Unwissenheit kann Ängste schüren - Flüchtlingsunterkünfte in Hamminkeln

v.l.n.r.: Josefa Sonders (Ringenberg), Roswitha Kellersohn, Günter Crefeld
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  • hochgeladen von Jutta Kiefer

Die Stadt Hamminkeln wolle bei der Flüchtlingsaufnahme neue Wege gehen, weg von der Zentralisierung, Unterbringung in möglichst kleinen Einheiten, zum Wohle der Flüchtlinge „und auch, um in der Bevölkerung größere Toleranz zu erreichen“ erklärte heue Morgen Günter Crefeld, der in Hamminkeln Flüchtlingen ehrenamtlich Deutschunterricht erteilt. Gemeinsam mit Roswitha Kellersohn und Josefa Sonders, beide seit fast 30 Jahren in der Flüchtlingshilfe tätig, wollen aufklären über die momentan prekäre Flüchtlingssituation.

Stein des Anstoßes war eine besorgte Nachbarschaftsinitiative im Neubaugebiet hinterm Hallenbad. Die Initiative wollte über ein geplantes Containerdorf auf dem Sportplatz informieren, Unterschriften sammeln und versuchen, dem Geplanten entgegenzusteuern. Ob mit Aussicht, war von Anfang an dahingestellt. Zu groß war die Enttäuschung über das Vorgehen der Politiker, die immer die sie Gewählten vor vollendete Tatsachen stellten.

Erfahren habe man das geplante Projekt nur durch die Tagespresse am Wochenende. Die Flüchtlingshelfer gaben zu, dass da eventuell durch die Politik einiges hätte anders gemacht werden können, aber man dürfe auch nicht die Brisanz und den Zeitdruck der Flüchtlingsunterbringung außer Acht lassen.

Im Neubaugebiet geplant sei ein Containerblock am Rande des Sportplatzes zwischen Zaun und Parkstraße, in Massivbauweise, für bis zu 34 Personen, zirka 6 X 25 Meter. Die Bewohner des Neubaugebietes hatten anderslautende Informationen. Herr Crefeld räumt ein, dass darüber informiert werden müsse, nur so könne man den verängstigten Menschen Brücken bauen. Er will den Spieß umdrehen und die für heute ursprünglich anberaumte Versammlung der Nachbarn am Spielplatz in den Gemeindesaal an der Marktstraße 5 verlegen. Dort soll über das Vorhaben am Sportplatz informiert werden, um somit Ängste und auch Ressentiments abzubauen.

Von Ängsten war auch die Rede bei einigen der ursprünglich angesprochenen Nachbarn. Sie ließen bei Herrn Crefeld telefonisch durchblicken, dass sie sich von den eigenen Nachbarn unter Druck gesetzt fühlten, befürchteten Repressalien, falls sie nicht unterschreiben wollten. Auch sowas sollte nicht sein, vielleicht auch nur ein Missverständnis beziehungsweise Unwissenheit, die durch Kommunikation aus der Welt geschafft werden könnte.

Josefa Sonders aus Ringenberg will aus ihrer langjährigen Arbeit mit Flüchtlingen berichten, aus eigener Erfahrung, wie sie sagt, „denn das ist unsere einzige Chance.“ Sie will von ehemaligen Flüchtlingen berichten, „die sich inzwischen in Hamminkeln sowas von integriert haben“.

Der Dialog der Politik mit der Bevölkerung war schlecht, den Dialog zu suchen hätte man früher machen sollen, wird eingeräumt, doch inzwischen sei Bewegung reingekommen. Auch hätten die Flüchtlingshelfer bei Standortüberlegungen eine Bürgerinformation angeregt. Ihrer Meinung nach müssten Modelle vorgestellt werden und dann in die entsprechenden Ausschüsse mit Bürgerbeteiligung gehen. Und letztendlich liege die Entscheidung beim Rat der Stadt.

Infoabend um 18 Uhr!

Für den um 18 Uhr im Gemeindesaal stattfindenden Informations- und Diskussionsabend hält Herr Crefeld ein dickes Ass im Ärmel: „Wir sind keine Politiker, das ist ein riesiger Vorteil, weil die Leute den Politikern nicht mehr glauben, vielleicht glauben sie uns eher.“

Das kann gut ausgehen, denn die Nachbarschaftsinitiative im Neubaugebiet ist ebenfalls eine Gruppe von Menschen, die sich engagiert, politisch interessiert ist und die vor allem keine Nazis oder Fremdenhasser seien, wie sie leider im Internet und auf der Straße bereits tituliert worden seien.

Zur Besprechung heute Abend sollen sich bereits Herrschaften der Lokalpolitik angemeldet haben.

Autor:

Jutta Kiefer aus Wesel

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