Landgericht
Sprockhövelerin nimmt Entschuldigung vom Rewe-Räuber nicht an

Der 19 Jahre alte Haupttäter, zur Zeit in Haft, der drei Überfälle auf Rewe-Märkte gestanden, seine Mittäter aber bisher nicht genannt hat.
  • Der 19 Jahre alte Haupttäter, zur Zeit in Haft, der drei Überfälle auf Rewe-Märkte gestanden, seine Mittäter aber bisher nicht genannt hat.
  • hochgeladen von Hans-Georg Höffken

Am zweiten Hauptverhandlungstag des Rewe-Räuber-Prozesses im Landgericht Hagen waren auch Mitarbeiter, Kunden und Polizeibeamte geladen, die Opfer des Raubüberfalles auf den Rewe-Markt in Niedersprockhövel waren bzw. die Ermittlungen nach dem Überfall durchgeführt hatten.

Zur Erinnerung: Vor der ersten großen Jugendstrafkammer beim Landgericht Hagen haben sich ein 19-jähriger und ein 21-jähriger, beide aus Ennepetal, zu verantworten. Der 19-jährige hat gestanden, Rewe-Märkte in Niedersprockhövel, Breckerfeld und Wetter überfallen und mit dem Mitangeklagten einen weiteren Überfall in Lüdenscheid geplant und vorbereitet zu haben. Dem 21-jährigen Mitangeklagten wird dabei nur die Mittäterschaft zur Vorbereitung für einen geplanten Überfall in Lüdenscheid zur Last gelegt.

Sieben Verhandlungstage, wie ursprünglich angesetzt, wird die Erste Große Jugendstrafkammer bis zum Urteilsspruch nicht benötigen. Von den insgesamt 35 geladenen Zeugen der drei durchgeführten Raubüberfälle in Niedersprockhövel, Breckerfeld und Wetter und des einen geplanten Raubüberfalles in Lüdenscheid wurden heute am zweiten Hauptverhandlungstag 15 Zeugen wieder ausgeladen.

Der 19jährige Angeklagte hatte bereits am ersten Verhandlungstag nach einem nicht öffentlichen Rechtsgespräch der Prozessparteien plötzlich gestanden, die drei Überfälle mit bis heute unbekannten Komplizen auf Rewe-Märkte durchgeführt und mit dem weiteren 21-jährigen Mitangeklagten einen Raubüberfall vorbereitet zu haben. Ein Sondereinsatzkommando der Polizei machte dann unmittelbar vor der Tat in Lüdenscheid dem Spuk ein Ende.

Tränen im Gerichtssaal – Entschuldigung nicht angenommen
Details des Überfalles auf den Rewe-Markt in Niedersprockhövel wurden heute erörtert. Bei ihrer Anhörung vor Gericht, als alle fast verblassten Erinnerungen des erlebten Raubüberfalles wieder zurückkamen, brach die 41-jährige Rewe-Mitarbeiterin im Gerichtssaal in Tränen aus. Nach kurzer Unterbrechung schilderte sie dann den Richtern der Strafkammer ihre Überfall-Erlebnisse.

Die Brutalität der Täter beim Überfall am 11.5.2018 in Niedersprockhövel war erschreckend. „Bisher dachte ich, Sprockhövel ist ein kleines Dorf, was soll da passieren“, sagte sie. Während sie am Tattag kurz vor Ladenschluss noch eine Kasse abrechnete, wurde es plötzlich laut und dann trat ein bis heute unbekannter Täter die Tür zu ihrem Büro im Rewe-Markt ein, beleidigte und forderte sie auf, den Tresor zu öffnen und Geld herauszugeben. Dieser Täter hielt ihr eine Waffe an den Kopf und drückte mehrmals ab, obwohl sich dabei kein Schuss löste. Es handelte sich, wie sich später herausstellte, um eine täuschend nachgemachte Pistolen-Attrappe.

Beute wurde geteilt
Der 19-jährige Angeklagte gestand, als zweiter Täter während des Überfalles am 11.5.2018 vor dem Rewe-Markt Mitarbeiter und Kunden, die sich auf den Boden legen mussten, mit einer Waffe bedroht zu haben. Die Beute aus allen Überfällen wurde zwischen uns geteilt, sagte der 19-jährige aus.

Die Überfallerlebnisse erforderten eine psychologische Nachbetreuung bei einigen Überfallopfern. Die frühere Rewe-Mitarbeiterin aus Sprockhövel hat inzwischen auch den Beruf gewechselt, in der Hoffnung, nicht noch einmal Opfer solch eines Raubüberfalles zu werden.

Als sich am Ende der Anhörung der 19jährige Haupttäter dieses Strafprozesses bei der früheren Rewe-Mitarbeiterin entschuldigen wollte, nahm diese die Entschuldigung wegen der Überfallserie und der erlebten Brutalität nicht an.

Ein weiterer Rewe-Mitarbeiter und zwei Kunden aus Sprockhövel, die sich beim Überfall auf den Boden legen mussten und teilweise getreten wurden, waren im Landgericht Hagen als Zeugen geladen, wurden aber nicht mehr angehört und konnten wieder nach Hause fahren.

Die Ermittlungen der Polizei wurden bereits nach dem ersten Rewe-Überfall im Januar 2018 mit Nachdruck geführt. Dennoch konnte erst am 10. August 2018 in Lüdenscheid die Festnahme zweier Täter erfolgen.

Zugriff des Sondereinsatzkommandos
Ein mobiles Einsatzkommando (MEK) observierte seit einiger Zeit bereits Täter und Fahrzeug. Aufgrund der eingeschätzten Gefährlichkeit der Tatverdächtigen und ihrer Waffen begleitete, so ein Polizeibeamter, auch ein Sondereinsatzkommando (SEK) die MEK Observationskräfte.

Bei dem dann erfolgten Zugriff der Spezialkräfte unmittelbar vor dem vierten Überfall wurde das Täterfahrzeug „entglast“ und die zwei Insassen blitzschnell überwältigt. Einer der Angeklagten, der 21-jährige aus Ennepetal, der nach seinen Angaben erstmals dabei war und die Vorbereitungen zum Überfall unterstützt hatte, wurde bei dem "wirkungsvollen" Zugriff der Spezialkräfte verletzt, drohte zu kollabieren und musste im RTW behandelt werden.

„Er war nach dem SEK-Zugriff kein typischer Räuber mehr, eher ein Häufchen Elend“, sagte ein Polizeibeamter als Zeuge und ergänzte, dass der 19-Jährige Angeklagte auch nach dem SEK-Zugriff relativ ruhig und ausgeglichen war.

Weitere Haupttäter immer noch nicht ermittelt
Bis heute sind jedoch zwei weitere Haupttäter nicht ermittelt. Die Angeklagten haben ihre Komplizen bisher nicht genannt. Zum aktuellen Stand zur Verhinderung weiterer Raubüberfälle auf Rewe-Märkte durch die bis heute noch unbekannten restlichen Täter wollte Staatsanwalt Jörn Esken dem STADTSPIEGEL aus ermittlungstaktischen Gründen keine Auskunft geben.

Am 21. Februar 2019 wird die Hauptverhandlung mit dem Bericht der Jugendgerichtshilfe und Darstellung der Lebensläufe der beiden Angeklagten fortgesetzt. Mit einer Urteilsverkündung ist am 22.2.2019 zu rechnen.

Der STADTSPIEGEL berichtet weiterhin.

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