Kalender 2018: Unsere Heimat in Wasser und Farbe

Heinz-Dieter Wallace mit einigen Werken an seinem „Malplatz“. Foto: Pielorz
  • Heinz-Dieter Wallace mit einigen Werken an seinem „Malplatz“. Foto: Pielorz
  • hochgeladen von Dr. Anja Pielorz

Sein Name verrät es noch – der Hattinger Heinz-Dieter Wallace (82) kommt, zumindest aus der Sicht seiner Vorfahren, aus Großbritannien. Er selbst wurde aber in Hattingen geboren und hat auch immer in der Stadt an der Ruhr gelebt – mit Ausnahme eines längeren Aufenthaltes in Kanada. Seine Leidenschaft gehört dem Malen und auch Hattinger Motive hat er zahlreich auf die Leinwand gebracht und jetzt zum zweiten Mal als Kalender.

„Ich male schon seit meiner Kindheit“, erzählt er. Immer habe er einen Skizzenblock dabei gehabt – so wie sein Vater übrigens auch. Skizzen, Tusche, Aquarell – es kommen verschiedene Techniken zum Einsatz. Kleine Preise bei städtischen Wettbewerben, zum Beispiel anlässlich der 600 Jahr-Feier, gab es auch. „Überwiegend sind meine Motive gegenständlicher Art“, sagt er. Klar, er habe auch mal Farbkontraste ausprobiert, doch sein Liebstes sind Landschaften und die gerne aus der Heimat. In der Regel entsteht das Bild nach einer Vorlage – aber künstlerische Freiheit darf es auch einmal sein. Hier ein klein wenig Veränderung im Blickwinkel, dort wird mal eine Mauer weggelassen, um den Blick auf das Objekt zu intensivieren. Oder es kommt schon einmal ein Baum ins Bild, der auf dem Originalfoto eben nicht da war.
Gemalt wird im heimischen Wohnzimmer. An den Wänden hängen Bilder von ihm und von seiner Frau. Die malt nämlich seit zwanzig Jahren bei Michael Görler. „Viel Platz zum Malen brauche ich nicht. Nur zwei Gläser Wasser und meine Farben“, lacht er.
2016 hatte er die Idee, für 2017 einen Kalender mit eigenen Hattinger Motiven zu gestalten. Doch es sind nicht nur die Bilder, überwiegend aus der Altstadt, die den Betrachter erfreuen. Es gibt auch Text dazu. „Ich habe früher Sporttexte geschrieben – bin durch Carl Hahn dazu gekommen, der ja auch für den STADTSPIEGEL etwas geschrieben hat“, erinnert sich Heinz-Dieter Wallace. Vom sportlichen Gedankengut geht es nun in die Historie der Kalenderbilder – oder wussten Sie beispielsweise, dass es auf dem Kirchplatz ein über 300 Jahre altes zweistöckiges Wohngebäude gibt, welches im Ennepe-Ruhr-Kreis und in NRW – und möglicherweise sogar in ganz Deutschland – das schmalste Haus mit überbautem öffentlichem Durchgang und einer Eingangsfront von 2,60 Metern Breite sowie einem Durchgangs- und Eingangsbereich von je 1,30 Meter ist? Ist übrigens die Hausnummer 7 auf dem Kirchplatz…

Schmalstes Haus mit überbautem öffentlichem Durchgang

Im Kalender gibt es auch das kleinste Fachwerkhaus Hattingens, das „Alte Zollhaus“ an der Grabenstraße zu sehen. Das Alte Rathaus darf nicht fehlen, das Bügeleisenhaus auch nicht. Einen ganz anderen Blick auf das Haus an der Bahnhofstraße 23 gibt es durch das Weglassen der Mauer vor dem Haus. Die Jugendstilvilla der Familie August Weygand (Kornbrennerei und Likörfabrik) wurde 1900 erbaut und überstand die Bombenangriffe des Zweiten Weltkriegs. Der Besitzer stellte das Haus übrigens für obdachlos gewordene Familien zur Verfügung. Auch Heinz-Dieter Wallace hat dort als Kind für kurze Zeit gelebt.
Weil der Kalender gut ankam, hat er die Bilder in anderer Aufmachung und mit veränderten Textzeilen auch für 2018 noch einmal als Kalender zusammengestellt. Bekommen kann ihn beim Künstler selbst und in einem Fotogeschäft auf der Langenberger Straße in der Hattinger Innenstadt.
Beruflich hat Wallace mit den bunten Farben übrigens nichts zu tun gehabt. Auf der Hütte hat er als kaufmännischer Angestellter gearbeitet und zwei Jahre in Kanada hat er auch gelebt. „Ja, da habe ich ganz unterschiedliche Dinge gemacht. Angefangen in der Nachtschicht bei einem Transportunternehmen; im Winter war das unglaublich kalt, da habe ich mir einen Job bei der Bank gesucht. Ich war ausgebildeter Industriekaufmann und ich erinnere mich noch an das Vorstellungsgespräch. Ich bekam Fotos mit Köpfen im Profil vorgelegt, die musste ich ergänzen, zum Beispiel mit passenden Nasen. Rechenaufgaben nach Zeit gab es natürlich auch. Ich bekam den Job in Toronto, da war ich 28 Jahre alt – ist also lange her.“
Gemalt habe er in Kanada wenig, eher Handball gespielt. „Damals wurde Handball noch auf dem Großfeld gespielt. Die Mannschaft war international und wir sind sogar mit dem Verein Kanadische Vizemeister geworden. Später, zurück in Deutschland, spielte er Tennis – bis heute übrigens.
Das Malen hat er dann in Hattingen als liebgewordenes Hobby wieder für sich entdeckt. „Wenn ich mit meinen Bildern erreiche, dass die Hattinger und ihre Gäste mal das ein oder andere aufmerksamer oder aus einer anderen Perspektive betrachten, dann habe ich mein Ziel erreicht.“

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