Tierisch was los - diesmal geht es um Moorschnucken und Kamerunschafe
Lebende Rasenmäher schützen die Natur

Burkhardt Pfläging, Iris Behrens, Eiske Stratmann sowie Martin und Lena Busse (v.l.) mit Kamerunschafen und Moorschnucken sowie Hund Emma. alle Fotos: Pielorz
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  • Burkhardt Pfläging, Iris Behrens, Eiske Stratmann sowie Martin und Lena Busse (v.l.) mit Kamerunschafen und Moorschnucken sowie Hund Emma. alle Fotos: Pielorz
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Schafe sind schlau, sozial und Vegetarier. Sie gehen zu ihrem Futter, schlafen wenig und können bis zu 15 Jahre alt werden. Studien belegen, dass die Tiere sich Gesichter ihrer Artgenossen und Menschengesichter über einen längeren Zeitraum merken können. Schafe liefern dem Menschen Fleisch und Wolle und vor allem schützen sie die Landschaft. Der Hattinger Martin Busse und der geborene Hattinger Burkhardt Pfläging (aber seit vielen Jahren Sprockhöveler!) mit ihren Familien wissen das alles und deshalb kümmern sie sich um etwa achtzig Schafe auf verschiedenen Weiden. Iris Behrens, Ehefrau von Burkhardt Pfläging, ist nämlich eine beim Schafzuchtverband eingetragene Moorschnucken-Züchterin.
In Deutschland leben etwa sechzig Schafrassen, 45 davon gibt es in NRW. Insgesamt leben in Nordrhein-Westfalen rund 200.000 Tiere – darunter Rassen wie Jakob- oder Brillenschaf. Oder die Moorschnucken von Iris Behrens, Burkhardt Pfläging und Martin Busse. Sie heißen auch „Weiße Hornlose Heidschnucke“. In Hattingen leben sie gemeinsam in einer Herde mit den Kamerunschafen und dem Rauhwolligen Pommerschen Landschaf. Die kleinen Schafe leisten Großes für Natur und Klimaschutz. „Die Schafe leben in Freiheit mit der Natur als Herdentier. Sie verbessern unser Klima, treten die Böden fest, aber schützen die Grasnarbe und damit das Land, transportieren im Fell Samenkörner und Insekten. Trotzdem gehören die Moorschnucken und die Rauhwolligen Pommerschen Landschafe zu den gefährdeten Schafrassen, weil hochgezüchtete Fleischschafrassen die alten Landrassen fast vollständig verdrängen“, erklärt Martin Busse. Er ist quasi mit Tieren auf einem alten Kotten groß geworden und ist – nach eigener Aussage – „quasi in die Tierhaltung hineingewachsen“. Bei ihm zuhause leben zwei Texel-Schafe und vier Rauhwollige Pommersche Landschafe.

Rasse vom Aussterben bedroht

Bei Burkhardt Pfläging sieht das etwas anders aus. „Ursprünglich wollte ich mal Tierarzt werden und ich hatte auch einen Studienplatz in Pisa. Bei der Überlegung, wie das Studium zu finanzieren sei, kam ich auf meine Musik, denn ich spiele seit meinem siebten Lebensjahr Geige. Tja, und irgendwie hat mich die Musik dann richtig gepackt und sie bestimmt seit vielen Jahren meinen beruflichen Alltag.“ Burkhardt Pfläging ist heute Orchestergeschäftsführer vom Sinfonieorchester Wuppertal. „Aber die Liebe zu den Tieren hat mich auch nicht losgelassen. 2012 haben wir eine Weide geerbt und mit fünf Schafen angefangen – übrigens in dem leichten Irrglauben, so hätten wir nicht so viel Arbeit mit der Weide. Na ja, im Laufe der Jahre wuchs die Herde deutlich auf die heutige Größe von achtzig Tieren an. Vor ein paar Jahren kaufte Martin Busse uns drei Moorschnucken-Mutterschafe ab, die aber in der Herde blieben und weiterhin von uns versorgt werden. Meine Frau Iris ist Herdbuch-Züchterin und züchtet Moorschnucken nach. Die Tiere haben quasi einen ,Stammbaum‘, der auch beim Schafzuchtverband eingetragen wird. Die Arbeit mit den Tieren und die Zucht ist nur mit mehreren Personen zu bewältigen. Dazu gehören neben Martin und Lena Busse meine Schwester Eiske Stratmann und die Familie meines Bruders Ortwin Pfläging und seine Frau Annette. Ohne sie könnten meine Frau und ich sonst noch nicht einmal in Urlaub fahren. Aber die Tiere geben auch sehr viel zurück“, sagt Burkhardt Pfläging, der extra noch eine Zertifizierung für Schafschur und zum Schlachten erworben hat. Letzteres passiert allerdings selten und nur zum Eigenbedarf.
Drei Wochen grasen die Schafe jeweils auf der gleichen Weide, dann geht es wieder auf Wanderschaft. Alte Obsthöfe mit ihren Weiden, Kotten, Hanglagen – die Schäfchen haben den „goldenen Tritt“ und düngen gleichzeitig die Weide. „Wir halten die Tiere das ganze Jahr draußen. Es gibt nur einen Unterstand. Nur bei einer geschlossenen Schneedecke wird Heu zugefüttert. Die Tiere sind gerne draußen, auch im Winter, wenn es schneit“, erzählt Pfläging. In der Herde werden Muttertiere und Lämmer zusammengehalten. Daneben gibt es eine eigene Bockherde. „Im Herbst kommen die Böcke zu den Weibchen und nach einer Tragezeit von etwa fünf Monaten werden im Frühling um Ostern herum die Lämmer geboren“, so Busse. Sind die Lämmer auf der Welt, hört man häufig das Blöken. So verständigen sich Mutter und Kind – daher geht es in Bockherden ruhiger zu.

