Kulturrucksack: Letzte Station der Religionsentdeckerreise

Die Klasse 4b der Heggerfeldschule mit Lehrerin Jennifer Heinbruch. Auch sie ging auf Religionsentdeckerreise. Zum Abschluss wurde die Klasse gemeinsam mit dem Hattinger Künstler Thomas Koch kreativ. Mit Acrylfarbe auf Leinwand konnte jeder Schüler seine Eindrücke aus den drei Religionen verewigen. Das macht die Klasse 4a auch noch.
Foto: privat
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  • Die Klasse 4b der Heggerfeldschule mit Lehrerin Jennifer Heinbruch. Auch sie ging auf Religionsentdeckerreise. Zum Abschluss wurde die Klasse gemeinsam mit dem Hattinger Künstler Thomas Koch kreativ. Mit Acrylfarbe auf Leinwand konnte jeder Schüler seine Eindrücke aus den drei Religionen verewigen. Das macht die Klasse 4a auch noch.
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(von Nina Klimke) Der STADTSPIEGEL berichtete ja bereits ausführlich über das Kulturrucksack-Projekt und die Religionsentdeckerreise der Klassen 4a und 4b der Heggerfeldschule. Jetzt endete das Projekt für die Schüler.

Die Klasse 4a hat zum letzten Mal den Kulturrucksack angeschnallt – ihr Ziel ist die Synagoge in Bochum. 2007 eröffnet, steht sie neben dem Bochum Planetarium in Sichtweite der Innenstadt und ist von Hattingen gut mit der Straßenbahn zu erreichen.
Alle sind aufgeregt, vor allem die Jungs. Denn für Männer und Jungen ist in der Synagoge eine Kopfbedeckung Pflicht. Im Gebetsraum wird eine Kippa aufgesetzt, so erweisen die Gläubigen Gott Respekt. Die Schüler also auch, sie dürfen Kappen tragen.
Staunend stehen die Schüler in dem hellen, lichtdurchfluteten und großen Gebetsraum der Synagoge. Wie in einer Kirche gibt es Bänke, in denen alle Platz nehmen. Hier sitzen, wie früher in der katholischen Kirche, Männer und Frauen getrennt. So können sich die Betenden während des Gottesdienstes besser konzentrieren.
Die Schüler schauen sich genau um und allen fällt sofort auf: Hier sind keine Bilder zu sehen. Wie die Muslime halten sich gläubige Juden an das Bilderverbot. In der evangelischen Kirche, so erinnern sich die Kinder, gab’s dagegen Wandgemälde und Fensterbilder mit Martin Luther oder dem Heiligen Georg.
Wie in der Moschee spielt in der Synagoge die Schrift eine zentrale Rolle. An den Fenstern finden sich die Namen der 12 Stammväter. Die hebräischen Buchstaben erscheinen fremd, werden wie im arabischen von rechts nach links gelesen.
Paulina Krauvitz und Elina Domnina von der Jüdischen Gemeinde erzählen, dass alle Synagogen in Richtung Jerusalem ausgerichtet sind. Das kommt den Grundschülern bekannt vor, denn wie sie in der Moschee gelernt haben, beten Muslime immer in eine Richtung, und zwar nach Mekka.
Dann zeigen die beiden Frauen den Viertklässlern die Tora, das heilige Buch der Juden. Aber die Tora ist nicht als Buch gebunden, sondern – kunstvoll verziert – auf Pergament mit Hand geschrieben und dann aufgerollt. Ein Schriftgelehrter braucht dafür 10 bis 15 Jahre und so können sich alle vorstellen, wie wertvoll so eine Schriftrolle ist.
Die Tora dürfen übrigens nur Männer aus ihrem Schrein holen und berühren. Und der Gottesdienst ist auch in hebräisch. Die Klasse stellt Paulina viele Fragen, die sie alle geduldig beantwortet.
Die jüdische Gemeinde Bochum-Herne-Hattingen hat inzwischen 1.200 Mitglieder und ist sehr aktiv. So findet sich im Haus der Synagoge eine Bibliothek, eine Versammlungsraum und ein Jugendzentrum, das am Wochenende immer von vielen Kindern besucht wird.
Nach der Führung durch die Synagoge haben die Schüler wieder Zeit zu malen, zu schreiben und zu fotografieren. Die Ergebnisse werden in das jetzt schon gut gefüllte Reisetagebuch eingeklebt.
Dann geht’s wieder nach Hattingen, die Straßenbahn wartet schon...

Info:
Der „Kulturrucksack“ ist ein Programm des Landes NRW gemeinsam mit den Kommunen und Kultureinrichtungen. Dafür stellt das Kulturministerium jährlich rund drei Millionen Euro zusätzlich zur Verfügung.

Ziel des landesweiten Vorhabens ist, allen Kindern und Jugendlichen kostenlose und deutlich kostenreduzierte kulturelle Angebote zu eröffnen.

Angebote gibt es einige: In Sprockhövel wird unter anderem ein Piratenmusical erarbeitet.

Die Projekte werden am 23. November in der Gebläsehalle präsentiert.

Die Klasse 4b der Heggerfeldschule mit Lehrerin Jennifer Heinbruch. Auch sie ging auf Religionsentdeckerreise. Zum Abschluss wurde die Klasse gemeinsam mit dem Hattinger Künstler Thomas Koch kreativ. Mit Acrylfarbe auf Leinwand konnte jeder Schüler seine Eindrücke aus den drei Religionen verewigen. Das macht die Klasse 4a auch noch.
Foto: privat
Die Klasse 4a der Heggerfeldschule steht im Eingang der Bochumer Synagoge vor einer ausgestellten Torarolle. Die Tora ist der Heilige Text der Juden. Die Heilige Schrift wird handschriftlich auf Pergament geschrieben und auf zwei mit Kronen verzierte Rollen aufgerollt. Die Tora darf nur von Männern aus dem Schrein genommen werden.Foto: privat

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