Barocker Karneval rund um den Canal Grande

Das Foto zeigt (v.l.) Bettina Krelaus (48), Monika Anti
 (63), Sabine Stadler (39), Heike Breidenbach (43), Katja Födisch (36) und Bärbel Polkehn (62). Foto: Sander
  • Das Foto zeigt (v.l.) Bettina Krelaus (48), Monika Anti
    (63), Sabine Stadler (39), Heike Breidenbach (43), Katja Födisch (36) und Bärbel Polkehn (62). Foto: Sander
  • hochgeladen von Dr. Anja Pielorz

(von Cay Kamphorst) Einmal zum Karneval nach Venedig, wer träumt nicht davon? Sechs Hattinger Damen erfüllen sich diesen Traum alle vier Jahre – sofern es sich finanziell einrichten lässt. Morgen, an Weiberfastnacht, da ist es wieder einmal soweit.

Wenn sie fahren, dann in kompletter Verkleidung barocker Damen, dem venezianischen Karneval angepasst. „Wir entwerfen unsere Kostüme selbst und schneiden sie zu. Die letzten Näharbeiten übernimmt eine Schneiderin“, erzählt die 63jährige Monika Anti
.
„Die Fahrten sind teuer. Wir bleiben vier Tage in Venedig und residieren dort im extra angemieteten Appartement für uns alle in einem Palazzo direkt am Canal Grande.“ Die Kostüme sehen sehr aufwändig aus, seien aber gar nicht so teuer. „Wir werfen nichts weg und sind sehr kreativ. Wir alle haben einen blauen Mantel, der fast immer die Grundlage des neuen Kostümentwurfs ist. Um ihn herum kreieren wir die entsprechenden Designs.“
Doch wie kommt frau auf die Idee, regelmäßig in großartiger Kostümierung den venezianischen Karneval anzufliegen? „Irgendwie möchte doch jeder dort mal hin!“, erklärt Monika Anti
. „Wir sind ursprünglich eine Freundinnengruppe, die sich schon seit 30 Jahren kennt, zumindest der harte Kern“, lacht die 63jährige Hattingerin. „Die glorreichen Sieben sozusagen. Im Laufe der Jahre sind natürlich immer mal Frauen altersbedingt ausgeschieden und neue, jüngere haben sich dazugesellt. Wir sind ein lustiger Haufen, der sich zu gemeinsamen Abenden und Unternehmungen trifft, beispielsweise fahren wir jedes Jahr zum Weiberkarneval nach Köln. Daraus entstand dann auch die Idee, mal nach Venedig zu fliegen und sich den dortigen Karneval anzusehen.“
Im Mittelpunkt der „Golden Girls“, wie sich die Damen selbst nennen, stehe aber nicht der Karneval, sondern die gemeinsamen Aktivitäten an sich.„Wir feiern die Geburtstage zusammen, treffen uns für Tagesausflüge oder einfach so zum Reden. Einmal im Jahr fahren wir auf jeden Fall nach Kroatien“, beschreibt die 42jährige Heike Breidenbach einen festen Bestandteil der Gruppenaktivitäten und Monika Anti
wirft ein, dass ihre Männer sie dabei sehr unterstützen und inzwischen selbst Freundschaften untereinander geschlossen haben.
Aber Heike Breidenbach hatte anfangs mit dem venezianischen Karneval nichts am Hut. „Ich bin auch ursprünglich über das Trommeln zur Gruppe gestoßen. Alle zwei Wochen treffen sich etwa zehn Frauen zum Trommelunterricht. Das macht einen Riesenspaß.“
Zur Auswahl stehen brasilianische und afrikanische Trommeln. Das Schlagen der Instrumente sei sehr befreiend und weil die schweren Schlaggeräte noch dazu über Riemen am Körper getragen werden, sei es auch eine Form von Sport. „Das ist ganz schön anstrengend und darf man nicht unterschätzen. Hinterher wissen wir durchaus, was wir gerade gemacht haben“, lacht Monika Anti
. „Trommeln hält richtig fit und wir sind eine tolle Truppe im Alter von 35 bis 65 Jahren. Interessierte sind jederzeit herzlich. Wir freuen uns über jeden Neuzugang.“
Wer gerne trommele, müsse auch nicht zwangsläufig den karnevalistischen Aktivitäten beiwohnen. Es gebe einige Frauen, die beim Perkussionsunterricht mitmachen, aber an weiteren Unternehmungen nicht teilnehmen möchten. „Das ist alles kein Problem. Jede kann, keine muss!“
Zurück zum venezianischen Karneval. „Nach Köln fahren wir immer verkleidet, aber nicht immer in unseren barocken Kostümen. Die tragen wir nur, wenn es anschließend noch mit dem Flieger nach Italien geht.“
Und in solchen Jahren haben die Verkleidungskünstlerinnen ein volles Programm, das Monika Anti
beschreibt: „Um 6.40 Uhr fahren wir in Hattingen mit der S-Bahn los.“ Wenn man bedenkt, dass die Kostümierung inklusive der Perücken und des üppigen Make-ups bis zu zwei Stunden dauert, beginnt der Tag deutlich früher. „Etwa halb neun sind wir dann in Köln und verbringen dort den Tag bis 16 Uhr. Dann geht es direkt zum Flughafen und um 18 Uhr geht unser Flieger Richtung Italien.“ Monika Anti
freut sich. „Wir werden dann sogar vom Flugkapitän extra begrüßt, weil wir in unseren Kostümen schon bekannt sind.“
In Venedig leben sie dann den venezianischen Karneval stilecht mit allem, was dazu gehört. „Wir mieten das Appartement im Palazzo, machen eine traditionelle Gondelfahrt und flanieren auf dem Markusplatz.“ Die Erinnerung und Vorfreude lässt die Augen der Hattingerin strahlen.
„Das ist kein Vergleich zum deutschen Karneval! In Venedig geht es ganz ruhig zu, mit klassischen Konzerten in den Straßen und einer tollen Atmosphäre. Die Verkleidungen der Frauen und Männer sind stilecht und einfach fantastisch!“ Abends gebe es Veranstaltungen in den Palazzi, aber „die Karten kosten pro Person ab 300 Euro aufwärts und das ist uns dann doch zu teuer.“
Da ziehen sich die deutschen Karnevalsdamen, die nach eigenem Bekunden „eigentlich überhaupt keinen Karneval mögen“, in ihre Räumlichkeiten zurück und genießen dort echte, italienische Pizza.

Autor:

Dr. Anja Pielorz aus Hattingen

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