Tiergestützte Therapie

Doch die Schafe sind nicht nur als Naturschützer unterwegs. Sie werden auch eingesetzt bei der tiergestützten Therapie. Iris Behrens ist Gesundheits- und Krankenpflegerin sowie Fachkraft für tiergestützte Therapie. Die Frau von Burkhardt Pfläging hat gute Erfahrungen mit dem freundlichen Wesen der Schafe gemacht, wenn es um Menschen mit Handicap geht oder um Menschen, die Vertrauen aufbauen müssen. „Schafe sind Herden- und Fluchttiere. Sie können den Menschen ein Gefühl von Zusammengehörigkeit und Teamgeist vermitteln. Der Kontakt zu einer lebendigen Welt in der Natur inspiriert. Vertrauen, überlegte und ruhige Bewegungen führen den Menschen in den Kontakt mit dem Tier. Ich habe es erlebt, dass zum Beispiel Menschen mit einer Spastik plötzlich ihre Hände öffnen konnten, weil sie die Tiere streicheln wollten.“ Unter behrens.tiergestützt@web.de kann man zu Iris Behrens Kontakt aufnehmen.
Einmal im Jahr werden die Schafe geschoren. Das ist durchaus ein Kraftakt – mindestens für den Menschen. „Es gibt verschiedene Möglichkeiten für die Schur. Wir nutzen das neuseeländische Schursystem. Dabei wird das Schaf mit bestimmten Handgriffen an der Flucht gehindert und am Boden mit einer elektrischen Schafschermaschine geschoren. Für die Tiere ist es eine schonende Methode und quasi wie der Friseurbesuch für den Menschen. Die Schur muss sein, denn sonst droht ein Verfilzen des Vlieses, was wiederum das Wärmeregulationsempfinden des Tieres stört“, erklärt Burkhardt Pfläging. Drei- bis viermal im Jahr ist es auch Zeit für die Klauenpflege. Farbmarkierungen helfen dem Besitzer, bestimmte Dinge zu erkennen – beispielsweise, was mit dem Tier passieren soll oder vor dem Hintergrund einer Infektion oder Impfung. Doch was geschieht mit der Wolle? „Es ist nicht einfach, die Wolle zu verkaufen. Denn die Aufbereitung der Schafwolle ist arbeitsintensiv. Sie hat allerdings hervorragende Eigenschaften, beispielswiese für das Stricken oder Filzen. Sie wärmt im Winter, kühlt im Sommer, ist geruchshemmend und schmutzunempfindlich. Viele nutzen die Wolle auch für Gartenprodukte zum Untergraben oder als Düngepellets. Wir stehen aber hier mit unseren Überlegungen noch am Anfang“, erzählt Iris Behrens.
Nach der Schur geht es für die frischrasierte Mama Daisy zurück auf die Weide. Hell ertönt ihr Blöken und die Kinder kommen sogleich angerannt. Etwas irritiert sind sie dann aber schon, denn Mama sieht irgendwie doch ziemlich anders aus. Doch der vertraute Geruch ist geblieben und schon ist alles wieder gut.

Autor:

Dr. Anja Pielorz aus Hattingen

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