Eine Schatzkiste voller Erinnerungen für die Nachwelt

Bürgermeisterin Dr. Dagmar Goch erhielt im Rathaus von Gerhard Wojahn (links) und Wilfried Ruthmann eine Kiste mit 18 Filmen aus, von und über Hattingen auf DVD und zehn Dia-Vorträgen über die Wandlung des Stadtbildes von Hattingen während der letzten 100 Jahre. Die historisch wertvollen Stücke werden im Stadtarchiv aufbewahrt werden.  Foto: Römer
  • Bürgermeisterin Dr. Dagmar Goch erhielt im Rathaus von Gerhard Wojahn (links) und Wilfried Ruthmann eine Kiste mit 18 Filmen aus, von und über Hattingen auf DVD und zehn Dia-Vorträgen über die Wandlung des Stadtbildes von Hattingen während der letzten 100 Jahre. Die historisch wertvollen Stücke werden im Stadtarchiv aufbewahrt werden. Foto: Römer
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Eine große Schar heimatkundlich interessierter Bürger, der Heimatverein Hattingen und an der Spitze Bürgermeisterin Dr. Dagmar Goch gaben sich die Ehre, als die beiden Heimatfreunde Gerhard Wojahn und Wilfried Ruthmann wahre Schätze für die Nachwelt an das Stadtarchiv übergaben.

18 Filme oder Beiträge über Hattingen, an denen Wilfried Ruthmann maßgeblich beteiligt war, wurden in vielen Monaten von ihnen zusammengetragen und auf DVD gebrannt. Hinzu kommen die beliebten Dia-Vorträge von Gerhard Wojahn – immerhin auch zehn an der Zahl, die allerdings nur am Computer anzugucken sind.
Oder eben im Stadtarchiv. Stadtarchivar Thomas Weiß, der momentan mit seinem Archiv von Welper in die ehemalige Grundschule Rauendahl umzieht (der STADTSPIEGEL berichtete ausführlich): „Bis zum 2. September sind wir wegen des Umzugs ja nicht zu erreichen. Aber danach können sowohl Filme als auch Dia-Vorträge in unserem Archiv am Laptop angesehen werden.“
Ob ein späteres Ausleihen der heimatgeschichtlich hochinteressanten Beiträge etwa in der Stadtbibliothek für beispielsweise eine spannende Unterrichtseinheit über den Wandel einer Stadt über nahezu 100 Jahre möglich sein wird, konnten auf STADTSPIEGEL-Nachfrage weder die Bürgermeisterin noch Pressesprecher Thomas Griesohn-Pflieger auf Anhieb beantworten. Dazu seien erst noch urheberrechtliche Fragen zu klären.
Einen Sponsor für dann zu ziehende Kopien für die Ausleihe hätte die Stadt jedenfalls bereits: Udo Schnieders, Marketingleiter der Sparkasse, erklärte sich spontan zur Finanzierung bereit.
„Hattinger Geschichte bewegt und macht die Hattinger stolz. Diese Schätze, die wir dank Herrn Ruthmann und Herrn Wojahn erhalten haben, werden wir im Stadtarchiv aufbewahren“, meinte die Bürgermeisterin und ergänzte, dass beide außerdem noch Zeitzeugen seien.
Anschließend gab es für Wilfried Ruthmann und Gerhard Wojahn jeweils eine offizielle Dankesurkunde der Stadt sowie einen Blumenstrauß in den Stadtfarben.
Wilfried Ruthmann (Jahrgang 1925), geboren in der Bruchstraße, hat sich in vielerlei Hinsicht heimatgeschichtlich hervorgetan. So baute er nach dem Krieg den Heimatverein neu mit auf, dessen Ehrenmitglied er ist, war Denkmalschützer der Stadt, veröffentlichte viele Bildbände und Filme über Hattingen und holte immer wieder Film-Teams, welche über die Schönheit der Stadt berichteten. Er ist Träger des Bundesverdienstkreuzes sowie des CDU-Kulturpreises, bekam die Ehrenamtsurkun­de der Sparkasse, wurde Ehrentreidler und seit seinem zehnten Lebensjahr fotografiert er Hattingen.
Unter den 18 Filmen, die er auf DVD gebrannt hat, befinden sich beispielsweise „Hattingen, eine sehenswerte Stadt an der Ruhr“, „Hattingen und seine vier Wirtschaftsepochen“, eine Zusammenstellung von TV-Übertragungen von und aus Hattingen – also auch mit Rudi Carrell und dem Ur-Ensemble vom „Starlight Express“ am Untermarkt – sowie über den Hüttenkampf und die Stilllegung der Henrichshütte, vom Treidelfest anno 1988 oder über die Seilwerke Puth und den Festumzug vom Stadtjubiläum 1996.
Bei Gerhard Wojahn (Jahrgang 1928), geboren in „Klein-Langenberg“, begann alles mit dem Erwerb von drei alten Ansichtskarten (aus den Jahren 1900 bis 1920) im Alter von neun Jahren für 30 Reichspfennig im Schreibwarengeschäft Ringel an der Großen Weilstraße 12. Sie zeigen Klein Langenberg und die Große Weilstraße. Später wurde er Postbote in der Altstadt und 1952 kaufte er sich einen Fotoapparat, mit dem seine Bildersammlung von Hattingen rapide anstieg.
Das war der Grundstock von zehn Dia-Vorträgen über die Altstadt, deren Umgebung und Wohnviertel, die es heute nicht mehr gibt, von Welper, Blankenstein, der Ruhr, dem Hügelland, Elfringhausen und den Bergen um Hattingen herum.
Gerhard Wojahn: „Meine Bilder und Geschichten sind gesammelte Dokumente, Rückblicke auf die alten Zeiten der Stadt Hattingen und auf den Wandel des Stadtbilds. Sie lassen Gegenwart und Vergangenheit unseres Ortsgeschehens zusammenrücken und bilden eine Brücke vom Damals zum Heute. Ich halte es für einen Lebensschatz, wenn solche Erinnerungen nicht verloren gehen, sondern so wieder lebendig werden. Bald kommt der Moment, an dem es Zeitzeugen nicht mehr gibt.“

Autor:

Roland Römer aus Hattingen

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