Neuer Roman des Hattinger Schriftstellers Hellmut Lemmer über die Nachkriegszeit erschienen
Hattingen: "Herzkartoffel" macht Appetit

Hellmut Lemmer an seinem Schreibtisch und mit einem Exemplar seines neuen Romans "Herzkartoffel", das in diesen Tagen erschienen und im Buchhandel zu bekommen ist. Foto: Groß
  • Hellmut Lemmer an seinem Schreibtisch und mit einem Exemplar seines neuen Romans "Herzkartoffel", das in diesen Tagen erschienen und im Buchhandel zu bekommen ist. Foto: Groß
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224 Seiten, 14,90 Euro. Das sind die nüchternen Zahlen hinter dem neuen Roman des Hattinger Autors Hellmut Lemmer. „Herzkartoffel“ heißt er und ist vor wenigen Tagen erschienen im Woll Verlag Schmallenberg.

Kleines Schmankerl zum Einstieg: „Woll“ steht für Worte, Orte, Land und Leute und veröffentlicht alles - vom Roman bis hin zum Wanderführer. Hauptsache, es geht ums Sauerland.
Und da sind wir auch schon mittendrin im Thema: Warum schreibt ein Hattinger einen Roman, der im Sauerland spielt? Hellmut Lemmer gibt die ebenso einleuchtende wie simple Antwort: „Ich bin im sauerländischen Hunswinkel geboren worden und dort auch anfangs zur Schule gegangen. Von daher kann ich mich natürlich gut einfühlen in meine Geschichte.“

Hellmut Lemmer wuchs im Sauerland auf

Und die spielt, wie an dieser Stelle nicht mehr anders zu erwarten, in einem kleinen Dorf im Sauerland. „Zeitgeschichtlich ist der Roman angesiedelt in den 50er Jahren. Es geht um die Verarbeitung der Nazi-Vergangenheit und des Zweiten Weltkriegs, also um Neuanfang“, so der Autor.
Das liegt dem Heute gar nicht so fern, denn: „Rund zehn Millionen Flüchtlinge und Heimatvertriebene aus den deutschen Ostgebieten strömten nach Westdeutschland, das damit vor immens hohe Anforderungen gestellt wurde. Denn auch hier waren Städte und Infrastruktur zerstört. Daher gab es Ressentiments den Fremden gegenüber – auch wenn es Deutsche waren – genauso stark wie heute, wenn es um Flüchtlinge geht. Angst und Ablehnung entstehen damals wie heute aus dem Gedanken heraus, die nehmen uns etwas weg.“
Mit dem Inhalt des Romans beschäftigt sich Hellmut Lemmer schon lange – praktisch seit dem Band „Unter den Johannissträuchern“, der 1990 mit Gedichten und Erzählungen erschienen ist. Helmut Lemmer: „In ,Herzkartoffel‘ sind eigene reale Erlebnisse eingeflossen. Zwar ist die Geschichte fiktiv, aber meiner Meinung nach kann man nur einen Roman über Menschen schreiben, wenn man auf Erlebtes zurückgreift. Allerdings heißt mein Erzähler nicht Hellmut, sondern Heiner. Damit soll klar werden, dass es nicht um mich geht.“

"Herzkartoffel" steht für Landleben und Emotionen

Herzförmige Kartoffeln gibt es zwar, aber für den pensionierten Studiendirektor an einem Wuppertaler Gymnasium (Fächer: Germanistik und Geografie) steht die Kartoffel für das Landleben und das Herz für die Emotionen: „Das erste Kapitel heißt ebenfalls so und spielt eine entscheidende Rolle mit großen Auswirkungen auf das weitere Geschehen im Roman. Geschrieben ist er aus Sicht von Schulkindern, die die Welt der Erwachsenen genau beobachten, eine Welt, in der sie sich zurecht finden müssen. Und gerade deren Verhältnis zu den Flüchtlingen aus dem Osten ist vergleichbar zu heute. Dadurch hat das Buch eine gewisse Aktualität. Es geht um Toleranz, Menschen in Not aufzunehmen, oder sich abzukapseln. Gerade Letzteres sagt man ja den Sauerländern nach. Ein solches Klischee wird als Vorurteil im Buch dargestellt. Es gibt allerdings auch gegenteilige Beispiele wie Hilfsbereitschaft.“

Verflechtungen, Widersprüche und Andersartigkeit in einem Dorf

Im Roman wollen sich Schüler gegen ihren Lehrer mit Nazi-Vergangenheit durchsetzen. Jeder kennt jeden in dem kleinen Dorf im Sauerland, weiß um die Vergangenheit jedes Nachbarn während der Nazi-Zeit. Jeder hat mitbekommen, wer Kriegsgefangenen geholfen hat und wer nicht. Hellmut Lemmer meint, solche Verflechtungen und auch Widersprüche und Andersartigkeit ließen sich in einem kleinen Dorf besser darstellen als in einer Stadt wie Hattingen.
Neben diesem Faden, der sich durch das Buch zieht, geht es Hellmut Lemmer auch darum zu zeigen, dass die Menschen auf der Suche sind nach Liebe. Es geht um die berühmte „erste Liebe“, doch genauso um die Liebe in der Welt der Erwachsenen, ihr Verhalten in Beziehungen.
Mehr möchte der 72jährige, seit 1994 Mitglied im Verband deutscher Schriftsteller, sich nicht über den Inhalt von „Herzkartoffel“ entlocken lassen: „Es ist eine lesenswerte Geschichte aus den 50er Jahren und gleichzeitig hoch aktuell.“

Infos:
Hellmut Lemmer stellt sein Buch mit einer Lesung vor am Donnerstag, 4. April, 19 Uhr, im Stadtmuseum Hattingen zu Blankenstein.

Zu erhalten ist „Herzkartoffel“, ISBN 978-3943681918, im örtlichen Buchhandel und bei Amazon, wo auch sein erfolgreicher Vorgängerroman „Der Sand der Namib“ wieder zu bekommen ist.

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