Sprockhövelerin Katharina Besler hat in Boston keinen Stress, keinen Zeitdruck

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Hier sieht es schon herbstlicher aus als noch auf den letzten Fotos der jungen Sprockhövelerin Katharina Besler, die zur Zeit in der Nähe von Boston lebt. Foto: privat
 
Auch "Touristenfotos" müssen mal sein: Katharina Besler mit Steuermann. Foto: privat
Haverhill (Vereinigte Staaten): Boston | (von Katharina Besler)

Für ein Jahr in die USA, genauer in die Nähe von Boston, ist die junge Sprockhövelerin Katharina Besler (22) gereist. Sie wohnt und arbeitet dort in einer Art Wohngemeinschaft, in der sie behinderte Menschen betreut. Der STADTSPIEGEL berichtet ausführlich über ihren geplanten Freiwilligendienst für die "L'Arche Irenicon" in Haverhill. Hier meldet sich Katharina Besler mit einem Zwischenbericht von dort über ihr Leben vor Ort.

In den ersten drei Wochen habe ich nur beobachtet, um alle Abläufe kennenzulernen. Ich konnte einiges lernen, indem ich gesehen habe, wie die anderen Assistants handeln. Daher waren die ersten Tage super spannend. Ich habe so viele Dinge erlebt, die anders sind als in Deutschland. Es gibt echt einige Unterschiede.
Die Leute hier sind alle sehr freundlich. Egal in welchem Geschäft man ist, man wird an jeder Kasse gefragt, wie es einem geht. Man kommt super easy mit jemanden ins Gespräch - Smalltalk ist hier gang und gäbe. Mir kommt es so vor, als kennen die Leute hier keinen Stress oder Zeitdruck - ganz nach dem Motto: „Kommste heute nicht, kommste morgen."
Das Community Feeling hier ist unglaublich und hat mich relativ schnell auch erreicht. Hier wird jeder Mensch so akzeptiert, wie er ist - mit seinen ganzen Stärken und Schwächen.
Es wird ganz viel zusammen unternommen. Einmal im Monat gehen wir gemeinsam zum Bowling. Dann ist jeden Monat das Community Meeting. Dort wird besprochen, was im nächsten Monat so ansteht und welche Möglichkeiten man als Assistant hat, das Community Leben mitzugestalten. Am Ende jeden Monats gibt es die Birthday Celebration, eine große Feier für alle, die in dem Monat Geburtstag hatten. Es gibt mehrere leckere Kuchen, man feiert zusammen. Es werden einige Programmpunkte angeboten. Unter anderem wird zusammen gesungen und man hat die Möglichkeit, jedem Geburtstagskind etwas Nettes mit auf den Weg zu geben.
Im Frühling gibt es eine Aktion, die nennt sich „Taste of Spring“. Dabei, geht es um Fundraising, also Spendensammeln. Ich freue mich schon auf den Tag und helfe gerne mit zu planen. Ich bin schon gespannt, was mich erwartet.
Von den Supermärkten hier war ich am Anfang total überfordert. Die sind riesig und es gibt von jeder Sache mindestens drei verschiedene Ausführungen. Der Saft ist ein gutes Beispiel. Es gibt nicht drei oder vier, zwischen denen man wählen kann - nein, es gibt ein ganzes Regal mit den verschiedensten Säften. Ein wirklich langes Regal, eine Wand nur für Säfte. Das war die totale Reizüberflutung.
Die Community hier ist christlich. Wir gehen jeden Sonntag gemeinsam mit Core membern in eine katholische Kirche. Man sieht dort so viele verschiedene Menschen: Die einen sind total schick angezogen, die anderen kommen in Jogginghose. Danach treffen uns meist mit anderen Assistants und Core membern bei "Heavenly Donuts" zu einem zweiten Frühstück. Es gibt hier wirklich an jeder Ecke Donuts. Sogar auf dem Highway entdeckt man große Schilder für „Food Exits“.
Ich habe drei Tage die Woche frei. Das ist total super, so habe ich jede Menge Zeit, um die umliegende Orte zu entdecken, zu reisen, Freunde in den USA zu besuchen. Ich war schon zweimal am Strand, einmal am Strand in Salisbury. Der ist ganz in der Nähe von uns. Jetzt ist die Saison schon vorbei. Wenn diese aber wieder startet, fährt sogar ein Bus von Haverhill durch nach Salisbury, sodass man da sehr gut hinkommt. Es ist ein kleiner, aber schöner Strand. Wir sind am Wasser spazieren gegangen und haben uns in jedes zweite kleine Strandhaus verliebt.
Haverhill gehört zum Staat Massachusetts und grenzt direkt an New Hampshire. Dort gibt es den Hampton Beach, da war ich zum Seafood Festival. Der Strand ist total weitläufig und hat einen Boulevard mit ganz vielen kleinen süßen Beachshops. Wenn man den Beach hinter sich lässt und die Küste weiter fährt, kommt nach einer Weile zu einer Stelle, wo man ganz viele Surfer beobachten kann.
Hier gibt es lauter süße kleine Farmen. Im Summer geht man dort zum Pfirsich pflücken und jetzt im Herbst sind die Äpfel an der Reihe. Das haben wir auch schon gemacht.
Gerade war es hier noch gefühlt wie im Sommer und jetzt freue ich mich total auf Weihnachten und den Jahreswechsel. Unser Plan ist, Silvester in New York zu verbringen.
Ein sehr großer Brauch hier in der Arche ist es, Feste zu feiern. Geburtstage werden gebührend gefeiert, jeder von uns ist fest im Kalender eingetragen.
Ich könnte noch ewig weiter schreiben, komme aber nun langsam mal zum Ende. Ich habe mich schnell daran gewöhnt Englisch zu sprechen und jetzt ist es sogar schon komisch, wenn ich deutsch schreibe. Auch "Touristenfotos" müssen mal sein: Katharina Besler mit Steuermann.Foto: privat
"Gerade war es hier noch gefühlt wie im Sommer und jetzt freue ich mich total auf Weihnachten und den Jahreswechsel. Unser Plan ist, Silvester in New York zu verbringen."
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2 Kommentare
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Armin Mesenhol aus Kamp-Lintfort | 05.12.2017 | 17:37  
Oliver Borgwardt aus Gladbeck | 06.12.2017 | 12:14  
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