„Starke Jungs“ sollen ihre Opfer verstehen lernen

Sie stehen hinter dem Projekt  „Starke Jungs“ an der Gesamtschule Hattingen: Thomas Alexander, Lilo Ingenlath-Gegic,  „Trainer“ Cahit Bakir, Stefan Rauh und Bernd Kalle. Foto: Römer
  • Sie stehen hinter dem Projekt „Starke Jungs“ an der Gesamtschule Hattingen: Thomas Alexander, Lilo Ingenlath-Gegic, „Trainer“ Cahit Bakir, Stefan Rauh und Bernd Kalle. Foto: Römer
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„Starke Jungs“ heißt ein Verhaltenstraining an der Gesamtschule Hattingen in Welper. Initiiert wurde es von der „Phönix – Ambulante Jugend- und Familienhilfe“ als durchführendem freiem Träger und finanziert von der Volksbank.

Cahit Bakir ist Sozialarbeiter und Sozialpädagoge und führt das Projekt für „Phönix“ als „Trainer“ einmal wöchentlich über zwei Schulstunden hinweg durch. Jetzt, in der vierten Woche von „Starke Jungs“, sind 13 Gesamtschüler aus den fünften und sechsten Klassen dabei. Darunter befinden sich schön gleichmäßig verteilt Sprösslinge aus türkisch- und russischstämmigen sowie deutschen Familien.
„Die Jungs haben durch die Bank alle irgendetwas angestellt“, beschreibt „Trainer“ Cahit Bakir die Ausgangssituation. „Sie sind durch gewaltbereites, aggressives oder destruktives Verhalten aufgefallen. Einige haben sich geprügelt, Drohungen ausgestoßen, andere Schüler übel beschimpft.“
Seine Aufgabe besteht darin, in der Gruppe Lösungsstrategien und Konfliktverhaltensänderungen zu vermitteln, beispielsweise dahin gehend, dass sie sich in ihre Opfer hineinversetzen können, quasi verstehen, was sie einem anderen „antun“. Opfer-Empathie nennt das der Fachmann.
Cahit Bakir: „Sie sollen einfach mitbekommen durch eigene Wahrnehmung und in der Gruppe, wie sie sich in Konfliktsituationen verhalten und wie sieht das Opfer die Sache. Meistens haben die Täter keine Opfer-Empathie. Ziel meines zehnwöchigen Trainings ist es, dass Täter ihr ,Mitgefühl‘ wiederentdecken. Dabei sehe ich meine Arbeit eher präventiv. Denn meine Hoffnung ist Nachhaltigkeit, dass meine Schüler also ihre wiederentdeckten Erfahrungen innerhalb ihrer Clique sozusagen ,auf Augenhöhe‘ weitergeben, dass sie so etwas wie ein positives Vorbild abgeben.“
Ideal sei es, wenn einer seiner verhaltenstrainierten Schüler in seinem Freundeskreis später einmal einem Kumpel sage, hey, das finde ich nicht gut, was du machst.
Erreicht wird so etwas durch Ansätze und Übungen. Es werden Themen behandelt wie Fremd- und Eigenwahrnehmung, Emotionen, Nähe und Distanz, Konfrontation, subjektive Wahrheiten, Kommunikation, Fremdenfeindlichkeit oder Toleranz. Erprobtes Mittel zur Zielerreichung sind dabei Rollenspiele. Oder Aufgaben, in denen der Beweis erbracht wird, dass Erfolg sich nur einstellt, wenn etwas gemeinsam und mithilfe von Kommunikation gemacht wird.
Eine dieser Übungen haben alle Mitarbeiter bei „Phönix“ selbst ausprobiert und waren überrascht, wie schwierig das war: Es ging darum, einen ausgeklappten Zollstock, der auf Fingern aller balanciert wurde, gemeinsam auf den Fußboden zu legen. Letztlich klappte das nur, als alle miteinander „redeten“. Fazit: Kommunikation ist wichtig, Zusammenarbeit auch.
Das alles ist in zehn Wochen Projektlaufzeit schwer zu vermitteln. Daher arbeitet die Schule durch ihren eigenen Sozialarbeiter Stefan Rauh weiter an dem Ziel.
„Phönix“-Chef Bernd Kalle, selbst Sozialarbeiter von Beruf: „Wir stehen mit allen Hattinger Schulen in Kontakt und pflegen ein enges Netzwerk, um praktisch eingreifen zu können. Im Rahmen dieser pädagogischen Gespräche sind wir auf das Thema Verhaltenstraining gestoßen. Den Anfang haben wir jetzt mit der Gesamtschule in Hattingen gemacht.“

Autor:

Roland Römer aus Hattingen

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