Hallenbosseln hat beim VfK Iserlohn Tradition

In der Turnhalle der Schule im Wiesengrund steht jeden Mittwoch Hallenbosseln des VfK Iserlohn auf dem Programm.
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"Mieseköppe brauchen wir nicht!"

Man nimmt die Bossel in die Hand, schwingt den Arm locker hin und her und lässt dann los. Im richtigen Moment. So, dass der Schiebestock schön flach aufsetzt und mit ordentlich Schmackes gerade ins Zielfeld saust. Andere Bosseln, die im Weg liegen, elegant-energisch an die Seite kickt und möglichst nah an der Daube, einem kleinen roten Würfel, zum Stehen kommt.

Von Hilde Goor-Schotten

Iserlohn. Das ist der Idealfall. Klappt es nicht so gut, poltert die Bossel – immerhin 4,5 Kilo schwer - krachend und kreiselnd durch die Halle. „Alles Übungssache“, sagt Günter Wilbert: „Die Technik lernt man im Lauf der Zeit.“
Er gehört zu den rund 20 Hallenbosslern des VfK Iserlohn, die sich an jedem Mittwochabend in der Turnhalle der Schule Im Wiesengrund zum „Eisstockschießen ohne Eis“ treffen. Der Wintersportart kommt das Bosseln am nächsten, das nicht mit dem ostfriesischen Boßeln zu verwechseln ist und den Vorteil hat, dass es in der Halle und somit das ganze Jahr über gespielt werden kann. In Iserlohn hat sich das Hallenbosseln etabliert: Zum zehnten Mal werden Stadtmeisterschaften ausgetragen, neun Mannschaften sind dabei.
Gespielt wird in Teams aus drei Spielern und einem Mannschaftsführer. Zwei Mannschaften treten jeweils in einer Spielrunde à sechs Durchgängen gegeneinander an. Pro Durchgang hat jeder Spieler einen Wurf. Ziel ist es, die eigene Bossel möglichst nah an die Daube im Zielfeld heranzubringen. Dabei dürfen, wie beim Billard oder Boule, andere Bosseln oder die Daube weggestoßen werden. Alle Bosseln, die am Ende des Durchgangs im vier Meter langen Zielfeld stehen, erhalten Punkte.
Da ist Taktik gefragt und Gefühl; vor allem auf den Boden muss man sich einstellen. Gebohnert (wie beim Eisstockschießen) wird nicht, wenn der Stock Richtung Daube rutscht - bei der Bossel sitzen die Bürsten direkt unter der Scheibe. Die Witterung spielt aber auch beim Indoor-Sport eine Rolle. „Bei trockenem Wetter ist die Bahn sehr glatt und schnell“, erklärt Wilberg: „Ist es draußen feucht, ist der Boden stumpf.“
„Man braucht Kraft und Schwung“, sagt der 75-Jährige. Immerhin gilt es, eine Strecke von zwölf (bei Männern) beziehungsweise zehn Metern (bei Frauen) zu überwinden. Das ist ganz schön lang, wie Anfänger schnell feststellen. „Die Kraft baut man aber schnell auf“, tröstet Iris Thomas angesichts der einsamen, weit vorm Zielfeld gestoppten Bossel und erzählt von ihrem Start: „Ich war ein Schlappschwanz, ein echtes Mimöschen. Heute bin ich richtig fit.“ Ihr Mann Günther ist mit 89 Jahren der Älteste in der Gemeinschaft und hat noch immer, wie Günter Wilberg sagt, eine sagenhafte Energie.
Hallenbosseln kommt aus dem Behindertensport, sei etwas für Alt und Jung. Das bestätigt auch Ramona Jankowsky, die die Abteilung beim VfK leitet. Die jüngste Bosslerin ist 39 Jahre alt und kann den Sport nur empfehlen. Das Miteinander, wenn mittwochs um 18 Uhr die Bosseln ausgepackt werden, ist herzlich. „Spaß wird großgeschrieben“, sagen alle: „Mieseköppe brauchen wir nicht.“ Alle anderen sind herzlich eingeladen, mal in der Turnhalle der Wiesengrundschule zum Probe-Bosseln vorbeizuschauen. 

Autor:

Christoph Schulte aus Hemer

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