Ein letzter Fall

Auch auf den beliebtesten Kommissar wartet irgendwann der Ruhestand. In „Der Feind im Schatten“ lässt der schwedische Autor Henning Mankell seinen Helden Kurt Wallander ein allerletztes Mal ermitteln.

Dieser letzte Fall führt zurück in die Zeit des Kalten Krieges und in die schwedische Nachkriegsgeschichte. Hakan von Enke, ehemaliger U-Boot-Kommandant und zukünftiger Schwiegervater von Wallanders Tochter Linda, gewährt dem Kommissar brisante Einblicke in eine politische Affäre: Fremde U-Boote drangen in den achtziger Jahren mehrfach in schwedische Hoheitsgewässer ein, wurden aber nie identifiziert. Von Enke hat dazu jahrelang recherchiert und glaubt sich einer Lösung nahe. Doch dann verschwindet er spurlos, und als kurz darauf auch noch Enkes Ehefrau als vermisst gilt, steckt Wallander bereits mitten in den Ermittlungen.
Auf einer zweiten Erzählebene funktioniert dieser Roman auch als Erinnerungsbuch für treue Wallander-Fans. Immer wieder erinnert sich der mittlerweile 60-jährige Kommissar an seine früheren Fälle, etwa wenn er über die Ermordung einer jungen Schauspielertruppe oder einen brutalen Mord an einem alten Bauern-Ehepaar nachdenkt. Überhaupt scheint „Der Feind im Schatten“ streckenweise mehr eine Biographie Wallanders als ein Kriminalroman zu sein, etwa wenn der schwedische Kommissar noch ein letztes Mal auf seine große Liebe Baiba trifft.
Der titelgebende „Feind im Schatten“ bedeutet für Wallander zweierlei: zum einen beschreibt er die frustrierende Suche nach dem im Hintergrund wirkendem Spion, zum anderen seine vermehrt auftretenden Gedächtnislücken: „Ein Schatten war plötzlich über sein Dasein gefallen. Es war, als hätte ein anderer an seiner Stelle gehandelt und dann seine Erinnerung ausgeschaltet, damit er nicht wusste, was passiert war.“
Das Ende Wallanders ist traurig, aber endgültig: „Langsam sollte Kurt Wallander in einem Dunkel verschwinden, das ihn einige Jahre später in das leere Universum entließ, das Alzheimer heißt.“

Henning Mankell / Der Fremde im Schatten /Paul Zsolnay Verlag / 588 Seiten

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