Autos beschädigt – 61.000 Euro Schaden

Vor dem Strafgericht in Hattingen hatten sich jetzt 5 Angeklagte zu verantworten, denen Betrug und Untreue zum Nachteil der Autoversicherung vorgeworfen wurde. Es ging um die Beschädigung von 4 PKW, die im Oktober 2012 in Sprockhövel abgestellt waren. Der Gesamtschaden laut Anklageschrift betrug über 61.000 Euro.

Im Gerichtssaal wurde es eng, als für die 5 Angeklagten mit ihren 5 Verteidigern erst einmal Sitzmöglichkeiten auf der Anklagebank geschaffen werden mussten.

Nach Klärung der Personalien der Angeklagten wurde ein Verfahren direkt abgetrennt, als der Anwalt des Angeklagten beanstandete, dass ihm trotz mehrmaliger schriftlicher Aufforderung vom Gericht keine Akteneinsicht gewährt wurde. Dieses wird jetzt nachgeholt und die Hauptverhandlung gegen diesen Angeklagten neu anberaumt.

Der 69 Jahre alte Fahrer eines Kleintransporters war im Oktober 2012, also vor 5 Jahren, nachts gegen einige in Sprockhövel am Straßenrand abgestellte „teils hochwertige“ Fahrzeuge gefahren. Er hatte den Kleintransporter für einen privaten Transport angemietet, so seine Einlassung vor Gericht. Für seine Kollision hatte er eine Erklärung: ihm will schlecht geworden sein und er hatte danach die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren.

Ein Angeklagter geständig
Ein weiterer Angeklagter gestand, seinen Wagen dort vorher im Auftrag einer Person am Straßenrand abgestellt zu haben. Ihm war vorher von dem Auftraggeber genau gezeigt worden, wo er seinen Wagen abstellen sollte. Er wusste auch, dass in dieser Nacht die am Straßenrand abgestellten Autos beschädigt würden.

Die Versicherung sollte danach den Schaden begleichen. Die Reparatur sollte dann „kostengünstiger“ durchgeführt und ein Betrugsgewinn erzielt werden. 1.500 Euro Prämie hatte man dem geständigen Angeklagten, der bisher nicht vorbestraft war, dafür versprochen. Der Angeklagte kennt den Auftraggeber dieses Betruges, wollte ihn aber vor Gericht namentlich nicht nennen. Er bedauerte vor Gericht, „diese Dummheit“ begangen zu haben.

Der Schaden an seinem Fahrzeug betrug laut Staatsanwaltschaft 10.450 Euro. Der Angeklagte hat den Schaden für 5.000 Euro reparieren lassen. Hätte die Versicherung gezahlt, wäre ein Gewinn von 5.450 Euro erzielt worden.

Am Ende des ersten Verhandlungstages wurde er dann wegen vorsätzlichen Betruges zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je 25 Euro, insgesamt 1.500 Euro verurteilt.

Viele Gerichte schon tätig
Seit 2012 streiten sich die Autoversicherungen vor dem Amtsgericht, dem Landgericht und Oberlandesgericht mit den Autofahrern um die Regulierung der Schäden. Die Autoversicherung hat, so die Angeklagten, auch Privatdetektive eingesetzt und auch im privaten Umfeld der Angeklagten ermittelt.

Die 5 Angeklagten sagten vor Gericht aus, sich untereinander überhaupt nicht zu kennen.

Freispruch für einen Hattinger
Ein Angeklagter aus Hattingen, der seinen Sportwagen dort abgestellt hatte, wurde von Richter Kimmeskamp auf Kosten der Landeskasse vom Vorwurf des Betruges und der Untreue freigesprochen. Dieser Autofahrer nannte dem Gericht Gründe für sein nächtliches Parken dort. Außerdem, so sein Anwalt, habe er bereits 28.000 Euro Gerichtskosten und 22.000 Euro für die Reparatur seines Sportwagens aus eigener Tasche aufgewendet.

Gutachter nicht einig
Den Gerichten lagen zur Beurteilung dieses Unfalles mit den 5 beteiligten Autos entsprechende Gutachten von Sachverständigen vor. Laut Gutachten sollen die Schäden an den am Straßenrand abgestellten PKW nicht nur durch einfaches Streifen durch den Kleinlaster entstanden sein. Dieser hätte danach auch noch zurücksetzen müssen, um die restlichen Beschädigungen zu erzeugen. Dieses wiederum, so ein anderer Gutachter, sei nicht möglich, weil bei dem ersten Aufprall die Vorderachse des Kleinlasters gebrochen sei.

Unfallaufnahme kritisiert
Einige Anwälte der Angeklagten halten es sogar für möglich, dass ein zweiter unbekannter Verursacher mit beteiligt war, Schäden an einigen dort abgestellten PKW zu erzeugen. Nach ihrer Auffassung können einige Unfallspuren nicht eindeutig dem Angeklagten Fahrer des Kleinlasters zugeordnet werden. Die Anwälte bemängelten die nach ihrer Ansicht nicht professionell erstellte Unfallaufnahme durch die Polizei, insbesondere bei diesem Schadensbild.

Gutachter kommt als Zeuge
Am Ende des ersten Verhandlungstages erging dann der Beschluss, die Verhandlung gegen die drei verbleibenden Angeklagten fortzusetzen und den Gutachter des Ingenieurbüros der Unfallrekonstruktion als Zeugen zu laden.

Exkurs :
Die Versicherungsbranche geht davon aus, dass jeder achte bis zehnte Verkehrsunfall in Deutschland nach Manipulation riecht. Der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GdV) schätzt, dass allein durch Betrug der Kfz-Versicherung ein Schaden von jährlich zwei Milliarden Euro entsteht. Der Großteil davon soll auf vorsätzlich herbeigeführte Unfälle entfallen.

Deshalb haben die Versicherungen in ihren Abteilungen zur Betrugsbekämpfung aufgerüstet - und sie kennen alle Tricks der Versicherungsbetrüger. Wer auffliegt, bleibt nicht nur auf dem Schaden sitzen, sondern muss auch die Ermittlungskosten wie den beauftragten Gutachter und die Arbeit der Versicherungsdetektive bezahlen. Zudem kann ihm die Versicherung kündigen und Strafanzeige stellen.

Autor:

Hans-Georg Höffken aus Hattingen

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