Kinderschutzbund unterstützt Projekt an der Heggerfeldschule
Hast Du ein "Ja-Gefühl?"

Lehrerin Nadja Bischoff, Martin Rösner und Cordula Bludau sowie Lehrerin Jenny Heinbruch sind von dem Projekt überzeugt. Foto: Pielorz
  • Lehrerin Nadja Bischoff, Martin Rösner und Cordula Bludau sowie Lehrerin Jenny Heinbruch sind von dem Projekt überzeugt. Foto: Pielorz
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Unter dem Motto „Mein Körper gehört mir“ bietet die Theaterpädagogische Werkstatt Osnabrück seit vielen Jahren ein Projekt gegen sexuellen Missbrauch an. Viele Grundschulen haben sich das Stück mittlerweile angesehen. Oft kommt es in der dritten oder vierten Grundschulklasse zum Einsatz. So auch in der Grundschule Heggerfeld. Der Kinderschutzbund Hattingen/Sprockhövel unterstützt die Schulen über die Fördervereine. Beim Projekt in der Heggerfeldschule fließen für fünf Klassen knapp 1500 Euro.
Dreimal kommen die Schauspieler in die Klasse und zeigen mit Musik und vielen Gesprächen, worum es geht: Wenn du ein Ja-Gefühl hast, kannst du Ja sagen und wenn du ein Nein-Gefühl hast, kannst du Nein sagen. Du kannst anderen Leuten sagen, wie du dich fühlst, wenn du berührt wirst – das ist der erste Teil. Immer wieder kommunizieren die beiden Schauspieler mit den Kindern, verändern Szenen und spielen sie noch einmal. Dabei sind viele Szenen auch einem ganz normalen Alltag entnommen. Wie ist das, wenn ein Kind der Tante oder dem Onkel immer ein Küsschen geben soll? Oder umgekehrt? Und eigentlich mag man die Tante oder den Onkel gar nicht so gern… Fragen und Antworten gehen hin und her – dazwischen wird ein so eingängiger Song gespielt und gesungen, der sich nicht durch alle drei Teile des Stücks zieht, sondern eigentlich auch dann im Gedächtnis der Schüler bleibt, wenn diese die Schule schon längst verlassen haben: Mein Körper, der gehört mir allein. Du bestimmst über dein und ich über mein…
In einem zweiten Termin geht es dann erstmalig um das „eigentliche Thema“, den sexuellen Missbrauch. Es geht um Exhibitionismus, um Chatten und um Hilfen. Im dritten Teil schließlich geht es um schlechte Geheimnisse, die man nicht für sich behalten sollte. Und immer wieder sind Hilfsangebote der quasi rote Faden, der sich durch das Stück zieht und den Kindern Mut macht, Hilfe zu holen, wenn sie es für notwendig erachten. Das Stück selbst wird schon seit vielen, vielen Jahren aufgeführt. Am Anfang war es nicht selten so, dass es vorab von den Eltern einmal ganz angeschaut und danach diskutiert wurde, ob man das Thema in der Altersgruppe der Achtjährigen überhaupt besetzen sollte. Heute wird den Eltern in der Regel auf schriftlichem Weg mitgeteilt, dass im Unterricht das Thema besprochen und ergänzend das Theaterstück gezeigt wird. Allerdings: „Gerade an unserer Schule gibt es viele Kinder mit Migrationshintergrund. In den verschiedenen Kulturen wird mit dem Thema sehr unterschiedlich umgegangen und oft ist es im Elternhaus ein Tabuthema. Das merken wir schon“, weiß Lehrerin Nadja Bischoff. Sie findet das Thema aber genauso wichtig wie die Kollegin Jenny Heinbruch. Sie setzt sich ebenso wie ihre Kollegin dafür ein, Kindern zu signalisieren: Wenn Du ein schlechtes Gefühl bei körperlichen Berührungen hast, dann must Du mit einer vertrauten Person darüber sprechen. In der Regel sind das die Eltern oder aber auch eine Lehrerin.
Das Theaterstück selbst ist übrigens kein Klassiker vor dem Hintergrund „Vorhang auf und dann geht es los!“ Bevor die Kinder die Schauspieler erleben sprechen diese als reale Personen mit den jungen Zuschauern. Denn „Mein Körper gehört mir“ ist keine Show, sondern eine lebhafte Unterhaltung mit Kindern. Kindgerechte Sprache gehört genauso dazu wie eben der Körpersong. Auch während der Spielszenen ist es wichtig, die Kinder einzubeziehen: Wie fühlt sich der Junge jetzt gerade? Was hättet ihr gemacht?
Weil die Kinder mitdenken, mitfühlen und mitreden, verinnerlichen sie die Geschichten und Botschaften auch langfristig. Wenn der Pausengong den Besuch beendet, beschäftigt das Thema die Kinder weiter. Und das ist gewollt.

Autor:

Dr. Anja Pielorz aus Hattingen

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