Energiewende: „Zu viel nach Stimmung, zu wenig rational“

Sachdiskussion bei der CDU (von links): Peter Daniels, Udo Sieverding, Norbert Neß, Thomas Kemper und Herbert Reul
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Eben noch Wahlkampf, jetzt ernste Sachpolitik. Blitzschnell hatte die CDU-Hamminkeln am Donnerstagabend den Hebel umgelegt. Gerade war Vorsitzender Norbert Neß als Landtagskandidat nominiert worden. Eine halbe Stunde später moderierte er den Diskussionsabend der Partei zur Energiepolitik.

„Gutes Timing“ attestierte der Vordermann seiner eigenen Veranstaltung – und zitierte von der ZDF-Homepage: „Strom, Heizkosten, Benzin – die Preise explodieren und viele Verbraucher fragen sich, wie sie diese Grundbedürfnisse noch bezahlen sollen.“ Der Fernsehsender bewarb allerdings nicht den CDU-Treff in der Loikumer Bürgerhalle, sondern pries die eigene Talkshow am gleichen Abend mit Maybrit Illner an.

Schon zwei Stunden vor Sendebeginn hatte CDU-Energiepolitiker Herbert Reul in der mit weit über 100 Interessierten vollbesetzten Bürgerhalle die Folgen und Auswirkungen beschrieben. In seinem lebhaften Vortrag skizzierte der Europaabgeordnete, wie „der gigantische Bedarf nach Energie“ angesichts eines „überschaubaren Reservoirs“ gedeckt werden müsse. Sein Rezept: „Wir müssen alle Energiepotenziale erschließen.“ Von höchster Bedeutung seien neben der Klimafrage „günstige Preise“ – nicht nur für Verbraucher, sondern auch für die Industrie. „Wir dürfen nicht nur sagen: »Wir retten das Abendland!«, sondern auch: »Was kostet die ganze Veranstaltung?«“

Anhand konkreter Zahlen verdeutlichte Reul die Überförderung: In Deutschland werde 22-mal so viel staatliches Geld für Sonnenenergie ausgegeben wie in Italien. Investiert werden müsse vor allem in Leitungen und Speichertechnologien. Der Bedarf für Überlandleitungen in Deutschland betrage fast 4.000 Kilometer neuer Strecke. Jedoch: „In den letzten fünf Jahren wurden 90 Kilometer geschafft.“

Der Energiehunger müsse in einer „europäischen Lösung“ gestillt werden. „Bei uns in Deutschland wird Energiepolitik zu viel nach Stimmung und zu wenig rational gemacht.“

Dass immer mehr Menschen eine „andere Energieversorgung“ wollen, unterstrich Thomas Kemper, Generalbevollmächtiger der Düsseldorfer Stadtwerke AG. Der Energiemanager verhieß vor allem der Photovoltaik enorme Wachstumspotenziale: Die Anschaffungskosten würden geringer, der Strom billiger als aus fossiler Energie. Sein Fazit: „Aus Konsumenten werden zunehmend Produzenten.“

Den Ball nahm Udo Sieverding von der Verbraucherzentrale NRW gerne auf: „Die Energiewende wird auch in den Köpfen der Verbraucher entschieden.“ Hilfreich sei es daher nicht, wenn der Strompreis zwar mit Begründung Fukushima-Folgen weiter ansteige. „Seit Juni 2011 wird von den Konzernen kein zusätzlicher Euro für die Energiewende ausgegeben.“ Plastisch illustrierte er den Effekt der Sonnenenergie: Am Veranstaltungstag schien die Sonne von morgens bis abends: „Zehnmal mehr so viel Sonnenleistung wie ein einziges Atomkraftwerk.“

Für den Dingdener Landwirt Peter Daniels hat der Einstieg in erneuerbare Energien vor allem praktische Aspekte: Beim geplanten Windpark Hohe Heide wolle er als Nachbar von der neuen Wertschöpfung profitieren. Akzeptanz für sein Vorhaben sei möglich: „Es geht nur gemeinsam.“

Autor:

Norbert Neß aus Hamminkeln

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