Was Sie hören und was Sie besser lassen sollten

Als DJ bin ich häufig in der so genannten schwarzen Szene unterwegs und es ist immer wieder schön zu sehen, dass einzelne Künstler es schaffen, ihre Musik auch bei einer großen Anzahl von Hörern zu platzieren. Häufig wird im Untergrund dann von Ausverkauf gesprochen.

Mit der Single „Geboren um zu leben“ brach der Graf mit seiner Band Unheilig 2010 alle Rekorde und auch das dazugehörige Album „Grosse Freiheit“ hielt sich wochenlang auf Platz 1 der Verkaufscharts. Der Graf war in dieser Zeit omnipräsent, was ihm in der Szene von vielen übel genommen wurde. Gespannt wurde deswegen auf das neue Werk „Lichter der Stadt“ geguckt, ob der kommerziellere Weg weiter verfolgt werden würde.

Die Singleauskopplung „So wie du warst“ ließ für den Longplayer schlimmes erwarten, denn diese strotzt nur vor Schmalz und schlagerhaften Floskeln. Als dann noch bekannt wurde, dass ein Duett mit dem Prediger Xavier Naidoo auf dem Album vertreten sein soll, wendeten sich die älteren Fans schon scharenweise ab. Dabei ist dieser Song namens „Zeitreise“ gar nicht so schlecht.

Insgesamt merkt man dem Album leider an, dass es den Massen gefallen will, denn gitarrenlastigere Songs sind kaum vertreten. Lediglich „Herzwerk“ und „Eisenmann“ zollen der Vergangenheit Tribut und zählen neben „Lichter der Stadt“ zu den Highlights des Silberlings. Ansonsten säuselt der Graf seine Balladen ohne dabei an die Qualität von „An deiner Seite“, „Astronaut“ oder ja auch „Geboren um zu leben“ anknüpfen zu können.

Ein guter Künstler verabschiedet sich in die Mittelmäßigkeit – schade!

In Anspielung auf Unheilig bezeichnen Eisbrecher ihre Musik „auch“ Schlager und sind sich nicht zu schade live einige Schlagerhighlights wie „Wahnsinn“ oder „Tränen lügen nicht“ anzuspielen. Mit „Die Hölle muss warten“ präsentiert das Sextett um den von Dmax bekannten Checker ihr fünftes Album.

Die Lücke die der Graf gerissen hat, füllen Eisbrecher gekonnt und bieten ein Album mit Balladen aber auch Clubkrachern wie z.B. „Verrückt“. Im Vordergrund steht nicht mehr nur die Härte, sondern gute Melodien gepaart mit eingängigen deutschen Texten. Neben „Verrückt“ dienen „Die Hölle muss warten“ und „Tanz mit mir“ als Reinhörtipps.

Hoffentlich schifft der Eisbrecher noch lange so durch die deutsche Musiklandschaft und erliegt nicht den Verlockungen des Weichspülkommerzes.

Autor:

Kay Utermark aus Herdecke

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