Made in und Mahd mitten in Hattingen: Ein Getreidefeld als Kunstprojekt neben dem Rathaus

Am Ort des Geschehens, dem Gelände des künftigen Getreidefeldes neben dem Rathaus, stellten sich zum Foto: (v.l.) Ideengeber und Koordinator Holger Vockert, Landwirt Martin Schlenkermann, Stadtsprecher Thomas Griesohn-Pflieger, Erzieherin Andrea Nitsch-Westen, Steven Scheiker (Stadtwerke Hattingen) und Bürgermeister Dirk Glaser.  Foto: Römer
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  • Am Ort des Geschehens, dem Gelände des künftigen Getreidefeldes neben dem Rathaus, stellten sich zum Foto: (v.l.) Ideengeber und Koordinator Holger Vockert, Landwirt Martin Schlenkermann, Stadtsprecher Thomas Griesohn-Pflieger, Erzieherin Andrea Nitsch-Westen, Steven Scheiker (Stadtwerke Hattingen) und Bürgermeister Dirk Glaser. Foto: Römer
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Wo: Rathaus, Rathausplatz, 45525 Hattingen auf Karte anzeigen

Bis in Hattingen mitten in der Stadt auf der Wiese neben dem Rathaus mit dem eisernen St. Georg in der Mitte tatsächlich gemäht werden kann, da werden noch einige Monate ins Land gehen. Denn erst einmal muss dort viel gearbeitet werden. Hier soll als neuestes Projekt des Hattinger Künstlers Holger Vockert, der in der Vergangenheit bereits mit spektakulären Aktion wie einer Walfluke vor dem Hochofen, einer Skulptur auf dem Horkenstein oder unlängst mit einem Vogelschwarm aus Bibelseiten in Hattinger Kirchen für Resonanz sorgte, auf 400 Quadratmetern ein Getreidefeld entstehen.

"Dieses Projekt lässt die Hattinger Stadtfeldmark ,vor dem Heggerthore' noch einmal, für eine Vegetationsperiode auferstehen", erläutert Holger Vockert. "Von der Aussaat bis zur Ernte im Juli oder August werden möglichst alle Arbeiten in Handarbeit und mit historischen Gerätschaften ausgeführt."
Mit im Boot - auch wenn dieses Bild hier ein wenig hinkt - sind die Stadt Hattingen, die begeistert ihre Zustimmung erteilt hat, neun Hattinger Kindergärten, die Stadtwerke Hattingen und Hattinger Landwirte, die als Fachleute beraten und beackern helfen. Alle Beteiligten arbeiten selbstverständlich ohne Honorar, sondern aus Freude am Projekt mit.
Frei nach dem Volkslied "Im Märzen der Bauer" soll je nach Wetterlage im März mit der Aussaat des Sommerweizens begonnen werden. "Der voraussichtlich kleine Ertrag an Getreide wird von Bäcker Nieland zu Brot verbacken", so Holger Vockert weiter. "Das Projekt endet mit einem Erntedankfest, bei dem in Hattingen produzierte Lebensmittel zur Verkostung angeboten werden. Kindergartenkinder begleiten das Projekt bis zum Erntedankfest, zu dem alle Hattinger eingeladen werden. Aber sicher kann sich dann niemand an unserem Brot satt essen. Je nach Größe werden wohl zwischen 100 und 150 Brote gebacken werden können. Und zuerst werden die Kindergärten mit Brot beliefert, was übrig bleibt dann verteilt."
Der Kindergarten Schreys Gasse beispielsweise wird für das Getreidefeld eine Vogelscheuche bauen und selbst ein kleines Getreidefeld auf seinem Gelände anlegen. Erzieherin Andrea Nitsch-Westen: "Unsere Kinder sind alle Stadtkinder. Sie können das Wachsen eines Getreidehalms nur in der Natur erleben, wenn sie heraus gehen aus der Stadt. Hier müssen wir mehrmals die Woche auf dem Weg zur Turnhalle vorbei, können dann Vergleiche anstellen zwischen diesem und unserem Beet. Das ganze Projekt ist sicher für Kinder ein großer Gewinn."

