Mit Wollmütze auf der Anklagebank

Für den Diebstahl eines Wodka-Flachmanns von 2,39 € muss ein 55 Jahre alter Hattinger 250 Euro Strafe zahlen.

Wir hatten vorher eine „Tüte geraucht“ und meine 4 Langzeittherapien, vom Alkohol loszukommen, haben auch nichts gebracht, sagte der Hattinger vor Gericht aus. Er war erstaunt, als ihn Richter Kimmeskamp informierte, dass es bereits Diebstahl sein kann, wenn man in einem Geschäft einfach Waren in seinen Rucksack packt, anstatt einen Einkaufskorb oder –wagen des Geschäftes zu benutzen.

Der Hattinger, der während der ganzen Gerichtsverhandlung seine Wollmütze nicht abnahm, hatte im Juni 5 Dosen Bier und einen Wodka-Flachmann in seinen Rucksack gesteckt und an der Kasse in einem Kaufhaus an der Großen Weilstraße nur die 5 Dosen Bier bezahlt. Nachdem er den Kassenbereich verlassen hatte, war er vom Ladendetektiv angehalten worden.

„Ich lasse immer nur die Kassierer in meinen Rucksack schauen und bezahle dann. Den Wodka-Flachmann muss ich wohl vergessen haben anzugeben", sagte der Hattinger.

Nun war es für ihn schon die vierte Verurteilung wegen Diebstahls hintereinander. In „seinem letzten Wort“ vor der Urteilsverkündung bat der Hattinger, bei der Strafzumessung seine geringe Rente zu berücksichtigen, die monatlich noch durch „Sozialgeld“ aufgefüllt wird.

Mit 25 Tagessätzen zu je 10 Euro, also mit 250 Euro Strafe für den wiederholten Ladendiebstahl „schrammte“ der Angeklagte noch einmal an einer Freiheitsstrafe vorbei.

Stichwort : Ladendiebstahl
Obwohl bundesweit mittlerweile 15.000 Ladendetektive und Sicherheitsleute in den Geschäften unterwegs sind, geht der Schaden durch Ladendiebstähle nicht zurück: 2016 haben Kunden, Lieferanten und eigene Mitarbeiter wie im Vorjahr Waren im Wert von 3,4 Milliarden Euro mitgehen lassen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Kölner EHI Handelsforschungsinstitut. Daran hatten sich 100 Firmen mit 23.500 Filialen beteiligt.

Die Fachleute haben hochgerechnet, dass 26 Millionen Diebstähle unentdeckt blieben: "Wir gehen davon aus, dass nur zwei Prozent der Fälle erkannt und angezeigt werden", sagte EHI-Studienleiter Frank Horst im Pressegespräch. "Wenn man das umrechnet, dann entsteht dem Handel jeden Tag ein Schaden von 7,3 Millionen Euro."

Autor:

Hans-Georg Höffken aus Sprockhövel

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