Besinnliches von Sven Christer Scholven: "Ankommen im Advent"

Kaplan Sven Christer Scholven, St. Peter und Paul, Hattingen
  • Kaplan Sven Christer Scholven, St. Peter und Paul, Hattingen
  • hochgeladen von Roland Römer

Ankommen ist in diesen Tagen eine echte Herausforderung: Erst fallen tagelang hunderte Züge wegen Streiks aus. Dann bleiben Flugzeuge am Boden, weil Piloten in den Arbeitskampf ziehen. Auf den Straßen sieht es nicht viel besser aus: Auch dort tobt ein täglicher Kampf gegen den Stillstand. Dank Echtzeitmessung wissen wir: „Wenn Sie aktuell auf dieser Strecke unterwegs sind, kostet Sie das eine halbe Stunde.“

Im Alltag sind solche Verzögerungen in der Regel ärgerlich. In den Wochen vor Weihnachten sehne ich sie mir manchmal herbei.
Wie das wohl wäre, wenn der Advent sich verspätete? Dann hätte ich vielleicht endlich Zeit, mich darauf besser vorzubereiten.
Jedes Jahr nehme ich mir vor, mich nicht von der Adventszeit überrumpeln zu lassen. Der verbreiteten Hektik der Wochen vor dem Fest möchte ich mich nicht anschließen. Ich möchte diese Zeit vielmehr genießen. Zur Ruhe kommen und inne halten. Mal wieder bei mir selber ankommen.
Doch auch in diesem Jahr ist daraus nichts geworden. Wieder einmal traf mich der Advent vollkommen unvorbereitet. Ohne jegliche Verspätung ist sie da, die Zeit der Ankunft.
Jesus kommentiert das ziemlich trocken: „Ihr wisst nicht, wann die Zeit da ist“, sagt er. „Seid also wachsam!“
Wie aber kann das aussehen? Während ich noch darüber nachdenke, kommt mir plötzlich Nikolaus von Myra in den Sinn. Ihn erinnern wir ja heute am 6. Dezember besonders.
Nikolaus hat versucht, diesen Rat Jesu zu befolgen. Er hatte einen wachen Blick für die Menschen. Besonders jene, die in Not waren, lagen ihm am Herzen. Unzähligen von ihnen hat er geholfen. Indem er Bedürftigen Lebensmöglichkeiten eröffnete, hat Bischof Nikolaus dafür gesorgt, dass Gott selbst im Leben der Menschen ankommen konnte.
Vielleicht sollte ich das genauso machen wie er. Aber bevor ich auf andere schaue, fange ich bei mir selber an. Denn auch das höre ich aus Jesu Ratschlag heraus: „Pass auf dich auf!“ Also gebe ich einfach meiner eigenen Bedürftigkeit Raum. Vermutlich trifft der Advent dann ganz von selbst auch in meinem Alltag ein. Denn Gott kommt ja bekanntlich alle Jahre wieder im Leben von uns Menschen an. Gemäß einem Plan, den nur er kennt. Aber pünktlich in jedem Fall.

Eine gesegnete Adventszeit wünscht Ihnen

Sven Christer Scholven
Kaplan, St. Peter und Paul, Hattingen

Autor:

Roland Römer aus Hattingen

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