Neun Kindergärten und Hattinger Landwirte mit dabei

Mit zwei Kindergärten wird Holger Vockert in einem Workshop eine Gartenbank bauen, denn Verweilen ist hier erwünscht, und immer wenn sich Kinderbesuch am Feld angesagt hat, soll ein Fachmann vor Ort das Projekt erläutern.
Gesponsert wird es vor allem mit dem "Lebensmittel Nummer eins", dem Wasser, ohne das nichts wächst, von den Stadtwerken. Daher wird es beim Erntedankfest auch angeboten werden - neben anderen Hattinger Erzeugnissen von Bienenhonig über Fischen aus heimischen Teichen bis hin zu allem, was Landwirte erzeugen und in ihren Hofläden bieten.
"Die Idee bringt Menschen zusammen", freut sich Bürgermeister Dirk Glaser. "Es geht beispielsweise um Ökologie, um Kindererziehung, Stadtgeschichte, das Zusammenführen von Bürgern der Stadt, es gibt einen ökonomischen Faktor und daher finde ich persönlich das gesamte Projekt genial."
Holger Vockert ergänzt: "Letztlich ist auch Kunst an öffentlichen Plätzen dabei das Thema, das zeitgemäße Mitgestalten öffentlichen Raums. Der künstlerische Aspekt dieses Projektes, die Intervention, ist die temporäre Verwandlung dieser besonders langweiligen Grünfläche inmitten der Stadt in eine Naturschönheit. Sicher werden sich die Geister daran scheiden, aber das sollen sie auch. Ob ausgerechnet die Anlage eines Getreidefeldes eine adäquate Nutzung ist, lässt sich meiner Meinung nach nur ernsthaft beantworten, wenn man sich grundsätzlich die Frage stellt, wie man sich den öffentlichen Raum wünscht und was man bereit ist, dafür zu tun. Was genau in den nächsten sechs Monaten hier geschehen wird, das weiß momentan noch keiner."
Und es soll nicht bei diesem einen Jahr mit einem solchen Projekt bleiben, eine Fortsetzung sei angedacht. Die Wiese jedenfalls werde nicht in ihren momentanen Zustand zurück versetzt.

Hattingen denkt in Richtung "essbare Stadt"

Dass die Stadtverwaltung in ähnliche Richtung "essbare Stadt" denkt, erläutert Sprecher Thomas Griesohn-Pflieger: "Für solche oder ähnliche Projekte sind drei Jahre Zeit, bevor der Platz anders überbaut werden wird. Es gibt ein großes Wohlwollen, den Bereich agrarisch zu nutzen. Beispiele wären, ein Jahr Kartoffeln zu setzen und zu Erntedank als Pommes oder so auszugeben, oder Raps zu pflanzen, aus dem Öl gewonnen wird. Die Idee von Holger Vockert ist eine super Initialzündung. Und für alle Hundebesitzer: Nur 50 Meter weiter befindet sich ein Hundeklo."
Aber selbst dafür kann Holger Vockert anbieten: "Am Rand des Feldes können Hunde ihr Geschäft nach wie vor erledigen, wenn die Hundebesitzer dieses hinterher mitnehmen und entsorgen."
Das Feld selbst umsäumt ein kleiner Zaun mit Unterschlupfschutz "als psychologische Wirkung". Eine Info-Tafel informiert über das Projekt. Außerdem befindet sich noch ein zwei mal zwei Meter großer Würfel auf dem Gelände für die Arbeitsgeräte.
Falls größere Gerätschaften einmal nötig sein werden, springen die Hattinger Bauern ein. Landwirt Martin Schlenkermann: "Für uns ist es sicherlich sehr aufregend, wenn wir zum ersten Mal mit unserem Schlepper hier auf die Wiese fahren. Auch für uns ist das Ganze ein Experiment."

Am Ort des Geschehens, dem Gelände des künftigen Getreidefeldes neben dem Rathaus, stellten sich zum Foto: (v.l.) Ideengeber und Koordinator Holger Vockert, Landwirt Martin Schlenkermann, Stadtsprecher Thomas Griesohn-Pflieger, Erzieherin Andrea Nitsch-Westen, Steven Scheiker (Stadtwerke Hattingen) und Bürgermeister Dirk Glaser.  Foto: Römer
Das ist die Wiese neben dem Hattinger Rathaus (im Bildvordergrund), auf dem ein Feld mit Sommerweizen zum Brot backen mit Hilfe Hattinger Landwirte und vieler freiwilliger Helfer und Kindergärten entstehen wird. Los geht es, sobald es das Wetter erlaubt.  Foto: Ruhrkanal TV

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