DRV: Zukunftsangst statt weiterkommen

Multiple Sklerose gehört per Definition zu den neurologischen chronischen Autoimmunerkrankungen. Im Verlauf kommt es zu Schüben, die körperliche Beschwerden wie Sehminderung, Taubheitsgefühle und Bewegungseinschränkungen verursachen können. Je nach Verlauf bleiben diese Beschwerden bestehen, bis letztendlich der Patient pflege-und hilfsbedürftig ist. Diese Erkrankung kann sowohl im Alter (40 bis 50 Jahre) aber auch im jungen Erwachsenenalter (bis zum 30.Jahr) einsetzen. Eine vollständige Heilung gibt es bislang nicht. Lediglich die Symptome lassen sich zum Teil behandeln ( Schmerzlinderung zum Beispiel).

Ein guter Freund von mir ist an besagter Multipler Sklerose erkrankt und auch bei ihm ist es bereits zu Schüben gekommen und Beschwerden treten je nach Tagesform vermehrt auf. Wir lernten uns als Gesundheits-und Krankenpfleger im Dienst im Krankenhaus kennen. Zu diesem Zeitpunkt war bereits ein Arbeitsleben im Dreischichtsystem, das heißt Frühdienst, Spätdienst und Nachtdienst, nicht mehr möglich. Er machte die Erfahrung, dass seine Symptome und Beschwerden durch den gestörten Tages-und Nachtrhythmus, aufgrund des Schichtsystems, mehr wurden. Auf der einen Seite arbeitete er dann nur noch in einer Schicht, um einen gesunden Rhythmus zu haben, auf der anderen Seite fehlten die Zuschläge für die Nachtschicht in der Lohnauszahlung.

Zu Beginn des letzten Jahres entschied mein Freund dann den derzeitigen Beruf, aus gesundheitlichen Gründen zu verlassen. Hierzu wandte er sich an die Deutsche Rentenversicherung (DRV), um eine Umschulung zu beantragen, da er weiterarbeiten wollte. Die DRV war nur schwerereichbar, da zunächst niemand Anfragen per Email oder postalisch zu beantworten schien und das Telefon wurde auch nicht abgehoben. Irgendwann nach mehreren Wochen kam tatsächlich ein Brief, in dem es hieß, dass es keine Umschulung geben würde, da sie meinen Freund zunächst in eine Rehabilitation schicken wollen würden.

Eine kurze Anmerkung: Eine Rehabilitation soll dazu dienen Menschen, die zum Beispiel einen Schlaganfall erlitten haben oder an der Hüfte operiert wurden, zu helfen, dass sie wieder ihre Fähigkeiten wiedererhalten und wieder eigenständig ins Leben zurückkehren. Die Beschwerden sind also rückläufig. Zur Erinnerung bei MS verbleiben diese und sind auch nicht rückläufig.

Es folgte eine lange Auseinandersetzung die bis heute anhält. Im Verlauf wurden medizinische, soziale und psychologische Gutachten erstellt zwischen denen Monate lagen. Mein Freund versuchte es beim Arbeitsamt, doch die teilten ihm mit, dass solange die DRV ihn nicht im System freigäbe, sie ihn nicht adäquat vermitteln könnten. Die Auseinandersetzung dauert nun mehr als 1 1/2 Jahre, mittlerweile wurde das vierte Gutachten eingefordert, finanziell sieht es schlechter als am Anfang aus (der zweite Umzug steht bevor) und nach wie vor kein Ende beziehungsweise keine Zukunft in Sicht.

Nun möchte ich Sie fragen, geehrte Leser und Leserinnen: Kennen Sie eine derartige Situation? Haben Sie ähnliche oder sogar die gleiche Erfahrung gemacht?

Autor:

Julia Damer aus Herdecke

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