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Briefzusteller unterschlägt und öffnet Briefe – 8 Monate Gefängnis

Ein 24 Jahre alter Hattinger wurde jetzt wegen Verletzung des Postgeheimnisses zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von acht Monaten ohne Bewährung verurteilt.

Aufgeflogen war die Tat, als ein Hausverwalter eine Wohnung besichtigte, in der der Angeklagte gewohnt hatte. „In acht Monaten Mietdauer war die Miete für diese Wohnung nur einmal gezahlt worden und die Wohnung wurde im Vandalismus zurückgelassen“, sagte der Hausverwalter vor Gericht aus.

In einer Abstellkammer dieser Wohnung fand er eine Postkiste mit nicht zugestellten Briefen, die teilweise geöffnet waren. Er brachte seinen Fund umgehend zur Polizei. Die Ermittlungen nahmen ihren Lauf.

Die Staatsanwaltschaft klagte den 24-Jährigen jetzt an, 38 ihm im Zeitraum Februar bis November 2018 zur Zustellung anvertraute Briefe unterschlagen und teilweise geöffnet zu haben. Er hatte als Postzusteller eines privaten Postunternehmens, welches auch in Hattingen ein Depot unterhält und überwiegend Geschäftspost zustellt, gearbeitet.

Der Angeklagte erzählte dem Gericht eine andere Version. Er will seinem Freund, der ebenfalls bei dem privaten Postunternehmen arbeitete, oft geholfen haben, wenn dieser bei der Zustellung die Briefmengen in dessen Zustellbezirk nicht alleine bewältigen konnte. Als Freundschaftsdienst will er dann einmal dessen Postkiste mit nicht zugestellten und teils geöffneten Briefen „nur aufbewahrt“ haben, weil sein Freund in dessen Wohnung dazu keine Gelegenheit gehabt haben will.

Dieser Freund bestritt vehement diese Aussage des Angeklagten. Die Leiterin des Hattinger Briefdepots schilderte ergänzend, dass der vom Angeklagten beschuldigte Freund seine Briefe, die er nicht zustellen konnte, ordnungsgemäß im Hattinger Zustelldepot zurückgegeben habe.

Staatsanwaltschaft prüft Aufnahme eines Ermittlungsverfahrens
Der Bruder des Angeklagten unterstützte mit seiner Aussage dann wiederum die Version des Angeklagten. Er will gesehen haben, dass der besagte Freund des Angeklagten, Briefe, auf deren Zustellung dieser keine Lust mehr hatte, geöffnet und dann in einen Abfalleimer einer Bushaltestelle im Hattinger Stadtgebiet geworfen habe. Diese Aussage führte bei der Staatsanwaltschaft Essen nach der Hauptverhandlung zu der Prüfung, ob der Anfangsverdacht einer Straftat bzw. einer Falschaussage besteht und ob ein Ermittlungsverfahren eingeleitet wird.

Nun steht der Angeklagte noch unter Bewährung und ist auch schon mehrmals mit dem Gesetz in Konflikt gekommen. Die Bewährungshelferin schilderte eine "schwierige familiäre und finanzielle Situation" beim arbeitssuchenden Angeklagten, die eine externe Unterstützung erforderlich mache.

Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft plädierte dann am Ende der Beweisaufnahme dafür, unter Einbeziehung einer noch offenen Strafe des Amtsgerichtes Essen eine neue Gesamtstrafe von acht Monaten Gefängnis ohne Bewährung gegen den Angeklagten auszusprechen, da eine günstige Sozialprognose nicht zu erkennen sei.

Rechtsanwalt Steffen kündigt schon Rechtsmittel an
Das sah Strafverteidiger Rechtsanwalt Steffen anders. Gerade aufgrund der angespannten familiären Situation des Angeklagten und als Ergebnis der Beweisaufnahme sah er die Ableistung von Sozialstunden für seinen arbeitssuchenden Mandanten möglich und plädierte an das Gericht, für die nicht zulässige Aufbewahrung der nicht zugestellten Briefe eine milde Strafe auszusprechen.

Richter Kimmeskamp verkündete dann aber eine Gesamtstrafe von acht Monaten ohne Bewährung für den Angeklagten zuzüglich der Kosten des Verfahrens. Er sah es als erwiesen an, dass der bereits wegen verschiedener Delikte vorbestrafte Hattinger das Postgeheimnis verletzt und Postsendungen unterdrückt habe. Der Strafrichter bewertete die Aussagen der Zeugen teilweise als Gefälligkeitsaussagen.

Rechtsanwalt Steffen kündigte bereits nach dem Urteilsspruch an, gegen das Urteil im Namen seines Mandanten Rechtsmittel einzulegen.

Die Polizei sorgte übrigens dafür, dass die unterschlagenen Briefe an die Empfänger verspätet zugestellt wurden.

Autor:

Hans-Georg Höffken aus Sprockhövel

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