Kunstbelag ist einer der größten Quellen für Mikroplastik
Zero Waste: Kunstrasen in der Kritik

Rund 330.000 Tonnen Mikroplastik gelangen in Deutschland pro Jahr in die Umwelt - und immerhin auf Platz fünf der Verursacher stehen Sport- und Spielplätze. Vor allem der Kunstrasen ist Umweltschützern ein Dorn im Auge. Die grünen Plastikhalme auf dem Boden des Sportplatzes benötigen nämlich ein Gummigranulat – auf jedem Quadratmeter im Schnitt fünf Kilo. Auf einem Fußballplatz kommen da schnell 35 Tonnen zusammen. Das Granulat muss immer wieder nachgefüllt werden, weil Wetter und Reinigungsmaschinen die Substanz zwischen den Halmen herauslösen. So gelangt das Mikroplastik in die Umwelt. Bis 2021 will die EU den Kunstrasen nun verbieten.
Tausende Plätze von Amateurfußballvereinen sind mit Kunstrasen belegt. Sie gelten vielen als internationaler Standard. Forscher des Fraunhofer-Instituts für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik haben in einer Studie festgestellt: Sportplätze mit Kunstrasen sind eine der größten Quellen von Mikroplastik. In Deutschland seien sie pro Jahr "für geschätzt bis zu 10.000 Tonnen Mikroplastik in der Umwelt" verantwortlich, berichtet Projektleiter Jürgen Bertling. Das sei das zigfache von der Menge, die etwa Kosmetikprodukte verursachen. Plastikmüll ist ein globales Problem. In der EU entstehen jedes Jahr rund 26 Millionen Tonnen - in keinem Mitgliedsstaat mehr als in Deutschland. Laut der 2018 verabschiedeten Einweg-Plastikrichtlinie dürfen ab 2021 bestimmte Plastikeinwegartikel nicht mehr verkauft werden, darunter Einwegteller, -besteck sowie Trinkhalme, Kaffeebecher aus geschäumtem Polystyrol und Wattestäbchen. Hersteller von Zigaretten müssen sich zudem an den Kosten für die Reinigung der Natur von weggeworfenen Kippen und Netzen beteiligen. Ab 2022 plant die EU nun ein Verbot für den Kunstrasen.
Das wäre für viele Städte ein Problem. In Sprockhövel gibt es Kunstrasen, wohin das Auge schaut – die TSG in Niedersprockhövel, Haßlinghausen, Obersprockhövel, Hiddinghausen… alle spielen seit Jahren auf Kunstrasen, der von den Vereinen in der Regel heiß herbeigesehnt wurde. Nicht selten gaben ortsansässige Firmen als Sponsor größere Geldbeträge gegen die Umbenennung der Sportanlage und machten den Kunstrasenbelag damit erst möglich. In Hattingen spielen ebenfalls viele Vereine auf Kunstrasen – der Startschuss für den sechsten Kunstrasen in Holthausen fiel vor einem halben Jahr. Doch warum eigentlich Kunstrasen? Das Naturprodukt Rasen ist ein wichtiger Sauerstofflieferant dieser Erde – ein Fußballfeld allein produziert Sauerstoff für 120 Menschen. Darüber hinaus bindet Naturrasen Staub und absorbiert Schadstoffe. Auf Kunststoffrasen trifft dies alles nicht zu. Allerdings soll er belastbarer sein und macht wetterunabhängiger. Pflegeleichter ist er indes nach Meinung wissenschaftlicher Experten nicht. Entsorgungsprobleme und der Austausch nach einer Zeit von etwa zwölf Jahren gelten ebenfalls als problematisch. Jetzt folgt die Diskussion um die Mikroplastik.
Die aktuelle Diskussion zwingt die Städte zum Handeln. Doch einige von ihnen scheinen bei dem Thema besser aufgestellt zu sein. Kassel beispielsweise hat nur einen einzigen städtischen Kunstrasenplatz, die anderen städtischen zehn Plätze sind mit umweltfreundlichem Sand befüllt, der auch günstiger ist. Und die Stadtverordneten in Wiesbaden haben bereits entschieden: Plätze mit Kunststoffgranulat darf die Stadt nicht mehr bauen.
Natürlich – Details müssen auf EU-Ebene noch geklärt werden. Aber der Kunstrasen scheint angezählt.

Autor:

Dr. Anja Pielorz aus Hattingen

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