"Das ist spannender als man denkt"

Melanie Surrey, Samantha Ixert und Ann-Cathrin Esin untersuchen Proben.
Fotos (2): Kosjak
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  • Melanie Surrey, Samantha Ixert und Ann-Cathrin Esin untersuchen Proben.
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von Dino Kosjak

Das Schälchen mit Wasser wird herumgereicht. Behutsam, denn allzu leicht könnte etwas verschüttet werden. „So bekommen wir ein Gefühl dafür, dass Wasser etwas wertvolles ist“, sagt Regina von Oldenburg. Achtzehn Schüler des Berufskollegs Hattingen haben sich am Sprockhöveler Bach eingefunden. Hier lernen die künftigen Sozialpädagogen im Alter von Anfang 20 bis Anfang 30, wie Kinder an die Natur herangeführt werden.

„Meinen Arbeitsplatz habe ich auch mitgebracht“, lacht Regina von Oldenburg und weist auf den Bus hinter ihr.
Der „Umweltbus Lumbricus“ ist ausgestattet mit 24 Arbeitsplätzen für die Umweltbildung. Damit ist sie seit 21 Jahren in ganz NRW unterwegs, im Auftrag der Natur- und Umweltschutz-Akademie NRW (NUA). Benannt ist der Bus nach einem Tier, das alle kennen: Lumbricus ist der lateinische Gattungsname des Regenwurms.
Die Schüler werden am Bach und in dem Bus arbeiten. Welche Erwartungen die Gruppe hat, möchte Regina von Oldenburg wissen.
„Ich bin einfach gespannt, was wir finden werden“, sagt Manuel Lucas.
„Molche wären toll“, meldet sich Sebastian Appelhoff.
Rund zehntausend Bäche und Flüsse gebe es in Nordrhein-Westfalen, erklärt Regina von Oldenburg den Kolleg-Schülern. Sie weist auf eine Karte, auf der die Gewässer farbig markiert sind: blau, grün, gelb, orange, rot. Blau markierte Gewässer führen Wasser bester Qualität, um rot markierte ist es dagegen sehr schlecht bestellt.
Sofort ins Auge fällt die rote Emscher. Sie erhole sich nur langsam. „Heute wissen wir, dass es am besten ist, die Gewässer möglichst natürlich zu belassen“, erklärt Regina von Oldenburg, „Begradigung und Schiffbarmachung bringen viele Probleme, zum Beispiel Hochwasser.“
Heute geht es um die Wasserqualität des Sprockhöveler Bachs. Dazu sollen die Schüler sogenannte „Zeigertiere“ fangen – Tiere, deren Vorkommen eine bestimmte Wasserqualität anzeigt. Im Mittelpunkt stehen dabei Wirbellose wie Schnecken, Würmer und Insekten.
Mit einem Sieb wird das Wasser durchsucht. Die meist winzigen Tiere, die sich in dem Sieb verfangen, werden mit einem feinen Pinsel sachte abgestrichen und kommen dann unbeschadet in eine Plastikschale. Später werden die Tiere unter einem Mikroskop bestimmt.
Regina von Oldenburg betont, dass das richtige Verhalten entscheidend sei. „Wir wollen möglichst wenig Spuren hinterlassen.“
„Das ist viel spannender, als man denkt“, freut sich Lisa Klimaschewski. „Ich denke sonst nicht darüber nach, was in so einem Bach alles zu finden ist“. Sie hat ihren kleinen Sohn mitgebracht. „Ich glaube, auch viele Kinder kriegen das kaum noch mit.“
Auch für Katharina Lerbs ist das eine seltene Erfahrung. „Zuletzt habe ich als Kind in einem Bach gestanden“, lacht sie. Manuel Lucas ist das Ganze vertrauter. „Ich habe mal eine Schüler-AG durch die freie Natur geführt“, sagt er.
Biologie-Lehrerin Kerstin Hagen freut sich, dass die Gruppe den Ausflug so gut annimmt. „Die müssen auch mal raus und praktische Erfahrungen sammeln.“
Besondere Aufmerksamkeit erregen die amerikanischen Flusskrebse, von denen in kurzer Zeit mehrere gefangen sind. Es handelt sich bei ihnen nicht um die gesuchten Wirbellosen, aber beeindruckend sind die handtellergroßen Tiere schon.
Zur eigentlichen Ausbeute gehören indes die Flohkrebse, Eintagsfliegen- und Köcherfliegenlarven – Tiere, die in Gewässern vorkommen, die eine blaue Farbmarkierung verdienen. Das bescheinige dem Sprockhöveler Bach nicht die beste, aber doch eine gute Wasserqualität.
Ein Mikroskop im Umweltbus ist an einen großen Fernseher angeschlossen. Der Bildschirm zeigt nun eine Eintagsfliegenlarve – im Maßstab eines Schoßhunds. Plötzlich scheint die Larve den Blick auf die Zuschauer zu richten. „ Es ist, als ob das Tier ein Gesicht bekommt“, so Regina von Oldenburg.

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Melanie Surrey und Ronja Sobich mit einem Flusskrebs.

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