Der Sagensammler: Dirk Sondermann veröffentlichte sein erstes Buch vor 25 Jahren - Mittwoch live auf WDR 5

Dirk Sondermann und sein Buch mit Hattinger Sagen.Foto: STADTSPIEGEL-Archiv
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Dirk Sondermann ist Sagen-Sammler mit Leib und Seele, wird wegen seines umfangreichen Wissens über die Welt der Elfen und Riesen, der Götter und Geister, der Ritter und Räuber, der Helden und Schwachen auch gern der "Sagenpapst" genannt. Am nächsten Mittwoch, 26. Oktober, ist er deshalb im Radio auf WDR 5 in der Sendung "Neugier genügt" 30 Minuten lang live zu erleben.

"Ich freue mich sehr auf diese Live-Sendung", gibt er schmunzelnd im Gespräch mi dem STADTSPIEGEL zu. "Im Radio war ich bereits des Öfteren, aber live, das ist noch einmal eine andere Nummer."
Gleichzeitig kann der 54jährige, eigentlich Diplom-Theologe, aber nach einer Gärtner-Lehre heute mit einer Gartenbau-Firma selbstständig, was er nach seinen Worten "nie bereut" hat, auch feiern: Vor genau 25 Jahren hat Dirk Sondermann sein erstes Sagenbuch herausgegeben. "Das ergab sich so, weil ich damals noch in Bochum wohnte", sagt er heute.
Lesen hat ihn bereits früh interessiert. Es fing an mit seines Vaters alter Bibel: "Die war in Fraktur geschrieben und daher für mich schwer zu lesen. Was ich darin erfuhr, fand ich aber faszinierend."
Im Laufe der Jahre wuchs sein Interesse am Lesen noch und er entdeckte die Vertreter der deutschen Romantik wie Georg Philipp Friedrich Freiherr von Hardenberg, besser bekannt als "Novalis", der Lieblingsdichter von Dirk Sondermann. Aber auch beispielsweise Clemens Brentano oder Heinrich Heine.
Dirk Sondermann: "Damals bei der Bundeswehr hatte ich Panzer zu bewachen. Damit die Zeit verging, habe ich dabei Novalis gelesen", lacht er heute und fährt gleich wieder ernst fort: "Die Romantiker liebten das Mythische und Märchenhafte, waren auch Sagen zugetan. So stieß ich darauf. Vor übrigens genau 200 Jahren erschienen die Sagen der Gebrüder Grimm. Sagen liegen beispielsweise Wagner-Opern oder dem Freischütz von Weber zugrunde und hielten ebenfalls in der Malerei Einzug."
Selbstverständlich die Nibelungen-Sage mit Siegfried und Krimhild, Hagen und Etzel, die klassischen Sagen über Troja, Odysseus und die anderen Helden und Götter hat er regelrecht verschlungen, aber auch die Edda mit ihren skandinavischen Götter- und Heldensagen begeistern ihn noch immer.
Irgendwann stellte Dirk Sondermann fest, dass es keine Sagenbücher über seine damalige Heimatstadt Bochum gab. So fing er an, Sagen zusammenzutragen und sie als Buch zu veröffentlichen. "Das ist von meinen inzwischen sechs Büchern das bislang erfolgreichste und erreichte bereits die vierte Auflage", erzählt er und verweist darauf, dass es sogar auf Russisch übersetzt wurde - für Aussiedler: "Sie sollten sich mit der deutschen Sprache auseinandersetzen und gleichzeitig etwas über die Geschichte ihrer neuen Heimat erfahren. So lernen sie ihre Orte kennen und erhalten einen emotionalen Zugang dazu. Für mich als Herausgeber des Sagenbuches ist das ein idealtypischer Fall von Akzeptanz", beschreibt er. Das möchte er auch für Hattingen anregen und sich daher mit Alla Weber von der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland in Verbindung setzen.
Dirk Sondermann, der unzählige Lesungen über Sagen gehalten hat und nach wie vor hält, hat viele Schauplätze von Sagen selbst bereist: "Sagen sind ein idealer Einstieg in die Welt der Geschichte. Sie vermitteln Werte, denn in vielen geht es um auch heute aktuelle Themen wie Lebensmittelvernichtung und Hunger oder richten sich wie in der Roswitha Sage von Blankenstein gegen Gier. Sie sind emotional, weil sie mit dem Ort oder der Region Verbundenheit hervorrufen, fördern Engagement im Gemeinwesen und sind letztlich auch touristisch interessant. Da schaue man nur in Richtung Rhein und Loreley. Daher verstehe ich nicht, dass sich Hattingen als Drei-Burgen-Stadt der Sagen nicht touristisch annimmt, diesem Alleinstellungsmerkmal, das meiner Meinung nach zumindest mittelfristig auch Geld in die Hattinger Kasse spülen würde."

Autor:

Roland Römer aus Hattingen

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