Thema: Armut in Hattingen

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Bernd Loewe ist Vorsitzender von „Hattingen solidarisch“. Zielsetzung von „Hattingen solidarisch“ ist es, unbürokratisch solchen Hattingern zu helfen, die in eine Notlage geraten sind, die sie aus eigener Kraft nicht bewältigen können. Die Vereinshilfe erfolgt durch persönliche Unterstützung sowie aus leistungsbezogenen Sach- und/oder Geldmitteln.

Hier antwortet der engagierte Hattinger auf drei Fragen zu "Armut in Hattingen"

1. Wie groß ist Ihrer Erfahrung nach Armut in Hattingen überhaupt?
Im Armutsbericht des Ennepe-Ruhr-Kreises von Mai 2010, wird der Begriff Armut definiert, wenn ein Einkommen weniger als 60 Prozent des mittleren „Äquivalenzeinkommen“ beträgt. Demnach sind 5.376 Menschen von Kind bis zu den Älteren in Hattingen betroffen – Tendenz steigend. Die Dunkelziffer von Menschen, die in Armut oder an der Armutsgrenze leben, kann hier nicht dargestellt werden. In unserer Arbeit haben wir in den Haushalten zum Teil dramatische Situationen kennen gelernt, die sicher unser aller Vorstellungsvermögen übersteigen.

2. Wie äußert sich Armut nach außen hin?
Das ist ein Problem. Mal vom Bettler in der Fußgängerzone abgesehen sind diese Menschen nach außen kaum zu erkennen. Immer wieder ist eine große Scham festzustellen, wenn jemand unsere Hilfe in Anspruch nimmt. Arme Menschen können sich Güter, die für viele von uns selbstverständlich sind, nicht leisten oder nicht in der für Wohlhabende zugänglichen Qualität. Zum Beispiel sind energiesparende Großgeräte der Energieeffizienz-Klasse A+++ unerschwinglich, was wiederrum zur Folge hat, dass höhere Stromkosten anfallen.
Armut äußert sich allerdings nicht nur materiell, sondern es besteht auch eine sozial-kulturelle Armut. Der Zugang am gesellschaftlichen Leben fehlt in der Regel.
Noch bedrückender ist die emotionale Armut, die wir speziell bei Kindern angetroffen haben.
Ergänzend muss man feststellen, es entsteht auch eine Bildungsbenachteiligung: Entweder wird der Wert einer guten Ausbildung nicht erkannt, oder es fehlt wegen der über den Kopf wachsenden Alltagsprobleme die notwenige Motivation.

3. Wie können Hattinger ihren wirtschaftlich schlechter gestellten Mitbürgern helfen?
Natürlich mit Geld, mit Geld und nochmal mit Geld. Das ist bei uns in guten Händen, wir arbeiten ohne jegliche Verwaltungskosten. Ein Mitglied mit einem großzügigen Jahresbeitrag hat mir gesagt: „Ich stehe auf der Sonnenseite des Lebens. Ich möchte hiermit etwas zurückgeben.”
Ich wünsche mir noch viele Bürgerinnen und Bürger in Hattingen, die so denken.
Aber auch eine aktive Mitarbeit in unserem Verein ist möglich, beispielsweise die so genannten Patenschaften. Es entsteht immer wieder die Situation, dass wir Menschen ein Stück ihres Weges begleiten wollen. Das soll vorübergehende unterstützende Hilfe sein, die nicht bevormundet.

Spenden für „Hattingen solidarisch“ sind willkommen bei der Sparkasse Hattingen (BLZ: 43051040) auf das Konto 208777.

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Bernd Loewe, Vorsitzender von „Hattingen solidarisch“
Autor:

Roland Römer aus Hattingen

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