Ein hängendes Weiltor am Eingang zur City

Das "neue Weiltor" vom "Inoffiziellen zweiten Hattinger Verschönerungsverein" am Montagmittag am Schnittpunkt von Bahnhofstraße und Großer Weilstraße.   Foto: Römer
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  • Das "neue Weiltor" vom "Inoffiziellen zweiten Hattinger Verschönerungsverein" am Montagmittag am Schnittpunkt von Bahnhofstraße und Großer Weilstraße. Foto: Römer
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Montagmorgen war es und viele Hattinger, die es von der Bahnhofstraße aus in die Große Weilstraße zog, rieben sich verdutzt die Augen: Was ist das denn für ein roter „Vorhang“, der dort exakt zwischen Großer Weilstraße und Bahnhofstraße herabhängt? Die Antwort: eine weitere Kunst-Aktion des „Inoffiziellen zweiten Hattinger Verschönerungsvereins“.

Bereits in der Vergangenheit hatte der Verein um seinen „Präsidenten“ Holger Vockert von sich reden gemacht. Erinnert sei nur an die spektakuläre Aktion am Horkenstein, der durch eine darauf gefesselte Plastikfigur zum sagenhaften Opferstein am Parkplatz Reschop mutierte.
Und jetzt also das Stadttor Nr. 5, das Weiltor. Nach dem Steinhagentor von Voré, dem Heggertor ,Der Wächter‘ von Jan Koblasa, dem Holschentor ,Engel ante portas‘ von Urs Dickerhoff und dem Bruchtor ,La Porta Aperta‘ von Marcello Morandini harrt es bekanntlich seiner Umsetzung.
Wie der STADTSPIEGEL ausführlich berichtet, war erst in diesem Frühjahr der dafür angedachte Entwurf des Spaniers Agusti Roqué durch die Sparkassen-Stiftung Kunst, Kultur und Denkmalpflege, welche Umsetzung und Finanzierung übernehmen wird, wegen allein schon technisch an diesem Ort nicht stimmiger Voraussetzungen verworfen worden.
Jetzt sprang der „Inoffizielle zweite Hattinger Verschönerungsverein“ in die hinterlassene Lücke. Holger Vockert, der dieses Projekt gemeinsam umsetzte mit dem Hattinger Thomas Weiser, im Gespräch mit dem STADTSPIEGEL. „Dies ist eine vollkommen eigenständige Kunstaktion. Sie soll den Umsetzungsprozess neu anregen und dynamisieren. Denn grundsätzlich ist in der Bürgerschaft doch der Umgang mit diesem eigentlich schönen Stadttor-Projekt schlecht beleumundet. Allen ist natürlich klar, dass unsere Version des Stadttores nicht die endgültige Version ist, die auch uns vorschwebt.“

Das neue Weiltor ein "Übergangstor"

Das „Überangstor“ besteht aus fünf Millimeter dicker Perlon-Flechtschnur. Der „Vorhang“ ist 14 Meter breit und sieben Meter hoch. Befestigt ist er an den alten Haken der Straßenbahn-Oberleitung, an denen auch die Weihnachtsbeleuchtung jedes Jahr aufgehängt wird.
Holger Vockert: „Wir haben für dieses Projekt weder etwas beschädigt, noch sind der Stadt Hattingen dadurch Kosten entstanden. Unser Tor-Projekt ist bezahlt aus der Bürgerschaft. Wir haben uns dafür 30 Leute aller Bevölkerungsschichten dafür gesucht, die das Projekt grundsätzlich in Ordnung finden und auch unseren Grundgedanken mittragen. Darunter befinden sich übrigens auch Mitglieder des Stadtrates.“

"Wir wollten einen Impuls geben"

Für den „Inoffiziellen zweiten Hattinger Verschönerungsverein“ sei die Umsetzung aller ehemaligen fünf Hattinger Stadttore das erste und einzige Hattinger Kunstprojekt, das überhaupt realisiert worden sei, wie Holger Vockert unterstreicht: „Angeschoben wurde es durch die Hattinger Architektenfamilie Rauh. Ich habe dieser Tage noch mit Wolf-Dirk Rauh gesprochen, der mittlerweile in Berlin lebt. Wir sind uns einig, dass dieses Projekt in Hattingen weit unter Wert verfrühstückt wird. Wir hoffen, durch unseren Anstoß mit dem roten Weiltor-Vorhang, dass die Diskussion darüber wieder neu angestoßen wird. Und es muss endlich ein eigenständiger Entwurf für das Weiltor her. Denn alle bislang umgesetzten Stadttore in Hattingen waren eigentlich ursprünglich für den Steinhagen konzipiert. Wir sind der Überzeugung: Entweder man hält sich ans Projekt oder man lässt es ganz. Es hat seit 200 Jahren dort kein Stadttor gegeben. Uns geht es nicht ums mal eben schnell Fertigmachen. Wir wollten einen Impuls geben.“
Resonanz jeglicher Art beim Aufhängen des Weiltores durch diese – nicht anonyme – „Anarcho-Aktion“ gab es bereits durch Passanten am frühen Samstagabend.
Was es nicht gab, ist eine Genehmigung durch die Stadt, wie Holger Vockert zugibt: „So ein provokantes Projekt ist praktisch nicht genehmigungsfähig. Aber ich habe unsere Bürgermeisterin vorab davon per E-Mail in Kenntnis gesetzt. Auch Auskünfte von Polizisten und ehrenamtlichen Feuerwehrleuten habe ich mir geholt wegen der Durchfahrthöhe und so – allerdings keinen offiziellen Stempel. Jeder kann über unser Projekt nachlesen an der Infotafel zum Weiltorplatz. Da stehen auch unsere Namen vermerkt. Wir haben ja nichts zu verbergen.“

Und HIER ein Link zum Filmbeitrag von Claus Jürgen Barteczko für Ruhrkanal TV vom Aufbau des Weiltores durch den "Inoffiziellen zweiten Hattinger Verschönerungsverein"!

Autor:

Roland Römer aus Hattingen

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