Braucht "Big Boss Blatter" bessere Beratung?

Für diese Wege gibt es noch keine zuverlässigen Navis.
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  • Für diese Wege gibt es noch keine zuverlässigen Navis.
  • Foto: Gerd Altmann / pixelio.de
  • hochgeladen von Theo Grunden

Er hätte sich doch auf sein Gebiet, den Fußball (meinetwegen einschließlich seiner unvermeidbaren pekuniären Peripherie) beschränken können, dieser Joseph „Sepp“ Blatter, wenn er denn seiner Bestimmungslust und Lenkungsleidenschaft frönen wollte.

Aber das, was er damals vorhatte, während der Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland, war der Gipfel der Selbstüberschätzung. Ein Gipfel, gegen den sich der des Matterhorns (s. Bild 4) recht bescheiden ausnimmt.

Hätte dieser reformfreudige und innovative Ich-regel'-das-schon-Typ einen weltweiten Wettbewerb zur „Optimierung der Feminität von Sportkleidung weiblicher Fußballmannschaften“ ausgeschrieben, die Auslagerung des Elfmeterpunktes aus dem Strafraum zur Diskussion gestellt, mehr Eckfähnchen gefordert (z. B. sechs statt vier), über Lärmschutzmaßnahmen bei Schiedsrichterpfeifen laut(!) nachgedacht oder gar die Quadratur des Anstoßkreises gefordert: all das wäre ja innerhalb der (seiner) Fußballwelt geblieben. Bei der war man ja schon irgendwie darin geübt, sich gelegentlich an den Kopf fassen zu müssen (zumindest als Außenstehender).

Aber nein, Herr Blatter wagte sich mit einer Forderung weit über seine Zuständigkeit hinaus. Alle Medien in Deutschland sollten während der WM 2006 im eigenen Land ausschließlich die Schweizer Schreibweise „Fussball“ verwenden, und das anstelle der in Deutschland (seit „Dudens Oberligazeiten“) einzig richtigen Schreibweise „Fußball“.

Obwohl einige Anstalten schon Anstalten machten, ihm diese Gefälligkeit zu erweisen, kam er letztlich damit nicht durch; denn es gab dann doch noch Verantwortliche, die neben diesem Sport auch ihre Kultur schätzten, und die diesen arroganten Schwachsinn als das erkannten und zurückwiesen, was er war: arroganter Schwachsinn. Lieber Herr B., Sie können doch nicht allen Ernstes dem Volk der Dichter und Denker mal so eben vorschreiben, wie es nachzuschreiben hat; dafür hat es doch schon längst seine eigenen Inkompetenzstellen, wie z. B. die deutsche Kultusministerkonferenz. Nun gut, es blieb ein an Gescheiteren gescheiterter Versuch einer „fremdfederführenden Tätigkeit“.

Allerdings sieht es ganz so aus, als habe Herr Blatter dem hochgelobten Ausrichterland damit einen „Folgeschaden“ in Form einer „Spaltung des schreibenden Volkes“ hinterlassen; denn selbst beste Freunde und eingefleischte Fans dieser Sportart wissen oft nicht mehr, wie man sie richtig schreibt. (Dagegen dürfte die Anzahl derjenigen, die „Abseits“ richtig erklären können, noch relativ groß sein.)

Und was war nach der damaligen WM das erste Bestreben sich anbiedernder deutscher Politiker? Diesem Herrn Blatter das Bundesverdienstkreuz zu verleihen. Nun diskutiert man darüber, ob man's ihm wieder wegnehmen soll. Ich finde, man könnte ihm ja, falls es dazu kommt, wenigstens das „Nebenverdienstkreuz“ zuerkennen.

Bildquellen (in der Reihenfolge der Bilder):
Gerd Altmann, S. Hofschlaeger, Karin Schmidt, Katharina Wieland Müller
(alle pixelio.de)

Autor:

Theo Grunden aus Hamminkeln

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