieden sein.

Fotos: Inge, Moritz, Felix und der Verfasser

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